Wertschätzung Protestaktion am Internationalen Tag der Pflege Dresden

In Sachsen steigt die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 laut Prognosen auf 246.516. Weit mehr als 20.000 Pflegekräfte werden in den kommenden Jahren benötigt. Eine große Herausforderung angesichts der immer noch schlechten Verdienstmöglichkeiten. Das war am Tag der Pflege auch einer der Hauptkritikpunkte.

Teilnehmer einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) stehen anlässlich des Internationalen Tag der Pflege mit Transparenten auf der Blasewitzer Straße in Dresden
In Dresden haben zum Tag der Pflege Betroffene auf die ernste Lage in dem Bereich aufmerksam gemacht. Bildrechte: dpa

Zum Internationalen Tag der Pflege sind am Mittwoch in Dresden mehrere Dutzend Menschen auf die Straße gegangen. Mit der Aktion wollten die Organisatoren gegen "ausbeuterische Verhältnisse und einen Pflegenotstand im Gesundheitswesen" protestieren. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützte den Protestund verlangte mehr Personal im Gesundheitswesen, eine deutlich bessere Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen.

Eine weitere Forderung betraf den Erhalt aller Krankenhäuser in Dresden. Gesundheit dürfe kein Geschäft sein, hieß es.

Sachsen braucht mehr als 21.000 Pflegekräfte

Nach Prognosen steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen von 204.731 im Jahr 2017 um gut 20 Prozent auf 246.516 im Jahr 2030. Nach Angaben des Arbeitsministeriums belegt Sachsen bei Fachkräften in der Altenpflege mit einem durchschnittlichen Monatsentgelt von 2.376 Euro (brutto) bundesweit den vorletzten Platz, bei Hilfskräften mit 1.794 Euro sogar den letzten (Stand: 2018). Der Pflegemindestlohn für Fachkräfte steigt im Osten am 1. Juli auf 2608,80 Euro. Für Hilfskräfte liegt er seit 1. April bei 2087,04 Euro.

Im Gesundheits- und Sozialwesen sind in Sachsen nur 14 Prozent der Betriebe und 30 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden, hieß es. Laut Agentur für Arbeit in Sachsen werden in den nächsten Jahren mehr als 21.000 neue Pflegekräfte gebraucht. "Bei dieser Zahl muss man noch beachten, dass es sich hier um zusätzlichen Bedarf handelt. Der normale Ersatzbedarf - Ausscheiden aus Altersgründen, Gesundheit, berufliche Umorientierung - kommt noch dazu", sagte Behördensprecher Frank Vollgold.

Der Internationale Tag der Pflege wird in Erinnerung an die britische Krankenschwester Florence Nightingale begangen, die am 12. Mai 1820 geboren wurde. Sie gilt als Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege. 1860 gründete sie die erste Schwesternschule Englands und kümmerte sich um eine professionelle Ausbildung.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | MDR SACHSENSPIEGEL | 12. Mai 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

hansfriederleistner vor 5 Wochen

Nach Ansicht junger, fortschrittlicher Menschen und einem Bundesgericht machen wir alten Menschen deren Zukunft kaputt. Dann brauchen wir Alten auch keine Pflege und dürfen uns selbst helfen.
Die Sache hat nur einen Haken. Diese Schreihälse werden auch mal alt. Und können sie sich dann allein helfen? Da gibt es dann keine Oma oder Opa mehr, die mal ein paar Euro springen lassen.

Zeitgeist vor 5 Wochen

wenn ich das hier lese, schlechte Verdienstmöglichkeiten? Leute was hindert Euch den Beruf zu wechseln. werdet doch Künstler oder Kellner, da geht es zur Zeit viel ruhiger zu. Ein Ende ist nicht in Sicht !

Nelke vor 5 Wochen

Millionen Arbeitsstunden, um Bundesregierung und Bundestag zu finan-zieren. Die so Finanzierten wissen genau, daß Gewinnerzielung bei Alten-pflege, Pflege und Krankheitswesen nur auf dem Rücken der Beschäftigten und Patienten funktionieren kann. Weil es mehr Rendite auf das einge-setzte Kapital bringt, schießen Altenheime wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden. Nach Jahrzehnten der Abwanderung, des Lehrstellenmangels und der Arbeitslosigkeit nun also überraschender Personalmangel. Ohne Sozialversicherungsbeiträge direkt aus den Bereichen höchster Produk-tivität und Gewinnraten zu schöpfen, wird es mit der Finanzierung auch schwierig, zumal die SV-Beiträge auch der im Gesundheits-und Pflegesektor Beschäftigten im Vergleich zu beitragsfreien automatisierten Fertigungslinien hoch sind und steigen. Lösungen aus der Politik ? Umsatzsozialversicherungsbeitrag, nur zu verrechnen mit tatsächlich abgeführten SV-Beiträgen ? So bemessen, daß SV-Beiträge in personal-intensiven Betrieben sinken ?

Mehr aus Sachsen