Lockdown-Lockerungen Geteiltes Echo auf geplante sächsische Corona-Beschlüsse

An einem Geschäft hängt ein Schild auf dem "Geöffnet" steht.
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Die Beschlüsse von Bund und Ländern zur Beendigung des Corona-Lockdowns und der neue Corona-Fahrplan der sächsischen Regierung stoßen auf ein geteiltes Echo. Während die Tourismusbranche sich mehr erhofft hatte, bezeichnen unter anderem die Industrie- und Handelskammer Dresden sowie der Sächsische Handwerkstag die Maßnahmen als Schritt in die richtige Richtung. Auch bei den Lehrenden kommt Hoffnung auf, dass in den Schulen wieder ein Stück Normalität einzieht.

Landestourismusverband beklagt fehlende Öffnungsperspektive

Der Landestourismusverband (LTV) Sachsen kritisiert die fehlende Öffnungsperspektive für den Tourismus. Die bereits bestehenden wirtschaftlichen Probleme würden sich dadurch weiter verschärfen. "Es ist schwer zu verstehen, dass Wirtschaftsbereiche wie der Tourismus mit besseren Kontrollmöglichkeiten mit dem aktuellen Beschluss außen vor bleiben sollen", sagte LTV-Vizepräsident Detlef Hamann und fügte an: "Wir fordern die Politik in Bund und Ländern auf, ihr Wort vom 19. Januar 2021 zu halten und schnellstens eine 'sichere und gerechte Öffnungsstrategie' und Perspektiven für ein bundesweit sicheres Reisen zu vereinbaren."

Detlef Hamann IHK Dresden
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Handel ist von Entscheidungen enttäuscht

Der Handelsverband Sachsen sieht die Eckpunkte für die neue Corona-Schutzverordnung im Freistaat ebenfalls kritisch. Der Regionalgeschäftsführer für Westsachsen, Gunter Engelmann-Merkel sagte MDR SACHSEN, für weite Teile der Branche bleibe der Laden zu. Die Enttäuschung sei in der Branche flächendeckend. Ersatzlösungen wie "Click & Meet" seien kaum praktikabel. "Click & Meet ist sicher für manchen eine Möglichkeit, ein kleines Stückchen weiter zu kommen und in Kontakt mit dem Kunden zu bleiben. Für viele ist das aber betriebswirtschaftlich nur sehr schwer oder gar nicht darstellbar, weil die Kosten einfach so hoch sind", sagte Engelmann-Merkel.

IHK Dresden: Stufenplan gibt Unternehmen Planungssicherheit

Deutlich positiver werden die Beschlüsse in der Industrie- und Handelskammer Dresden aufgenommen. Sprecher Lars Fiehler sagte MDR SACHSEN: "Wir haben zum ersten Mal einen verbindlichen Stufenplan zum Wiederhochfahren der Wirtschaft. Wir haben die Inzidenzzahl 35 nicht mehr, jetzt gilt wieder die 50, die für Sachsen viel realistischer und zeitnäher zu erreichen sein wird." Mit diesem ersten Plan der schrittweisen Wiedereröffnung sei schon vielen Unternehmen geholfen, um etwas mehr Planungssicherheit zu erlangen und den Beschäftigten ein Licht am Ende des Tunnels zu verschaffen, so Fiehler.

Lars Fiehler
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Sächsischer Handwerkstag: Lockerungen sind überfälliger Schritt

Auf Zustimmung treffen die Pläne von Bund und Ländern auch beim Sächsischen Handwerkstag. Der Schritt sei überfällig, hieß es. "Wir Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer haben ein großes Interesse daran, nicht nur für uns, für unsere Beschäftigten und Azubis, sondern auch für unsere Kunden ein weiteres Stück Normalität im Alltag zurückzugewinnen", sagte der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Roland Ermer. Er sprach sich für dafür aus, dass weitere von der Zwangsschließung betroffene Gewerke wie Kosmetiker von der Öffnungsstratgie profitieren können.  

Roland Ermer
Roland Ermer Bildrechte: Sächsischer Handwerkstag/Wolfgang Schmidt

Gewerkschaft warnt vor weiteren Schulöffnungen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat vor großen Risiken durch die geplante Öffnung der Schulen für alle Kinder und Jugendlichen in Sachsen noch vor Ostern gewarnt. Landeschefin Uschi Kruse verwies auf wieder steigende Infektionszahlen und geplante Öffnungen auch in anderen Bereichen. "Wenn wir offen oder hinter vorgehaltener Hand die konsequente Corona-Bekämpfung aufgeben, dann schließt schlichtweg das Virus die Schulen und Kindertagesstätten."

Aus Sicht der GEW wäre es besser, mit der Öffnung der weiterführenden Schulen bis nach Ostern zu warten. "Einschließlich der Ferien vor und nach dem Fest wären vier kontaktarme Wochen entstanden, die nun realistisch betrachtet gegen fünf Unterrichtstage in Präsenz getauscht werden", hieß es.

Lehrerverband erleichtert über Schulöffnungen

Beim Sächsischen Lehrerverband (SLV) sorgt die geplante Öffnung der Schulen für alle Kinder und Jugendlichen noch vor Ostern für Erleichterung. Aus pädagogischer Sicht sei das ein wichtiger Schritt, kommentierte der Verband am Donnerstag die kurz zuvor von Kultusminister Christian Piwarz verkündete Entscheidung. Laut SLV müssten der Gesundheitsschutz und die strikte Beachtung des Infektionsgeschehens aber weiterhin oberste Priorität haben.

SPD: Vorsichtige Schulöffnungen richtig

Eine ähnliche Meinung hat auch die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. Sie begrüßt ebenfalls die vom Kultusminister angekündigten allmählichen Schulöffnungen. "Es ist richtig, jetzt weitere vorsichtige Schritte bei der Schulöffnung zu planen. Dabei geht es nicht nur um Bildung und Noten. Für die Kinder und Jugendlichen wird so auch eine große seelische Belastung gemildert", sagte die bildungspolitische Sprecherin, Sabine Friedel. Zugleich plädierte sie für das Wechselmodell - also den Unterricht in geteilten Klassen. Dies helfe beim Infektionsschutz und benötige keine Genehmigung der Schulaufsicht, so Friedel.

AfD: Corona-Kurs von Kretschmer abgelehnt

Kritik kommt hingegen von der AfD. Sie findet es problematisch, dass noch immer nicht alle Schulen öffnen dürfen und sie zudem ab einer Wocheninzidenz von 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohnern wieder schließen müssen. Einer ganzen Generation werde ein Schuljahr gestohlen, hieß es. Während die aus dem Kanzleramt angekündigten Lockerungen nur eine Beruhigungspille seien, verbreite Kretschmer weiter Panik, indem er vor einer neuen Corona-Lawine warne, sagte der AfD-Fraktionsvorsitzende im Sächsischen Landtag, Jörg Urban. Einziger positiver Punkt ist aus Sicht der Partei die Einbeziehung der Belegung der Krankenhausbetten bei der Bewertung der Corona-Lage.

Linke: Höheres Impftempo gefordert

Die Linke im Sächsischen Landtag drängt auf mehr Tempo bei den Corona-Schutzimpfungen. "Solange die Impfquote derart mickrig ist, wird das Pendel zwischen Öffnung und Schließung hin und her schwingen", sagte Fraktionschef Rico Gebhardt am Donnerstag mit Blick auf die Ergebnisse des jüngsten Bund-Länder-Gipfels zum weiteren Vorgehen in der Pandemie. Es sei problematisch, dass sich die Regierenden weiter nur an Inzidenzwerten orientierten und Faktoren wie die Auslastung der Krankenhäuser oder den Fortschritt beim Impfen außen vor ließen.

Grüne: Corona-Tests müsen von Bevölkerung akzeptiert werden

Die im Zuge der Corona-Lockerungen geplanten regelmäßigen Schnell- und Selbsttests stoßen bei den Grünen im Sächsischen Landtag auf offene Ohren. Allerdings muss für sie das Testen so einfach wie möglich sein, damit es von der Bevölkerung akzeptiert wird. "Eine Testpflicht für Personal an Schulen sowie Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 5 ist aus unserer Sicht deshalb richtig - vor allem weil einfache und schmerzfreie oder schmerzarme Abstrich-, Gurgel- oder Spucktests angewandt werden", sagte die bildungspolitische Sprecherin Christin Melcher und fügte an: "Kritisch sehen wir, dass keine Änderungen bei Grundschulen und im Hort vorgesehen sind. Gerade dort, wo Schülerinnen und Schüler von der Testpflicht ausgenommen sind und die Umsetzung der Hygieneregeln kaum möglich ist, sollte zumindest ein Wechselmodell zur Anwendung kommen, um die Gruppen klein zu halten."

Landesärztekammer will Corona-Tests mit Fachwissen unterstützen

Damit bei den im Rahmen der Lockerungen vorgesehenen Corona-Tests alles korrekt abläuft, will sich die Landesärztekammer Sachsen aktiv einbringen. Ihr Präsident Erik Bodendieck nannte am Donnerstag auf Anfrage beispielsweise Schulungen und Einweisungen in die konkrete Anwendung der Tests. "Wir haben bereits mehrfach und seit längerem angemessene Testkonzepte eingefordert und auch Vorschläge gemacht", sagte Bodendieck in Dresden. Probleme sieht er in der sachgerechten Anwendung der Tests, der notwendigen Unterweisung sowie im Einhalten der mit einem positiven Test verbundenen Folgen.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 04.03.2021 | 19:00 Uhr

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