Kostenanstieg Handwerkstag warnt vor Pleitewelle sächsischer Bauunternehmen

Die Baubranche in Sachsen steckt tief in der Krise. Preissteigerungen für Rohstoffe und Sprit treiben die Firmen in den Konkurs. Der Sächsische Handwerkstag warnt vor einer Pleitewelle in der Branche und fordert die Möglichkeit, Kosten an öffentliche Auftraggeber weitergeben zu können.

Bauarbeiter errichten bei Sonnenaufgang ein Gebäude am Kronberg
Am Horizont droht auch der sächsischen Baubranche Ungemach. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind noch nicht bewältigt, der Fachkräftemangel schon länger ein Problem - und jetzt lässt der Krieg in der Ukraine die Rohstoffpreise explodieren und macht seriöse Angebote unkalkulierbar. Bildrechte: dpa

Der sächsischen Baubranche droht eine Pleitewelle. Angesichts steigender Baustoffpreise hat der Sächsische Handwerkstag vor den Folgen für die gesamte Branche gewarnt. Rekordpreise für unverzichtbare Baustoffe wie Stahl, Aluminium und Kupfer führten laut Verbandspräsident Jörg Dittrich zu einer dramatischen Situation im Bau- und Ausbauhandwerk.

Spritpreise treiben Kosten in die Höhe

Eine seriöse Kalkulation von Aufträgen sei laut Dittrich mittlerweile nahezu unmöglich, da Zulieferer wichtiger Baustoffe nur noch Tagespreise angäben. So habe sich seit dem Ukraine-Krieg etwa der Preis für eine Tonne Bitumen auf 650 Euro mehr als verdoppelt. Verschärft werde die ohnehin prekäre Lage der Unternehmen durch die rasant gestiegenen Spritpreise, zumal Bauunternehmen auf Lastfahrzeuge generell angewiesen sind, begründete Dittrich.

Krieg in der Ukraine verschärft Situation

Der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost (BIVO), Robert Momberg, befürchtet durch den Krieg in der Ukraine nun eine weitere Verschärfung der Preissteigerungen und Lieferengpässe. In einer Umfrage des Verbandes hätten 80 Prozent der Unternehmen angegeben, dass der Krieg direkte oder indirekte Auswirkungen auf sie habe. Noch sei es nicht soweit, aber es sei nicht undenkbar, dass es zeitnah zu ersten Baustopps kommen könne, warnte Momberg schon Ende März 2022. Manche Unternehmen erwögen auch Kurzarbeit, so Momberg.

Robert Momberg mit einem Helm
Bildrechte: dpa

Es gibt jetzt einen ganz ungünstigen Krisencocktail: Wir haben die Auswirkungen von Corona. Da schlagen die hohen Krankenstände im Moment sehr rein. Und nun kommen die Folgen des Konflikts dazu. Die Mischung ist sehr unheilvoll.

Robert Momberg Bauindustrieverband Ost

Bund und Land sollen Mehrkosten für öffentliche Aufträge abfangen

In Sachsen hofft der Präsident des Handwerkstags, Jörg Dittrich, ebenfalls auf einen Lichtblick in Form eines Erlasses, wie es ihn schon auf Bundesebene gibt: Preisgleitklauseln bei der Vergabe öffentlicher Verträge. Diese Klauseln sollen es den Bauunternehmen bei Verträgen mit dem Bund ermöglichen, Mehrkosten durch steigende Preise für Rohstoffe und Materialien weiterzugeben - an die Steuerzahlenden.

Eine analoge Regelung zu der des Bundesbauministeriums fordert der Sächsische Handwerkstag jetzt auch von der Landesregierung für die Landes- und die kommunale Ebene im Freistaat, so Dittrich. Sachsen solle bei der öffentlichen Auftragsvergabe Preisgleitklauseln für ausgewählte Produktgruppen zulassen, so die Erwartung.

Krisen-Cocktail heizt neben Inflation schlechte Stimmung an

Der Krisen-Cocktail aus Corona-Spätfolgen, Arbeitskräftemangel und dem Krieg in der Ukraine sorgt nicht nur in der Bauwirtschaft für eine deutlich getrübte Stimmung in Sachsen und Ostdeutschland insgesamt. Das zeigte auch das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) in Dresden in seiner Märzbilanz. Fazit: Das Geschäftsklima hat sich massiv abgekühlt. "Ausschlaggebend für den Rückgang war die drastische Reduktion der Geschäftserwartungen in allen Wirtschaftsbereichen", stellten die Konjunkturexperten zuletzt fest.

Inflation in Deutschland: Euro-Banknoten Geldscheine
Besonders die Energiepreise machen auch der Baubranche zu schaffen. Die Inflation und schlechte Geschäftsprognosen, sprich ausbleibende Aufträge, trüben die Stimmung nicht nur in der Bauwirtschaft ein. Bildrechte: dpa

Besonders pessimistisch blickten demnach viele Unternehmen auf die kommenden Monate. So brachen etwa die Erwartungen im Verarbeitenden Gewerbe deutlich ein. "Der zu Jahresbeginn vorherrschende Optimismus ist passé, die Unternehmen blickten überwiegend pessimistisch in die Zukunft", so die Ifo-Experten. Ein Hauptgrund für die schlechte Stimmung dürften die rasant steigenden Preise sein. Besonders die Energiepreise heizten die Inflation an - sie stiegen durchschnittlich um mehr als ein Drittel (33,8 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat.

MDR (lt,sw)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten im Studio Dresden | 04. April 2022 | 14:30 Uhr

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