Hörer machen Programm Immer mehr Pflegeheimbewohner müssen Sozialleistungen beantragen

Wer im Alter einen Platz in einer Pflegeeinrichtung benötigt, muss sich diesen leisten können. Denn Pflegebedürftige müssen dafür einen Eigenanteil zahlen, der in den letzten Jahren gestiegen ist. MDR AKTUELL-Hörerin Annelie Klant aus Dresden fragt sich, wie viel Prozent der Heimbewohner in Sachsen auf Sozialhilfe angewiesen seien – wie viel vor Corona, wie viel jetzt und was zukünftig erwartet werde.

In Sachsen stammen die aktuellsten Zahlen über Heimbewohner, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, aus dem Jahr 2019 – nachzulesen auf der Webseite des Statistischen Landesamts Kamenz. Demnach waren rund 12.000 Heimbewohner in Sachsen auf Sozialhilfe angewiesen. Bei rund 51.000 Heimbewohnern sind das 24 Prozent. Warum ist das so?

Wohlfahrtsverband kritisiert steigende Kosten

Jeder Pflegeheimplatz kostet pro Monat einen bestimmten Betrag. Die Pflegekasse übernimmt einen Festbetrag. Der Rest ist der sogenannte Eigenanteil, den der jeweilige Bewohner selbst aufbringen muss, meist von seiner Rente oder von Ersparnissen. Die Eigenanteile in Sachsen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.

Zu den Gründen sagt Thomas Neumann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen: "Alle Kostensteigerungen, die in der Pflegeeinrichtung entstehen, insbesondere durch bessere Bezahlung des Personals und durch Personalzuwachs, bleiben an den Pflegebedürftigen hängen." Das sei ein Zustand, den der Verband sehr kritisch bewerte. "Wir sind der Meinung, dass die sogenannten Eigenanteile gedeckelt werden müssten, damit die Entwicklung der letzten Jahre, dass Pflegebedürftige immer höhere Kosten tragen, unterbunden werden."

Anfang 2018 betrug der Eigenanteil durchschnittlich 278 Euro im Monat pro Heimbewohner. Bis zum Juli 2021 stieg der Eigenanteil auf 757 Euro im Monat an – eine Kostensteigerung um 172 Prozent innerhalb von reichlich drei Jahren, die vollständig von jedem Heimbewohner bezahlt werden muss. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt deshalb vor dem Risiko pflegebedingter Armut: Die letzte Pflegereform von Gesundheitsminister Jens Spahn sehe weder eine angemessene Begrenzung noch eine echte Deckelung der Eigenanteile bei den Pflegekosten vor, so die Kritik.

Auch die Linken wollen Deckelung der Eigenanteile

Kritik kommt auch aus der Opposition. Susanne Schaper, Landesvorsitzende der Linken in Sachsen und gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion der Linken im sächsischen Landtag, findet, es sei im Prinzip eine Schande, dass so viele Sozialleistungen beantragen müssten. "Das war aber schon vor der Corona-Krise so – teilweise 99 Prozent in sächsischen Pflegeheimen. Wir wollen deshalb ein Pflegewohngeld. Wir wollen die Eigenanteile nachhaltig deckeln und wir wollen den solidarischen Umbau der Pflegeversicherung zur Vollversicherung. Das ist schon lange vonnöten."

Der Anteil pflegebedürftiger Heimbewohner, die in Sachsen mit Sozialhilfe leben müssen, ist über die Jahre leicht gestiegen. 2005 erhielten von den damals 40.000 Heimbewohnern 9400 Sozialhilfe, das sind 23,5 Prozent – ein halber Prozentpunkt weniger als 2019. Nächsten Monat wird der neueste statistische Bericht veröffentlicht. Dann mit den aktuellen Zahlen zu Sozialhilfeempfängern in sächsischen Pflegeheimen. Dann lässt sich auch erstmals ein direkter Vergleich ziehen zu der Zeit von vor Corona.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. August 2021 | 08:21 Uhr

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