Neue Richtlinie Sachsen will überall im Freistaat sozialen Wohnraum fördern

Porträtaufnahme einer weißen Frau mit zurückgebundenen Haaren, einer großen Brille und grüner Bluse
Bildrechte: Tobias Thiergen

Mit einem sogenannten Wohnberechtigungsschein können Geringverdiener eine Wohnung bekommen, bei der die Miete relativ moderat ist, weil sie mit Steuermitteln subventioniert wurde. Sozialer Wohnraum nennt sich das dann. Und den fördert das Land Sachsen seit Kurzem nicht mehr nur in den beiden Großstädten Leipzig und Dresden. Im Rest des Freistaats soll eine neue Richtlinie dafür sorgen, dass günstiger Wohnraum erhalten bleibt.

Blick auf Mauersberg im Erzgebirge
Der Freistaat Sachsen will sozialen Wohnraum nun auch in ländlichen Gebieten fördern. Bildrechte: imago/Hanke

In Leipzig und Dresden fördert das Land seit Jahren den Neubau preisgünstiger Wohnungen und wird das auch weiterhin tun. Die Mittel sind hier seit der Neuregelung im Frühjahr sogar noch einmal erhöht worden. Gleichzeitig habe das Kabinett eine zweite Förderung auf den Weg gebracht, erklärt Simone Wenzler, Referatsleiterin Wohnungswesen im Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung: "Für alle anderen Städte außerhalb dieser beiden Boom-Städte gibt es eine andere Richtlinie für sozialen Wohnungsbau, weil dort die Bedingungen ganz anders sind. Dort geht es eher darum, bestehende Wohnungen zu sanieren und zu modernisieren und eben dann trotzdem einen günstigen Mietpreis zu sichern."

Ministerium rechnet mit hoher Nachfrage

Vermieterinnen und Vermieter könnten hier jetzt einen Zuschuss in Höhe von 35 Prozent der Kosten vom Land bekommen und zusätzlich für 50 Prozent der Ausgaben ein zinsverbilligtes Darlehen. Von der energetischen Sanierung bis zum barrierefreien Umbau sei sehr viel möglich, sagt Wenzler. Allerdings müssten die Wohnungen anschließend wieder preiswert vermietet werden und zwar an Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein. Die Richtlinie wurde Wenzler zufolge in sehr enger Zusammenarbeit mit den Verbänden erarbeitet. Sie ist davon überzeugt, "dass die auf eine große Nachfrage stößt".

Doch bis die sich in Zahlen niederschlägt, dauert es wohl noch. Bisher seien für die im Mai gestartete Förderung noch keine Anträge bei der Sächsischen Aufbaubank eingegangen, teilt die Förderbank auf Anfrage von MDR AKTUELL schriftlich mit. Im Ministerium überrascht das nicht: Hier weist man darauf hin, dass die Vermieter zunächst eine Bauplanung machen müssten. Deshalb könne es bis zu einem Jahr dauern, bis vermehrt Anträge gestellt würden.

Mehrere Wohnungsgesellschaften aus verschiedenen Orten des Freistaats hätten aber Interesse, sagt Alexander Müller vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen. Er sehe allerdings ein Problem hinsichtlich des Wohnberechtigungsscheins.

Wohnberechtigungsschein bisher nur in Städten

In den Großstädten können Geringverdiener unter einer bestimmten Einkommensgrenze diesen Schein beantragen. Damit bekommen sie eine Wohnung mit einem Mietpreis von derzeit 6,50 Euro pro Quadratmeter. Auf dem Land dagegen lägen die Mieten ohnehin teils deutlich darunter, sodass der Wohnberechtigungsschein schon seit den 1990er-Jahren kein Thema mehr sei, sagt Müller. Deshalb müssten die Kommunen erst wieder die Infrastruktur dafür in den Ämtern schaffen – ein bürokratischer Akt, der ihn skeptisch macht.

Dennoch begrüßt sein Verband die neue Richtlinie ausdrücklich: "Wir wollen nicht von einer nächsten Sanierungswelle reden, aber wir haben auf jeden Fall den Druck, wieder zu sanieren. Wir haben den Großteil nach der Wende saniert und da sind ja jetzt wieder ein paar Jahrzehnte ins Land gegangen", erklärt Müller.

Auf dem Land fehlt Geld für Sanierungen

Doch die Vermieterinnen und Vermieter haben ein Problem: Ihnen fehlt das Geld für die Sanierungen im ländlichen Raum. Denn außerhalb von Leipzig und Dresden habe man mit einem Leerstand von zehn bis zwanzig Prozent zu kämpfen, erklärt der Präsident des Eigentümerverbandes Haus und Grund Sachsen, René Hobusch. "Und mit Mieten mit einem Niveau unter fünf Euro teilweise, teilweise nur vier Euro, da ist natürlich nichts übrig geblieben in der Vermietung, wenn Sie dazu noch Leerstand haben, um Geld in die Hand zu nehmen und Wohnhäuser und Wohnungen zu sanieren oder einfach mal energetisch zu ertüchtigen."

Insofern sei das mit der Richtlinie jetzt eine gute Sache, weil damit auch die Möglichkeit bestehe, diesen Wohnraum dann in den angemessenen zeitgemäßen Standard zu bringen. Und das soll wiederum dafür sorgen, dass er unter anderem auch wieder attraktiver wird für Familien. Das ist zumindest die Hoffnung des Ministeriums, dass preiswerte sanierte Wohnungen helfen, junge Menschen in ihrer Heimatregion zu halten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. August 2021 | 06:00 Uhr

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