Vorübergehend geschlossen So gehen Sachsens Branchen in den Lockdown

Seit Montag ist Sachsen wieder im Lockdown. Das kulturelle Leben steht still, Freizeiteinrichtungen und Gastronomie sind dicht. Ein Schlag für die Branchen, den einige mit Gleichmut hinnehmen, andere sind mit Existenzängsten konfrontiert.

Blick von der Bühne in den leeren Zuschauerraum des Opernhauses Chemnitz mit Parkett und Rängen.
Leere Ränge in der Oper Chemnitz. Bildrechte: Die Theater Chemnitz / Dieter Wuschanski

Stille in Auerbachs Keller in Leipzig

In Auerbachs Keller in der Leipziger Innenstadt herrscht gespenstische Stille. Tanja Adams ist die Letzte, die noch durch die traditionsreichen Räume des Restaurants wandelt.

Diese Stille ist unfassbar beklemmend, weil man nicht weiß, wo die Reise hingeht. Man kann dem Ganzen nur hilflos zusehen.

Tanja Adams Auerbachs Keller

Seit 25 Jahren arbeitet Tanja Adams hier, repräsentiert die Gaststätte sonst auf Messen und organisiert Veranstaltungen. Beides fällt nun weg. "Man darf nicht vergessen, dass die Arbeit hier für viele Menschen der Motor ist, dass sie emotional und sozial damit verbunden sind. So geht es einem großen Teil der Gesellschaft, denke ich."

Eingang zu Auerbachs Keller in der Mädlerpassage in Leipzig.
Der Eingang zu Auerbachs Keller in der Mädlerpassage in Leipzig. Bildrechte: imago/Carola Koserowsky

Ein Virus zwingt uns in die Knie

Seit 500 Jahren existiert Auerbachs Keller im Herzen von Leipzig. Seitdem habe es nur ein, zwei Schließungen gegeben, sagt Adams: beim Kellnerstreik 1921 und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Nun ist der Keller erneut für vier Wochen verwaist. "Wir schließen nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil uns ein Virus in die Knie zwingt. Das ist wirklich traurig. Überall gehen gerade die Lichter aus. Es ist, als hätte uns jemand beide Arme abgeschnitten."

Adams findet die Maßnahmen notwendig, sieht die Gastronomie aber als Bauernopfer im Umgang mit der Pandemie. Ihr Appell: "Bitte schließt die Gaststätten und Kultureinrichtungen nur so lange, wie es unbedingt sein muss."

Theater Chemnitz - Proben mit Abstandsregeln

Auch die Theater Chemnitz müssen ihren Spielbetrieb vorübergehend bis zum 30. November einstellen. Hinter den Kulissen werde jedoch mit Hochdruck weitergearbeitet, sagt der Technische Direktor, Raj Ullrich. Die Proben liefen weiter. Das bedeute in Zeiten von Corona auch einen größeren logistischen Aufwand.

Proben mit Abstandsregeln und die besonderen Hygienemaßnahmen erfordern eine andere Planung. Gerade für den Chor und das Ballett sind die Herausforderungen besonders groß.

Raj Ullrich Technischer Direktor, Theater Chemnitz

Man müsse sich schon bei der Planung besondere Gedanken machen und nach größeren Probenräumen suchen.

Bauarbeiter statt Publikum

Oper Chemnitz
Die Oper in Chemnitz. Umbauten im Inneren, statt Aufführungen. Bildrechte: IMAGO

So schlimm es sei, kein Publikum im Haus zu haben, sagt Ullrich, "wir machen das Beste draus und ziehen bestimmte Baumaßnahmen einfach vor." Umbauten im Orchestergraben, die Erneuerung des Parkettfußbodens und von Teilen der Bestuhlung im Zuschauerraum gehörten ebenso dazu, wie die Sanierung der 30 Jahre alten Toiletten. "Die Modernisierung hat auch den Vorteil, dass die Sanitäranlagen dann weitgehend berührungsfrei bedient werden können." Das würde die Hygienestandards im Haus noch weiter verbessern, sagt Ullrich. "Wir haben auch zwei neue Toiletten gebaut, um Warteschlangen in den Pausen zu minimieren."

Spannend sei auch die Weiterentwicklung der Anlage, die durch die Ionisierung der Raumluft im Zuschauerraum einen sicheren Theaterbesuch ermöglichen soll. "Da laufen im Moment noch umfangreiche Testreihen, um die Ergebnisse zu optimieren."

Die Umbauten sollen Ende November abgeschlossen sein, um am 1. Dezember wieder Gäste zu den Vorstellungen empfangen zu können. Das Musical "Cabaret" hat zwei Tage später in der Oper Chemnitz Premiere.

Das Lausitzbad in Hoyerswerda wechselt in den "Stand-by" – Betrieb

Seit Montag sind die Kassen geschlossen und auch das Schulschwimmen sowie Schwimmkurse finden nicht statt. Ab Mittwoch befindet sich ein großer Teil der 37 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Wie Geschäftsführer Matthias Brauer sagte, wird das Kurzarbeitergeld mithilfe der starken Gesellschafter für die Mitarbeiter auf 95 Prozent des normalen Einkommens aufgestockt.

Blockhütten in der Saunalandschaft
Verwaiste Saunalandschaft. Kein Bademantelzipfel ist zwischen den Blockhütten zu sehen. Bildrechte: Lausitzbad Hoyerswerda/Matthias Brauer

Die Mitarbeiter machen einen guten Job hier und viele haben auch finanzielle Verpflichtungen, beispielsweise Kredite fürs eigene Häusel abzubezahlen.

Matthias Brauer Geschäftsführer Lausitzbad

Obwohl innerhalb eines Jahres das Lausitzbad wegen Corona ein zweites Mal geschlossen werden muss, steht das Bad durch die Städtischen Wirtschaftsbetriebe finanziell auf einem festen Fundament.

Desinfektionsmittel statt Kräuterduft

Erlebnisbecken ohne Gäste
Spiegelglatte Wasseroberfläche. Keine Gäste in der sonst so vollen Erlebnisecke. Bildrechte: Lausitzbad Hoyerswerda/Matthias Brauer

Um die Betriebskosten für das Lausitzbad minimieren zu können, werden alle Energiefresser gedrosselt. Das Bad komplett "auszuknipsen" sei nicht möglich, denn man brauche etwa 14 Tage um ein Ganzjahresbad von dieser Größe wieder in Betrieb zu nehmen, sagt der Chef des Lausitzbades Matthias Bauer. "Deshalb gehen wir in den 'Stand-by' und können so in ein bis zwei Tagen den Badebetrieb wieder ermöglichen."
Derzeit sind die Schwimmbecken verlassen und das Wasser ist kalt wie in einem Freibad. Die Temperatur in den Becken wurde um bis zu 12 Grad abgesenkt. Auch Lüftung und Heizung sind gedrosselt. Es ist derzeit frisch im Lausitzbad Hoyerswerda. Auch in der verwaisten Saunalandschaft kann man sich nicht aufwärmen, die Türen sind weit geöffnet und es riecht nicht nach Kräuterdüften oder Aufgüssen, sondern leicht nach Desinfektionsmittel. Das sei kein Wunder, denn seit Montag werde eine Grundreinigung durchgeführt, lächelt Bauer.

Zum Duschen auf Arbeit?

Wo nur wenig gespart werden kann, ist beim Wasserverbrauch. So läuft die Wasseraufbereitung nahezu unverändert weiter, um Keime sowie Legionellen zu verhindern. Deshalb müssen die Duschen einmal pro Tag laufen, wobei das Duschwasser eine Temperatur von mindestens 70 Grad haben muss. Einige Mitarbeiter flitzen deshalb weiter täglich durch die Anlagen. 

Erster Lockdown brachte neue Dichtungen

Im ersten Corona-Lockdown wurde das Bad schon in Teilen Instant gesetzt. So sind kritische Anlagenteilen, wie Dichtungen an Pumpen oder Rohrleitungen damals nachgezogen oder ausgetauscht worden. Auch Silikonfugen von 1,5 Kilometer Länge wurden erneuert und mehr als 200 Fliesen ausgetauscht. Zudem erhielten Teile des Saunagartens eine neue Gestalt. Nach der Wiedereröffnung hat das Lausitzbad ein Hygienekonzept umgesetzt. Demnach konnten bis zu 300 Gäste im Badebereich und 70 die Saunalandschaft betreten.

Hoffnungsschimmer Schulschwimmen

Jetzt hofft die Belegschaft vom Lausitzbad Hoyerswerda auf Mitte November und dass danach zumindest das Schul- und Vereinsschwimmen wieder erlaubt wird. Am 11. November stehen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erneut auf der Tagesordnung der sächsischen Staatsregierung.

Quelle: MDR/lt/uw/tfr/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 03.11.2020 | 19:00 Uhr

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