Ärztemangel In Sachsens ländlichen Regionen fehlen zunehmend Hausärzte

Eine einfache Erkältung, rätselhafte Rückenschmerzen oder kleinere Verletzungen – Hausärztinnen und Hausärzte sind oft die ersten Ansprechpartner bei gesundheitlichen Fragen. Weil sie ihre Patientinnen und Patienten über einen längeren Zeitraum betreuen, gibt es zudem oft ein besonderes Vertrauensverhältnis. Doch in vielen Regionen wird es immer schwieriger, einen Hausarzt oder eine Hausärztin zu finden.

ein Arzt im Patientengespräch
Die Hausarztsuche gestaltet sich für die sächsische Landbevölkerung zunehmend schwierig. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Ich wohne in Leipzig und suche einen Hausarzt oder eine Hausärztin. Das ist gar nicht so leicht, ich kassiere einige Absagen, bis ich bei einer Praxis die erfreuliche Nachricht erhalte: "Also wir nehmen prinzipiell neue Patienten auf, wir sind da total flexibel." Am Ende erhalte ich bei zehn stichprobenartigen Anrufen insgesamt sechs Zu- und vier Absagen.

In den Großstädten Leipzig und Dresden sei die Hausarztversorgung auch kein allzu großes Problem, sagt Klaus Heckemann, Vorsitzender von Sachsens Kassenärztlicher Vereinigung. In anderen Regionen sei es deutlich schlimmer: "Das ist zum Beispiel Görlitz, das ist Zwickau, Vogtland, Aue, und auch schon – wenn auch nicht so ausgeprägt – die Stadt Chemnitz."

Problem in Sachsen als Vorbote für ganz Deutschland

Vor allem in den ländlichen Regionen fehlten eine Menge Ärzte. Das hat Heckemann zufolge verschiedene Gründe: Zum einen würden einfach zu wenig Ärzte ausgebildet und die Ärzteschaft werde im Schnitt älter. Zum anderen arbeiteten immer mehr Ärzte angestellt, statt sich niederzulassen oder schlagen andere Fachrichtungen als Allgemeinmedizin ein.

Junge Ärzte lebten und arbeiteten zudem tendenziell lieber in den Städten. Gleichzeitig sei die ländliche Bevölkerung in Sachsen im Vergleich recht alt, brauche also mehr Behandlungen. "Und damit sind wir leider an dieser Stelle bundesweit schon in einer gewissen Vorreiterrolle, aber das bedeutet nur, die Probleme werden woanders in fünf bis zehn Jahren wahrscheinlich die gleiche Größenordnung erreichen", erklärt Heckemann.

Hoffnung ruht auf jungen Ärztinnen und Ärzten

Hausärzte sind also vielerorts knapp. Aber dürfen die Praxen neue Patienten deshalb ablehnen? Natürlich nicht im Notfall oder bei akuten Problemen, sagt Knut Köhler von der Sächsischen Landesärztekammer. Aber ein "Recht auf Hausarzt", das gebe es eben nicht. "Also ein Hausarzt entscheidet tatsächlich selbst aufgrund seiner Anzahl an Patienten, ob er das zeitlich und medizinisch noch verantworten kann, noch zusätzlich neue Patienten aufzunehmen. So eine Arztpraxis hat ja auch ihre Grenzen, personell wie zeitlich."

Für Patienten sei das natürlich unbefriedigend, weiß Köhler. Doch die Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken, seien begrenzt. Man könne im Grunde nur versuchen, jungen Ärztinnen und Ärzten die Regionen schmackhaft zu machen. In Sachsen gibt es beispielweise Stipendien für Studierende, wenn sie sich verpflichten, nach dem Studium ein paar Jahre in Regionen mit Ärztemangel zu arbeiten.

Die Initiative "Ärzte für Sachsen" lädt Studierende zudem in die betroffenen Regionen ein, in der Hoffnung, dass sie dort Kontakte knüpfen und sich später dort niederlassen. Trotzdem sei der Mangel natürlich nach wie vor da, gibt Köhler zu. "Aber er wäre ohne diese Maßnahmen, die bisher in den letzten zehn Jahren gelaufen sind, noch größer."

Zu wenig Studienplätze für Medizin

Am Ende, sagt Klaus Heckemann von der Kassenärztlichen Vereinigung, brauche es vor allem auch mehr Studienplätze für Medizin, um dem Hausärztemangel zu begegnen. "Ohne deutlich mehr Ärzte wird das Problem auch nicht lösbar sein." Für Patientinnen und Patienten, die bislang vergeblich suchen, gibt es außerdem die Hotline 116 117. Dort werden zwar erstmal keine Hausärzte vermittelt, aber zumindest freie Termine bei verschiedenen Praxen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Mai 2021 | 08:10 Uhr

1 Kommentar

THOMAS H vor 20 Wochen

Schon im Jahr 2014 habe ich die KV Sachsen über Probleme bei der Hausarztversorgung in einer Kleinstadt (ca 6500 Einwohner) informiert, da ich, für meine pflegebedürftige Mutter (konnte nicht selbst in die Praxis gehen oder gebracht werden) auf der Suche war und nur Absagen erhielt.
Das Problem ist also nicht neu, wurde nur als nicht relevant eingestuft. Die Ursachen (z. B. zu wenige Studienplätze usw) hätten schon damals angegangen werden müssen.

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