Telegramgruppe "Dresden Offlinevernetzung" Razzia in Dresden: Wer sind die Beschuldigten?

Sechs Dresdner sollen über eine Telegram-Gruppe den Mord am sächsischen Ministerpräsidenten geplant haben. Am Mittwoch wurden Räume von sechs Beschuldigten in Dresden und Heidenau durchsucht. MDR-Recherchen ergaben, dass die Beschuldigten bereits bei rechtsextremen Veranstaltungen in Erscheinung traten. Was bisher über die Beschuldigten bekannt ist.

Zwei Polizisten bringen einen Festgenommenen zu einem Fahrzeug.
Die Beschuldigten der Telegram-Gruppe "Dresden Offlinevernetzung" sind offenbar auch in der rechtsextremen Szene unterwegs. Bildrechte: Xcitepress

Bei den Durchsuchungen geht es um Mordpläne am sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, die Vernetzung lief über den Messengerdienst Telegram. Fünf Männer und eine Frau im Alter zwischen 32 und 64 Jahren gelten als tatverdächtig, einige von ihnen sind schon öffentlich in Erscheinung getreten – doch wer sind die Beschuldigten?

Der mutmaßliche Administrator

Daniel G. ist der mutmaßliche Administrator der Telegram-Gruppe. Auch die Treffen der Gruppe außerhalb des Chatraumes soll er initiiert haben. G. arbeitet nach Aussagen des Journalisten Arndt Ginzel – der zusammen mit seinem Kollegen Henrik Merker aufgedeckt hatte, was die Gruppe plante – als Zerspanungsmechaniker in einer Heidenauer Firma. Bereits in der Vergangenheit sei Daniel G. bei Protesten der Dresdener "Querdenken"-Szene aufgefallen.

Rechtlich vertreten wird G. von dem Dresdner Anwalt Frank Hannig. Dieser hat in der Vergangenheit unter anderem den Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, Stefan E., als Pflichtverteidiger vertreten.

Hannig sagte dem MDR, Daniel G. habe sich nach seiner Ingewahrsamnahme am Mittwoch explizit ihn als seinen Anwalt gewünscht. Weiter wollte er sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Seit Jahren in rechtsextremer Szene

Ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Chatgruppe ist Jürgen S., bei dem ebenfalls am Mittwochmorgen durchsucht wurde – S. ist kein Unbekannter in der rechtsextremen Szene. Als Ende August 2018 Rechtsextreme nach dem Mord auf dem Chemnitzer Stadtfest durch die Stadt zogen, stand Jürgen S. in vorderster Reihe, dokumentiert auf Bildern von dem Tag.

Mehrfach ist S. zudem mit AfD-Mitgliedern zu sehen, mehrere Bilder zeigen ihn unter anderem mit dem Pressesprecher der sächsischen AfD, Andreas Harlaß.

Eine Aufnahme des Kulturbüros Sachsen zeigt Jürgen S. zudem 2020 beim jährlichen sogenannten "Trauermarsch" in Dresden bei einer Kranzniederlegung gemeinsam mit einem AfD-Stadtrat. Mit dem sogenannten Trauermarsch instrumentalisieren Rechtsextreme seit Jahren den Bombenangriff der Alliierten auf Dresden im Zweiten Weltkrieg. Auch bei Pegida ist S. aktiv gewesen, wie die Sächsische Zeitung berichtete.

In den vergangenen Monaten war er auch beteiligt an Protesten der Dresdener "Querdenker“. Auf einem Video ist zu erkennen, wie Gegendemonstranten am 21. November 2020 versuchen, einen Reisebus der Dresdner Querdenker auf dem Weg nach Leipzig zu blockieren. Auch zu erkennen ist auf dem Video, wie S. damals ausstieg und mehrfach auf einen Gegendemonstranten einschlug.

Teilnahme bei Pegida

Ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Telegram-Chatgruppe ist Sebastian Pierre A. Er nahm regelmäßig an Pegida-Aufzügen teil, zu sehen ist er etwa in einem Video des ARD-Magazins Report Mainz. Die Sächsische Zeitung berichtete im September 2018 zudem über einen Prozess gegen den heute 45-Jährigen. 2017 soll A. eine Muslima beleidigt haben. Zudem hatte er eine Moschee beschmiert.

Und bei einer Kranzniederlegung der AfD im Februar 2020 auf dem Dresdner Heidefriedhof lief nicht nur Jürgen S. mit, sondern auch Sebastian Pierre A. Noch im November dieses Jahres trat A. ebenfalls als Redner bei den Dresdner "Querdenken"-Protesten auf, wie auf einem Bild dokumentiert ist.

Bisher keine Haftbefehle

Am Mittwoch war die Polizei gegen Mitglieder der Telegramgruppe "Dresden Offlinevernetzung" vorgegangen. Objekte von sechs Beschuldigten in Dresden und Heidenau wurden von Polizeibeamten durchsucht. Die Sprecherin der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft in Dresden, Sabine Wylegalla, bestätigt dem MDR, dass wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und in diesem Zusammenhang mit der Beschaffung von Waffen ermittelt werde. Es würden allerdings weiterhin keine Gründe für Haftbefehle gegen die Beschuldigten vorliegen.

Wylegalla sagte, es werde sich zeigen, inwiefern die Ermittlungen Anhaltspunkte für weitere Straftaten ergäben. Der Generalbundesanwalt werde regelmäßig über den Stand der Ermittlungen informiert, damit er gegebenenfalls auch das Verfahren an sich ziehen könne.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17. Dezember 2021 | 16:00 Uhr

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