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Arbeit und MigrationZweiter sächsischer Gipfel für mehr ausländische Fachkräfte im Freistaat

19. Juni 2024, 05:00 Uhr

Der Wahlerfolg der AfD, das Lohngefälle von Ost und West – Sachsen hat bei der Arbeitsimmigration möglicherweise nicht die besten Karten. Gleichzeitig ist sie immer wichtiger, um die fehlenden Berufseinsteiger auszugleichen. Wirtschaftsminister Dulig sieht die Unternehmen in der Verantwortung, sich um diese zu bemühen. Gleichzeitig gibt es auch positive Entwicklungen bei der Einstellung von Fachkräften aus dem Ausland.

Gaurav Garttan wirbt jetzt für ein Leben in Görlitz. Der gebürtige Inder arbeitet in der ostsächsischen Stadt als Software-Entwickler. Und er findet, Görlitz mache das mit der Fachkräftewerbung bislang nicht gut. Deshalb hat Garttan mit sieben weiteren Migranten die Initiative "Görlitz Calling" gegründet. Sie wollen für Geschäfte ein Willkommenssiegel entwerfen. Und sie wollen im Internet das Positive an Görlitz herausstellen, einer Stadt, in der die AfD zuletzt 37 Prozent bekam.

Garttan sagt: "Ich weiß, wie viel Potenzial die Stadt Görlitz hat. Und ich will auch etwas machen. Wo in der Gesellschaft die ganze Zeit Hass unterwegs ist, wollen wir auch ein gutes Bild zeigen." Es gebe hier Leute, die hätten das gleiche Ziel: Nämlich Görlitz zu stärken. "Und immer wieder Positives für Görlitz zu machen. Das ist meine ganze Motivation."

Berufsanfänger werden Rentner nicht ersetzen können

Tatsächlich steht ganz Sachsen vor einem immensen Fachkräftebedarf. Laut Wirtschaftsministerium gehen in den nächsten zehn Jahren mehr als 360.000 Beschäftigte im Freistaat in Rente. So viele Junge wachsen nicht nach. Wer wird die alternde Bevölkerung pflegen, wer ihre Häuser sanieren, die Maschinen bedienen? Um solche Fragen zu besprechen, lädt Minister Martin Dulig heute zum zweiten Fachkräftegipfel. "Wir müssen natürlich alle unsere Potenziale in Sachsen heben. Das heißt auch: Bindekräfte entwickeln, gute Löhne zahlen, Aufstiegsmöglichkeiten schaffen." Es sei in erster Linie in der Verantwortung der Unternehmen, sich um ihre Belegschaft zu kümmern – auch um die Arbeitskräfte der Zukunft.

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Tatsächlich stellen immer mehr Unternehmer auch Migranten ein. Etwa acht Prozent aller Beschäftigten in Sachsen haben einen ausländischen Pass. Die Zahl wächst vor allem, weil Geflüchtete Arbeit finden. Dass ausländische Ingenieure, Informatiker oder Ärzte eigens für die Arbeit nach Sachsen ziehen, passiere dagegen selten, sagt Sylvia Pfefferkorn vom Verein Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen. Es fehle dafür an Marketing. Und die Wahlerfolge der AfD schreckten auch ab. Obgleich "der Sachse" Willkommenskultur durchaus könne. "Es gibt ja ganz viele gut integrierte Menschen hier." Es funktioniere immer dann, wenn das Unternehmen Integration mit Herz und Verstand mache. Das müsse politisch begleitet werden.

Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig: Einstellung ausländischer Fachkräfte schneller möglich

Doch Herz, Verstand und der politische Rahmen reichen nicht immer aus. Sind es nicht auch die niedrigen Löhne, die Sachsen als Arbeitsort für Hochqualifizierte unattraktiv machen? Fabian Magerl, Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig, sieht das nicht so: "Natürlich gibt es noch ein Lohngefälle. Aber auf der anderen Seite muss man zur Kenntnis nehmen, dass wir sowohl in West als auch in Ost riesengroßen Bedarf haben." Man müsse in Ostdeutschland auch gute Löhne zahlen, "sonst kriegen sie keine Leute".

Vergangenes Jahr, beim letzten Fachkräftegipfel, habe die Wirtschaft mit der Politik einen Pakt geschlossen, erzählt Magerl. Das habe den Kontakt zu den Ausländerbehörden verbessert. Wenn mal eine ausländische Fachkraft anklopfe, wisse man nun, an wen man sich für ein schnelles Aufenthaltsverfahren wenden könne. Das löst noch nicht das Fachkräfteproblem. Aber es ist ein Anfang.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 19. Juni 2024 | 06:47 Uhr