Gesetzentwurf Sachsen will Sargpflicht lockern

In Sachsen soll das Bestattungsgesetz modernisiert werden. In dem Entwurf geht es laut sächsischem Sozialministerium unter anderem um Regelungen zu alternativen Bestattungsmöglichkeiten, verbesserter ärztlicher Leichenschau und um Neuregelungen der Bestattungsfristen sowie um Friedwälder.

Särge
Sachsen will die Sargpflicht lockern. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ist ausgearbeutet. Bildrechte: Imago/Rupert Oberhäuser

Sachsens Landesregierung will das Bestattungsgesetz im Freistaat modernisieren. Für die Öffnung der Bestattungsformen für alle Religionen und Weltanschauungen soll auch der bislang geltende Sargzwang gelockert werden, erklärte das Sozialministerium und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Damit könnten auch Bestattungen in Tüchern aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen möglich sein.

Gesetzesentwurf soll bis Sommer debattiert werden

Ein erster Gesetzentwurf soll den Angaben zufolge im zweiten Quartal 2022 dem Kabinett vorgelegt werden. Im Anschluss entscheidet der Landtag darüber. Mit der Neuregelung kommt Sachsen vor allem Muslimen entgegen, die ihre Verstorbenen traditionell in weißen Leinentüchern beerdigen.

Bestattung ohne Sarg ist in Deutschland generell bisher nicht möglich. Laut Bundesverband Deutscher Bestatter gibt es Ausnahmen auf Friedhöfen mit speziellen Grabfeldern für Muslime. Auch die Bestattungsfrist entspricht bisher nicht den religiösen Regeln der Muslime. Laut Bestatterverband ist "in Deutschland gesetzlich geregelt, dass Verstorbene frühestens 48 Stunden nach ihrem Tod bestattet werden dürfen. Auch wenn die muslimische Beerdigung bzw. der islamische Glaube eine Beisetzung am Tag des Todes vorsieht, muss die Beisetzungsfrist von 48 Stunden eingehalten werden."

Der Koran mit der Broschüre vom Tag der offenen Moschee.
Nach religiösen Regeln der Muslime werden Verstorbene nicht in Särgen beerdigt. (Symbolbild eines Korans) Bildrechte: MDR/Moritz Arand

Änderung der Bestattungsfristen im Gesetzentwurf

In dem Entwurf geht es laut sächsischem Sozialministerium unter anderem um Regelungen zu alternativen Bestattungsmöglichkeiten, die Verbesserung der ärztlichen Leichenschau und die Neuregelungen der Bestattungsfristen. Zudem sollen Anreize für den Ausbau von sogenannten Friedwäldern geschaffen werden, auf denen Urnen unter Bäumen beigesetzt werden.

Quelle: MDR (lam)/epd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 13. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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