Vornamen 2020 Alucard, Rey und Lucifer - Alltag in der Namensberatungsstelle in Leipzig

Wer seinen Nachwuchs Alucard, Rey oder Lucifer nennen möchte, der hat es bei manchen Standesämtern schwer. Dass Eltern gerne einen etwas spezielleren Namen für ihr Kind wünschen, ist zwar nicht neu, doch nicht jedes Standesamt macht da mit. Im Zweifelsfall hilft ein Gutachten von der Namensberatungsstelle in Leipzig. Welche teils kuriosen Anfragen hier im vergangenen Jahr eingegangen sind, verrät Namensberaterin Gabriele Rodriguez.

Ein Baby wird mit Flasche gefüttert
Bei der Namenswahl haben es Eltern nicht leicht: Kurz oder lang? Alt oder neu? Klassisch oder ausgefallen? Tausende Namen gibt es zur Auswahl und jährlich kommen neue hinzu. Bildrechte: imago images / westend61

Hannah, Ben, Mia, Karl, Emma und Emil - diese Namen waren im vergangenen Jahr die beliebtesten in Sachsen. Hunderte Male wurden sie als Ruf- oder Zweitnamen vergeben. Doch viele Eltern suchen auch nach ausgefallenen Vornamen für ihren Nachwuchs. Oft landen diese Fälle dann auf dem Tisch von Gabriele Rodriguez - in der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig. Denn im Zweifel müssen Eltern mit einem ausgefallenen Wunsch nachweisen, dass ihr Name geeignet ist.

Lucifer - gefragter Name mit Makel

"Im vergangenen Jahr gab es wieder einige Anfragen zum Namen Lucifer bzw. Luzifer", weiß Namensberaterin Rodriguez zu berichten. Schon seit einiger Zeit erhält sie immer wieder Anfragen zu dem Namen. Doch in dieser Sache beißen die werdenden Eltern auf Granit. "Wir sind immer noch der Meinung, dass wir da kein positives Gutachten erstellen. Der Name bringt starke negative Assoziationen mit sich. Doch die Statistik zeigt, dass der Name trotzdem eingetragen wird - wenn auch vereinzelt und als Zweitname. Aber er wird eingetragen." Das liegt vor allem daran, dass Standesbeamte im eigenen Ermessen entscheiden können, ob sie Namen eintragen oder eben nicht.

Besteht Zweifel daran, ob der Vorname existiert oder genügend Eigenschaften eines Vornamens aufweist, wird Namensforscherin Rodriguez hinzugezogen. Sie vermutet, dass die Fernsehserie "Lucifer" zu dem steigenden Interesse an dem Namen und zu den Zulassungen führt. Auch der Name Mazikeen - ebenfalls eine Protagonistin der Fernsehserie - landete im vergangenen Jahr auf ihrem Tisch. Von der Expertin gab es in diesem fall aber grünes Licht. "Dadurch, dass der Name nicht negativ belastet ist, wurde er ganz normal eingetragen."

Gabriele Rodriguez
Gabriele Rodriguez ist eine Namensexpertin an der Universität Leipzig. Bildrechte: imago/APress

Star-Wars-Namen weiter im Trend

Dass Namen aus Serien auf Geburtsurkunden landen, ist kein neuer Trend - nur die Namen ändern sich immer wieder. Laut Rodriguez hat es im vergangenen Jahr wieder eine kleine Star-Wars-Welle gegeben. Der Name Amidala sei bereits seit einigen Jahren beliebt. "75 Prozent der Namen, die bei Star Wars vorkommen, finden Sie schon bei Personen in Deutschland", erklärt die Leipziger Namensberaterin. "Natürlich sind da auch Namen dabei, die ganz normal sind: Finn oder Luke sind gängige Namen." Neu sei hingegen der Name Rey als Mädchenname. Er stammt aus einer der neueren Verfilmungen aus dem Star-Wars-Universum.

Fantasy-Serien wirken sich auf Namensgebung aus

Die Serie Game of Thrones wirke auch heute noch nach: "Sie haben da Sansa, Daenerys, Khaleesi. Das sind keine Namen, die sie unter den Top 30 finden. Aber sie werden immer wieder eingetragen." Seitdem die Serie läuft, habe es immer wieder Anfragen dazu gegeben. Inzwischen seien Namen wie Khaleesi schon ganz normal und so gebräuchlich, dass sie ohne weitere Anfrage bei der Namensberatungsstelle eingetragen werden, meint Rodriguez.

Alte Namen in neuer Form

"Das Interessante an diesen Namen ist, dass es ursprünglich keine realen Personen gab, die diesen Namen getragen haben. Es sind neue Namen, aber wenn man sich die Science-Fiction-Namen ansieht, kann man feststellen, dass sie auf alte lateinische, griechische und ägyptische Formen oder auf Sanskrit zurückgehen." Wahrscheinlich sei, dass die Autoren in diesen Bereichen gesucht und sich an den alten Formen zumindest teilweise bedient haben, mutmaßt Rodriguez.

Sansa, eine Protagonistin aus der Serie Game of Thrones, beispielsweise sei aus Sanskrit entlehnt. Ebenso der Kinderbuchheld Atreyu aus der Unendlichen Geschichte. Auch um diesen Namen hat sich Rodriguez im vergangenen Jahr gekümmert. "Das ist ein ganz alter indischer Name. Und ich war erstaunt, dass die Eltern den Namen bestätigen lassen mussten. Denn für den haben wie ja schon vor 20 Jahren die Gutachten geschrieben."

Filmszene aus Game of Thrones. Arya und Sansa Stark in Winterfell.
Eine Szene aus der Serie Game of Thrones: Die Namen der Schwestern Sansa und Arya sind inzwischen auch in deutschen Kinderzimmern angelangt. Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Manga-Namen für den Nachwuchs

Weiter im Trend liegen auch Namen aus dem Trickfilm- und Manga-Bereich, weiß Rodriguez zu berichten. "Da haben wir zum Beispiel Calzifer, das ist eine Figur aus einem Trickfilm - ein Feuerteufel. Der Name bedeutet in etwa "Feuerbringer". Der ist ganz nah dran an Luzifer, hat aber eben nicht die negativen Assoziationen." Deshalb habe Namensexpertin Rodriguez den Eltern in diesem Fall ein positives Gutachten zuschicken können. Ebenso für den Namen Loki, der durch die Manga-Serie "Detektiv Loki" offenbar neuen Aufschwung erhalten hat.

Kurioses für die Namensforscherin

Recht speziell war im vergangenen Jahr laut Rodriguez auch die Anfrage zum Vornamen Alucard. Die Prüfung ergab, dass es den Namen zwar zuvor nicht gab, er aber durchaus als Vorname zugelassen werden könnte. Dann stellte Rodriguez fest, "dass der Name spiegelverkehrt Dracula gelesen wird. Da muss ich zu meiner Schade gestehen: Ich habe es erst später gemerkt."

Corona macht auch vor Geburtsurkunden nicht halt

Tatsächlich ist im vergangenen Jahr auch mindestens ein kleiner Junge mit dem Namen Corona geboren worden - allerdings trägt er ihn lediglich als Zweitnamen, schiebt Namensexpertin Rodriguez hinterher: "In Deutschland gibt es mindestens 53 Frauen mit dem weiblichen Vornamen Corona und 15 mit dem Namen Korona. Beide Namen werden heute selten eingetragen und vor allem in Süddeutschland beziehungsweise in katholisch geprägten Gebieten. Die Mädchen werden nach der Heiligen Corona benannt." Der Name ist also nicht neu, stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet "Krone, Blütenkrone, Kranz".

Anfragen habe es bei der Namensberatungsstelle aber nicht gegeben. Grundsätzlich sei die Eintragung von Corona oder Korona möglich, "da diese Namen im Internationalen Handbuch der Vornamen enthalten sind, mit dem die Standesämter arbeiten", erklärt Rodriguez. Möglich also, dass wir in einigen Jahren immer wieder kleinen Coronas begegnen werden.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.12.2020 | 07:30 Uhr in den Nachrichten

6 Kommentare

H.E. vor 22 Wochen

@geradeaus -

Warum sollen die Standesbeamten schuldig sein bei so verrückten Namensgebungen. Es ist einfach zu billig, immer für alles und jedes anderen die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen.

Es sind eindeutig die Eltern, bei denen das Rad in ihrem Gehirn nicht richtig läuft. Die Eltern tragen voll und ganz die Schuld.

geradeaus vor 22 Wochen

Wie "H.E." und "Normalo" schon schrieben ist es unverständlich wie solche Namen zustande kommen. Da fragt man sich haben die Menschen Wut im Bauch weil sie nicht ihr Wunschkind bekamen oder wollen die einfach ihren Freunden zeigen wie mutig sie sind ?! Nur die selbst müssen dann auch nicht das ganze Leben damit rumlaufen. Kopfschüttel.
Andererseits frage ich mich wieso Frau Rodriguez solche Namen dann auch teils freigibt. Okay. Sie hat gemerkt das Alucard rückwärts Dracula heißt und sich dann geärgert. (du meine Güte) jedoch ist der Name Alucard noch weitaus schlimmer.
Also die Schuld liegt definitiv nicht alleine bei solchen Eltern sondern auch bei den Menschen im Standesamt. Die sollten sich genauso schämen.

Alles Gute

geradeaus vor 22 Wochen

Weil die Menschen des Standesamtes die letzte Rettung der Kinder sind.

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