Ärztemangel Lockmittel Landarztquote - Ärztenachwuchs kann sich jetzt online bewerben

"Diese Arztpraxis schließt aus Altersgründen." Solche Schilder frustrieren Patienten und Patientinnen auf dem Land. Jeder vierte Arzt aus Sachsen ist über 60 Jahre alt. Viele junge Ärzte zieht es in die Stadt. Seit 2021 gibt es in Sachsen ein Landesärztegesetz. Dessen Landarztquote soll den Beruf attraktiver machen. Seit Freitag können sich Studierwillige mit dem Berufsziel Landarzt erstmals dafür über ein Portal bewerben. Bewerber für die 40 Plätze werden ohne strenge Notenvorgaben ausgewählt.

Ein Hausarzt beim Hausbesuch
Hausärzte in Dörfern müssen mobil für Hausbesuche sein Bildrechte: imago images / photothek

Landarzt Albrecht Kunzmann fand erst nach fünf Jahren Suche einen Nachfolger für seine Praxis in Kitzen bei Leipzig. Erst danach konnte er mit 68 Jahren die Praxis in Richtung Rente verlassen. Bis zu 1.000 Patienten behandelte er im Quartal - für manchen Bewerber war das zu viel Aufwand. Die schwierige Besetzung von Landarztpraxen soll in Zukunft einfacher werden. Der Landtag in Sachsen beschloss dafür 2021 die Einführung einer "Landarztquote" im Rahmen des "Gesetzes zur Stärkung der ärztlichen Versorgung im Freistaat Sachsen."

Viele sächsische Hausärzte gehen in Rente

Der Kampf um die seit 80 Jahren betriebene Arztpraxis in Kitzen ist exemplarisch für die Zukunft. Jeder vierte Arzt in Sachsen ist über 60, jeder zehnte über 65. Vor allem auf dem Land zeichnet sich ein gravierender Mangel vor allem an Hausärzten ab. Weil auch Fachärzte fehlen, prüft die sächsische Koalitionsregierung, ob über die Landarztquote künftig auch die ausbildung von Fachärzten in unterbesetzten Richtungen wie Kinderheilkunde, Orthopädie oder Augenheilkunde gefördert werden.

Die Zahlen sind mehr als alarmierend. Von den rund 2.600 Hausärztinnen und Hausärzten in Sachsen wird aus Altersgründen in den nächsten fünf bis sieben Jahren ein Großteil ausscheiden.

Petra Köpping Gesundheitsministerin Sachsen

Nicht nur Einsen auf dem Zeugnis zählen

Erstmals bietet der Freistaat Sachsen angehenden Studierenden der Humanmedizin die Chance auf einen Studienplatz nach Landarztquote abseits des regulären Numerus Clausus (NC), der Einser-Abiturienten bevorzugt. Seit Freitag ist das Bewerberportal mit allen nötigen Informationen auf der Internetseite der Landesdirektion Sachsen online. Neben ihrem Notendurchschnitt können Bewerber und Bewerberinnen hier mit medizinischen Praxiserfahrungen wie im Bundesfreiwilligen Dienst und ihrer Motivation, auf dem Land zu arbeiten, bei der Auswahl punkten.

Bewerbungen bis 15. April online möglich

Bewerbungen für das Wintersemester 2022/2023 an den Uni in Chemnitz, Leipzig und Dresden können im Zeitraum vom 1. bis 15. April 2022 über ein Online-Bewerbungsportal eingereicht werden. In einer gemeinsamen Veranstaltung informieren die Sächsischen Landesärztekammer, die Kassenärztlichen Vereinigung und die Landesdirektion am 5. April 2022, 16.00 Uhr in einer Video-Konferenz über das Programm, das Bewerbungsverfahren, die Bedarfsgebiete und die kassenärztliche Tätigkeit.

Wer keinen Platz ergattert: Seit dem Studienjahr 2020/21 fördern Kassenärztliche Vereinigung Sachsen und Freistaat 40 Studienplätze an der ungarischen Universität Pécs für den deutschsprachigen Studiengang Humanmedizin. Geförderten werden die Studiengebühren für die Dauer der Regelstudienzeit finanziert. Im Gegenzug verpflichten sie sich zu einer Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsen und danach für mindestens fünf Jahre als Hausarzt außerhalb der Städte Leipzig/Markkleeberg sowie Dresden/Radebeul tätig zu sein.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 01. April 2022 | 12:00 Uhr

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