Gegen Impfmüdigkeit Kretschmer appelliert abermals an Impfbereitschaft der Sachsen

Sachsen bleibt Schlusslicht bei den Impfungen. Dabei gibt es genügend Angebote, selbst beim Einkaufen oder im Tierpark. Ministerpräsident Kretschmer hat an die Verantwortung der Sächsinnen und Sachsen für die Gesellschaft appelliert und lässt Unverständnis für Skepsis eines Teils der Menschen gegenüber der Schutzimpfung durchblicken. Er führt dies unter anderem auf falsche Informationen aus sozialen Medien zurück.

Michael Kretschmer (CDU, r), Ministerpräsident von Sachsen, sitzt nach seiner Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca im Impfzentrum Sachsen neben Nikolas Ennker.
Regierungschef Kretschmer (re.) ist doppelt geimpft und hofft, dass viele Sächsinnen und Sachsen seinem Vorbild folgen. Bildrechte: dpa

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht bei einer möglichen vierten Corona-Welle im Herbst Menschen mit Impfschutz klar im Vorteil. "Sie dürfen keine Einschränkungen haben wie diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen. Das ist keine Diskriminierung", sagt der Regierungschef am Montag. Die Werkzeuge der Politik seien begrenzt.

Ich halte es für richtig, dass es keinen Impfzwang gibt. Das heißt aber auch, dass man ohne Impfung Nachteile wie das ständige Testen in Kauf nehmen muss.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Herdenimmunität in weiter Ferne

Man habe den weiteren Verlauf der Pandemie durch richtiges Verhalten selbst in der Hand. Kretschmer hatte sich wiederholt mit Sorge über die Impfmüdigkeit in der sächsischen Bevölkerung geäußert. Derzeit ist nur knapp die Hälfte der Menschen im Freistaat (45,6 Prozent) vollständig geimpft. Der Freistaat steht damit bundesweit auf dem letzten Platz. "Wenn die Zahlen so bleiben, werden wir die Herdenimmunität nicht erreichen", mahnt Kretschmer zum wiederholten Mal.

Digitales Impfzertifikat
Wer sich nicht impfen lassen will und kein entsprechendes Zertifikat vorweisen kann, muss sich laut Kretschmer auf regelmäßige Tests einstellen. Bildrechte: 0122539825

Impfteams kommen zu den Menschen

Der Freistaat hat seine Impfstrategie inzwischen angepasst. Weil nicht mehr genug Menschen zur Impfung kommen, gehen mobile Impfteams zu den Menschen - bieten die Spritze in Innenstädten, Tierparks, Einkaufscentern und vor Fußballstadien an. So gab es am Wochenende landesweit verschiedene Impfaktionen.

Wir haben einen Impfstoff, der kostenlos zur Verfügung steht gegen eine Krankheit, die potenziell tödlich verläuft. Was will man eigentlich mehr?

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Ministerpräsident Kretschmer ist selbst doppelt geimpft und hat sich bei beiden Spritzen für den Impfstoff von Astrazeneca entschieden, gegen den besonders viele Vorbehalte gehegt werden.

Manipulierte Informationen in sozialen Medien

Der sächsische Regierungschef sagte: Die Pandemie zeige auch, dass man Aufklärung und einen emanzipierten Umgang mit dem Internet und sozialen Medien brauche. Das sei eine riesige Herausforderung. Der Anteil der Menschen, die sich über die klassischen Medien Zeitung, Radio und Fernsehen informieren, nehme ab. "Ein Teil der Bevölkerung nutzt andere Informationsquellen. Diese sind zum Teil extrem subjektiv, manipuliert, gefärbt. Man denke nur an diese unsägliche QAnon-Bewegung oder an die Reichsbürger - das macht natürlich etwas mit den Konsumenten."

Bundesweit ist eine Diskussion darüber entbrannt, welche Einschränkungen Impfverweigerern zuzumuten sind und ob beispielsweise für besondere Berufsgruppen, wie Pflegepersonal, nach französischem Vorbild auch Impfanordnungen erlassen werden sollten.

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 26. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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