Energiepreise Öl-Embargo gegen Russland: Mit welchen Folgen Sachsen rechnen muss

Bereits seit Wochen wird ein Ölembargo gegen Russland diskutiert. Jetzt, wo es in greifbare Nähe rückt, wird klar: Für Sachsen wäre es besonders einschneidend. Trotzdem erwartet die Landesregierung keine Versorgungsengpässe.

Vor einem Abendhimmel wurden drei Fördertürme fotografiert, die Erdöl an die Oberfläche pumpen.
Ohne Öl aus russischen Ölquellen gingen in Sachsen zwar nicht die Lichter aus, spürbar teurer würde es aber werden. Bildrechte: MDR/PantherMedia/Dyshlyuk

Das von der EU-Kommission vorgeschlagene Ölembargo gegen Russland hätte spürbare Auswirkungen auf Sachsen. Zu dieser Einschätzung kommt die Landesregierung auf Anfrage von MDR SACHSEN. Mit einem Versorgungsenpass sei jedoch nicht zu rechnen, hieß es. Derzeit kommt den Angaben zufolge fast das gesamte Rohöl, das in den Raffinerien Schwedt und Leuna zu Kraftstoff für den sächsischen Markt verarbeitet wird, aus Russland.

Eine Alternative - etwa eine Pipeline aus Dänemark oder den alten Bundesländern gibt es bislang nicht. "Natürlich betrifft uns das im Osten mit Leuna und Schwedt stärker als andere Bundesländer. Wir werden uns aller Voraussicht nach auf steigende Preise einstellen müssen", sagte Energieminister Wolfram Günther (Grüne).

Wolfram Günther
Bildrechte: dpa

Wir werden uns aller Voraussicht nach auf steigende Preise einstellen müssen.

Wolfram Günther sächsischer Energieminister (B'90/Die Grünen)

Dulig fordert Hilfen für Ostdeutschland

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hat das geplante Öl-Embargo gegen Russland begrüßt. Man brauche Waffenstillstand und eine Verhandlungsposition, so Dulig. "Und dafür muss Russland wirtschaftlich unter Druck kommen. Deshalb sind die Sanktionen richtig."

Zugleich forderte er aber auch Hilfen für Ostdeutschland, wenn die Öl-Lieferungen gestoppt sind. Er erwarte einen Ausgleich der regionalen Unterschiede. "In Ostdeutschland besteht, was die Leitungen betrifft wie Schwedt, eine starke Anbindung an das russische Öl", sagte Dulig. "Deshalb muss klar sein, dass es bei Sanktionen einen Ausgleich geben muss, damit wir nicht zu einem Ost-West-Unterschied kommen, der unsere Wirtschaft massiv kaputt macht."

Ragnitz: Russland könnte fremdes Öl in Schwedt ablehnen

Obwohl die Bundesregierung gemeinsam mit der Industrie daran arbeitet, dass Öl via Tankschiff nach Rostock oder Danzig gebracht und von dort in eine bestehende Pipeline eingespeist werden kann, sieht Wirtschaftswissenschaftler Prof. Joachim Ragnitz vom ifo-Institut Dresden bei diesem Vorgehen Unwägbarkeiten. "Die große Unsicherheit ist dann aber: Wie reagiert Russland? Schließlich gehört denen die Raffinerie in Schwedt, so dass sie sagen könnten: Nicht-russisches Öl verarbeiten wir hier nicht", beschreibt Ragnitz ein mögliches Szenario.

Die Raffinerien Schwedt und Leuna - Die Pipeline "Druschba" (Freundschaft) aus Russland, über die Deutschland nach Angaben der Raffinerie PCK in Schwedt zu 25 Prozent mit Rohöl versorgt wird, endet in Brandenburg.
- Die Raffinerie wurde 2021 fast vollständig vom russischen Staatskonzern Rosneft übernommen. Das Bundeswirtschaftsministerium überprüft die Beteiligung.
- Die Raffinerien in Schwedt und Leuna (Sachsen-Anhalt) verarbeiten jeweils bis zu zwölf Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr aus der "Druschba"-Leitung.

Quelle: dpa

Preissteigerungen bei Auto und Kosmetik

Neben den Autofahrern sind beinahe alle Industriezweige und der Einzelhandel für ihre Produkte auf das flüssige Gold angewiesen. "Wenn sie ein Auto kaufen, muss das ja noch lackiert werden. Lack wird wiederum auf Basis von Öl hergestellt, so dass am Ende auch die Autos teurer werden." Ähnlich sei das bei Kosmetika, die ebenfalls auf Basis von Öl produziert werden. "Der Preisschub bei Rohöl setzt sich auf allen Stufen der Wertschöpfungskette fort", sagte Ragnitz. Das Dresdner ifo-Institut rechnet daher ebenfalls mit langsam, aber stetig steigenden Preisen in Sachsen.

Bereits Ende April hatte Ragnitz gesagt, er rechne bei einem Ende der Öllieferungen aus Russland mit massiven Auswirkungen auf Preise, womöglich auch auf die Versorgung mit Kraftstoffen und auf die Chemieindustrie.

Bauindustrieverband Ost warnt vor Versorgungsengpässen

Der Bauindustrieverband Ost sieht durch ein Öl-Embargo die Versorgungssicherheit in weiten Teilen Ostdeutschlands als akut gefährdet an. Neben Preissteigerungen bei Heizöl und Benzin drohe auch ein massiver Engpass an Bitumen, das im Straßenbau benötigt wird, erklärte Hauptgeschäftsführer Robert Momberg.

Schwedt und Leuna produzierten 30 Prozent des deutschlandweit benötigten Bitumens. Wegen der Nähe zu den Standorten sei die ostdeutsche Baubranche der Hauptabnehmer und würde unter den Folgen eines Embargos leiden. Baustopps wären die logische Folge. Momberg forderte, dass der Bund, die ostdeutschen Landesregierungen und Wirtschaftsvertreter dafür sorgen müssten, dass die beiden wichtigen Raffinerien am Netz bleiben können.

MDR (sth/Robert Mönch/al)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 05. Mai 2022 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen