Ifo-Umfrage Materialmangel in der Industrie: Entspannt sich die Lage?

Wird es knapp beim Material, dann steht die Produktion: So lautet die Sorge der deutschen Industrie angesichts des Mangels in unterschiedlichsten Branchen. Im August hat sich die Situation nun etwas entspannt. Das geht es aus einer aktuellen Umfrage des ifo-Instituts hervor.

Ein Mitarbeiter verkabelt den Akku an einer Linie für ein Elektroauto
Mangelware seien vor allem Elektronikkomponenten aus China, so Martin Witschaß von der IHK Chemnitz. Bildrechte: dpa

Die Materialversorgung in der deutschen Industrie hat sich laut einer Umfrage des Ifo-Instituts aktuell etwas verbessert. Derzeit klagen noch 62 Prozent der Firmen über Materialknappheit, einen Monat zuvor waren es noch mehr als 73 Prozent. Der August-Wert ist nach Angaben des Instituts der niedrigste seit mehr als einem Jahr. Von einer nachhaltigen Entspannung könne leider noch nicht die Rede sein, teilte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, mit.

Der Rückgang ist immer noch zu klein, um einen deutlichen Impuls bei der Industrieproduktion auszulösen und damit die Konjunktur anzuschieben.

Klaus Wohlrabe Umfragen-Leiter des ifo-Instituts

Materialmangel in Maschinenbau und Elektroindustrie weiterhin hoch

Die Branchen sind laut der Umfrage unterschiedlich stark betroffen: Firmen der Möbel- und der Lederindustrie klagten demnach aktuell weniger über Materialmangel als noch vor einem Monat. Probleme gebe es weiterhin vor allem im Bereich Maschinenbau: 85,7 Prozent der Unternehmen mangelten Materialien und Vorprodukte. Der Elektroindustrie geht es laut Umfrage ähnlich, rund 80 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, von Materialknappheit betroffen zu sein. Ganz oben auf der Liste der fehlenden Materialien: elektronische Komponenten aller Art, Stahl, Aluminium und nicht lieferbare Verpackungen.

Ein Sägeblatt wird in einen Sägeblattschleifer eingespannt und nachgeschliffen.
Beim Materialmangel ganz vorne: Maschinenbau und Elektroindustrie. Bildrechte: dpa

Logistik, Binnenschifffahrt und Lieferketten kämpfen weiterhin mit Problemen

Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz, Martin Witschaß, sieht die Engpässe trotz leichter Entspannung in Sachsen weiter allgegenwärtig: "Massive Probleme in der Logistik sowie Schwierigkeiten bei der deutschen Binnenschifffahrt belasten die Lieferketten auch weiterhin." Elektronikkomponenten aus China seien nach wie vor Mangelware, hinzu komme der Krieg gegen die Ukraine, der die Rohstoffversorgung vieler Unternehmen in Deutschland und auch weltweit vor Herausforderungen stelle. Besonders bei Metall- und Stahlerzeugnissen zeigten sich Engpässe in explodierenden Preisen.

Ein Blick in gestapelte Stahlrohre, am Ende ist ein Mann zu erkennen
In der Möbel- und Lederindustrie geht es laut Umfrage leicht bergauf. In den Bereichen Maschinenbau und Elektroindustrie schaut man weiter in die Röhre. Bildrechte: dpa

IHK Dresden: Positiver Trend noch nicht belastbar

Für den Sprecher der IHK Dresden, Lars Fiehler, klingt die ifo-Umfrage zwar nach einer positiven Botschaft, bestätigen kann er den Trend für Sachsen aber nicht. Die Herbstkonjunkturbefragung stehe erst im September an: "Belastbare Aussagen werden wir erst Anfang Oktober wieder in Händen halten", meinte Fiehler auf Nachfrage von MDR SACHSEN.

MDR (lst)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 31. August 2022 | 16:53 Uhr

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