Pflegereport 2020 Hohe Belastung für sächsische Pflegekräfte

Eine Altenpflegerin betreut im Seniorenheim eine 101 Jahre alte Frau.
Sachsen hat die bundesweit geringste Quote an Vollzeitbeschäftigten in stationären Pflegeeinrichtungen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die sächsischen Pflegekräfte sind im bundesweiten Vergleich einer überdurchschnittlich hohen Belastung ausgesetzt. Wie aus dem Pflegereport 2020 der Krankenkasse Barmer hervorgeht, lastet ein Großteil der geleisteten Arbeitsstunden in den Pflegeheimen auf Teilzeitkräften. Nur 21,6 Prozent dieser Pflegekräfte sind laut der Untersuchung in Vollzeit angestellt. Die Krankenkasse hat für den Report anonymisierte Daten von rund 9,1 Millionen Versicherten bundesweit untersucht.

Hohe krankheitsbedingte Fehlzeiten

Demnach würden im Freistaat Stand 2017 mehr als 57.000 Pflegebedürftige in stationären Pflegeeinrichtungen von rund 18.200 Pflegekräften versorgt. Von ihnen arbeiteten rund 70 Prozent in Teilzeit. Damit habe Sachsen die bundesweit geringste Quote an Vollzeitbeschäftigten in stationären Pflegeeinrichtungen. "Der Eindruck, dass sich die Arbeitsstunden auf mehrere Schultern verteilen, täuscht jedoch. In Sachsen konzentriert sich ein überdurchschnittlich hoher Arbeitsstundenanteil auf Teilzeitbeschäftigte, die oft einspringen müssen, wenn Kollegen krankheitsbedingt ausfallen", sagte Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer. Das gehe zu Lasten der Gesundheit. Das Personal in Pflegeheimen in Sachsen liege bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten mit durchschnittlich 30 Ausfalltagen an erster Stelle aller Berufsgruppen.

Druck durch Corona-Pandemie verschärft

Pflegekräfte stünden auch stärker unter Termin- und Leistungsdruck als Beschäftigte in vielen anderen Branchen. In der Corona-Pandemie hätten sich diese Bedingungen noch einmal verschärft. Bei unzureichender Personalausstattung fallen laut Barmer für die Beschäftigten immer mehr Überstunden an, die Dienstpläne können nicht verlässlich eingehalten werden, Pflegekräfte würden regelmäßig "aus dem Frei" gerufen.

Durch eine zu hohe Arbeitsbelastung können zusätzlich noch Arbeitskräfte verloren gehen, weil sie krankheitsbedingt ausfallen, die Berufsbranche verlassen oder sogar frühverrentet werden.

Fabian Magerl Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen

Zwei Altenpflegerinnen stehen im Seniorenheim Pauline-Krone-Heim der Altenhilfe Tübingen für einen Antigen-Corona-Schnelltest im Zimmer eines Bewohners.
Die Coronapandemie hat die körperliche und psychische Belastung der Pflegekräfte verschärft, so die Krankenkasse. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Mehr als 1.200 Pflegekräfte gehen in Sachsen durch belastungsbedingte Krankheit und Frühverrentung verloren, konstatiert die Krankenkasse. Mit einer Verbesserung der Arbeitssituation für das Pflegepersonal und der damit einhergehenden Absenkung der krankheitsbedingten Ausfalltage könne dem Personalmangel entgegengewirkt werden.

Handlungsempfehlung: Vorsorge und Ausbildungsoffensive

Neben geregelten Arbeitszeiten müssten die Arbeitgeber auch stärker auf gesundheitliche Vorsorge setzen. "Präventionsangebote für die Beschäftigten in den einzelnen Einrichtungen müssen zum Standard werden, so Magerl. Mit gezielten Trainings gegen Rückenprobleme oder psychischen Stress könne Einiges erreicht werden. Um die Situation in der Pflege zu verbessern, sei allerdings ein ganzes Maßnahmenpaket erforderlich.

"Eine Aus- und Weiterbildungsoffensive ist in den Pflegeberufen zwingend erforderlich. Der Gesetzgeber hat hier mit der 'Konzertierten Aktion Pflege', die bis zum Jahr 2023 einen deutlichen Zuwachs an Ausbildungsplätzen vorsieht, einen wichtigen Schritt gemacht", so der Landesgeschäftsführer. Allerdings richte sich der Fokus dabei nur auf Pflegefachkräfte. Das reiche nicht aus.

Quelle: MDR/bj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 28.01.2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

biege vor 13 Wochen

Nur gut, dass der Rest der arbeitenden Bevölkerung keinen hohen Belastungen durch die derzeitige Situation ausgesetzt ist.

Rotti vor 14 Wochen

Wo bleibt denn da der sächsische MP? Oder hat das die SPD wieder mal nicht erlaubt?

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