Prozess in Leipzig MDR fordert 300.000 Euro Schadensersatz von Ex-Unterhaltungschef

Die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, Karola Wille, ist am Freitag als Zeugin im Prozess gegen den früheren Unterhaltungschef Udo Foht befragt worden. Nach nur 30 Minuten wurde sie wieder aus dem Zeugenstand im Landgericht Leipzig entlassen. In der Befragung wurde deutlich, dass der Angeklagte Foht hohen Schadenersatz an den Sender zahlen muss.

Karola Wille
MDR-Intendantin Karola Wille war 2011, als der Skandal ans Licht kam, juristische Direktorin des öffentlich-rechtlichen Senders gewesen. Bildrechte: dpa

Im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal um den früheren Fernsehmanager Udo Foht verlangt der Mitteldeutsche Rundfunk mehr als 300.000 Euro Schadenersatz von seinem Ex-Unterhaltungschef. Foht habe einen relevanten Teil davon bereits gezahlt und zahle auch weiterhin, sagte die MDR-Intendantin Karola Wille im Landgericht Leipzig am Rande der Verhandlung. Sie war dort als Zeugin im Prozess gegen Foht geladen.

Der heute 72-jährige Udo Foht ist unter anderem wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Wille sagte vor Gericht aus, dass den MDR im Frühjahr 2011 ein Mahnbescheid über Geld-Forderungen einer Produktionsfirma erreicht habe. Angeblich habe Foht mit dem Geld einen Produktionskostenvorschuss für ein TV-Format finanzieren wollen. In diesem Fall sei sie von einem Regelverstoß ausgegangen.

Hinweis auf strafbare Handlungen Ende Juli 2011

Im Juli 2011 habe sie dann weitere Hinweise bekommen, dass es unbeglichene Forderungen von Produzenten gegeben habe. Ein Produzent, von dem sich Foht 20.000 Euro geliehen haben soll, habe dann schließlich konkrete Angaben gemacht. "Da war der Verdacht nahe, dass es mehr als Regelverstöße sind", sagte Wille. Einen Tag später habe sie dem damaligen MDR-Intendanten Udo Reiter empfohlen, den Unterhaltungschef zu suspendieren, Strafanzeige zu stellen und Hausverbot zu erteilen.

Wille: Ex-Unterhaltungschef hat MDR großen Schaden bereitet

Nach wenigen Fragen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung war die Zeugenbefragung beendet. Auf dem Gerichtsflur vor dem Saal sagte Karola Wille: "Herr Foht hat damals durch sein Handeln dem MDR großen Schaden bereitet, auch vielen anderen, die hier als Geschädigte auftreten. Und deswegen, war es mir auch wichtig, dass ich heute als Zeugin auftrete und mit zur Aufklärung beitrage." Auf die Frage eines Journalisten an Karola Wille, es sei ja gar keine Entschuldigung des Angeklagten Foht gekommen, ob sie sich das erhofft hätte in diesem Prozess, antwortete Wille: "Ich hätte es mir erhofft. Vielleicht kommt es ja noch?"

Foht hat im Prozess bereits zugegeben, dass er in seinen letzten Jahren als Unterhaltungschef des öffentlich-rechtlichen ARD-Senders immer wieder verschiedene Musikmanager und TV-Produzenten um Darlehen gebeten hatte. Das Geld habe er benötigt, um Sendungen im MDR umsetzen zu können. Er habe gewusst, dass er die zumeist fünfstelligen Summen nicht pünktlich würde zurückzahlen können. Der Prozess wird am 16. Dezember fortgesetzt.

MDR (Arnd Groß/kbe)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 09. Dezember 2022 | 19:00 Uhr

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