Vereinbarung MDR und sächsische Polizei wollen enger zusammenarbeiten

Das Klima ist rauher geworden in unserer Gesellschaft. Das zeigt sich auch auf Demonstrationen und Kundgebungen. Immer wieder geraten diese außer Kontrolle. Dann werden Polizeibeamte angegriffen und auch Pressevertreter. Um mehr Verständnis füreinander und für die Arbeit des jeweils anderen zu entwickeln, wollen der MDR und die sächsische Polizei künftig intensiver zusammenarbeiten.

Mirko Göhler, kommissarischer Prorektor der Hochschule der Sächsischen Polizei, und Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) unterzeichnen eine Kooperationsvereinbarung zur Förderung der Aus- und Fortbildung in der Medienarbeit.
MDR-Intendantin Karola Wille und Mirko Göhler, kommissarischer Prorektor der Hochschule der Sächsischen Polizei Bildrechte: dpa

Polizei und öffentlich-rechtlicher Rundfunk – Hand in Hand, manch einer wird das mit Skepsis betrachten. Doch MDR-Intendantin Karola Wille betonte bei der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung mit der Polizeihochschule, der Mitteldeutsche Rundfunk werde auch künftig kritisch über die Arbeit der Polizei berichten.

Da das ein Grundpfeiler unserer Arbeit ist, dass wir unabhängig über die Geschehnisse in unserem Land und natürlich auch über die Arbeit der Polizei berichten können müssen, ist das ein Bestandteil unserer Kooperationsvereinbarung, dass wir ganz klar sagen: Unsere Unabhängigkeit bleibt davon unberührt.

Karola Wille Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks

Hintergrund: Besserer Schutz von Journalisten

Ziel der Vereinbarung soll sein, dass Journalistinnen und Journalisten und Polizisten mehr Verständnis für die Arbeit der jeweiligen Seite entwickeln. Zudem sollen Medienvertreter bei Polizeieinsätzen besser geschützt werden - etwa vor Übergriffen von Demonstranten. "Vor einigen Jahren hätte ich mir noch nicht vorstellen können, dass ich mir Sorgen mache bei Demonstrationen", sagte Wille. Inzwischen gebe es aber teils offenen Hass und Aggressionen gegen Medienvertreter. Daher sei es wichtig für den MDR, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich etwa vor Übergriffen bei Demonstrationen zu schützen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei solle ein Baustein dafür sein.

Innenminister Wöller: Wechselseitiges Verständnis wichtig für Demokratie

Die Unabhängigkeit des MDR stellt auch Sachsens Innenminister Roland Wöller CDU) nicht in Frage. "Wir brauchen eine kritische Berichterstattung, auch wenn sie manchmal schmerzhaft ist und Fehler aufzeigt, damit sie abgestellt werden können." Aber ein wechselseitiges Verständnis für die unterschiedlichen Aufgaben und ein gemeinsames Arbeiten an und für die Demokratie sei unverzichtbar.

Bei der Kooperation soll es auch um die Arbeit und Rechte der Presse gehen. Polizisten sollten bereits in ihrer Ausbildung lernen, was Rundfunkfreiheit bedeute, etwa bei der Beschaffung von Filmmaterial, sagte MDR-Intendantin Karola Wille. Außerdem sind Seminare sowohl für Auszubildende im mittleren Dienst der Polizei sowie für Kommissarsanwärter und gestandene Polizisten geplant, kündigte Mirko Göhler, Prorektor der Hochschule der Sächsischen Polizei, an. Konkrete Formate würden in den kommenden Monaten ausgearbeitet. Beide Seiten betonten, dass man schon jetzt im regelmäßigen Austausch sei, die Vereinbarung solle die Zusammenarbeit aber vertiefen.

DJV befürwortet Kooperationsvereinbarung

Der Deutsche Journalistenverband begrüßt die Vereinbarung, wie DJV Sachsen-Geschäftsführer Lars Radau sagte. "Wir haben auch als Verband schon Workshops, Kooperationen und Schulungen mit verschiedenen Fortbildungseinrichtungen der Polizei gemacht und dazu beigetragen, füreinander Verständnis zu entwickeln," sagte Radau MDR SACHSEN. Wenn auch der MDR auf diesem Weg einen Baustein setze, werde dies von der Journalistengewerkschaft ausdrücklich befürwortet.

Quelle: MDR/kb/rk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | RADIOREPORT | 14. Oktober 2021 | 13:00 Uhr

3 Kommentare

ElBuffo vor 1 Wochen

Stimmt, Journalisten sind bisher ausschließlich in Sachsen angegriffen worden. Wenn ich allerdings die Herkunft der Person ansehe, habe ich dann aber doch ein paar Fragezeichen im Kopf.

Janes vor 1 Wochen

Sachsen ist vermutlich das einzige Bundesland, in dem es Vereinbarungen braucht, dass die Polizei nach Grundgesetz die Pressearbeit nicht behindert und für die ungestörte Ausübung sorgt.

Zeitgeist vor 1 Wochen

Passt, Sie hat da beste DDR - Facherfahrung, Grüße aus Schwedt !

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