Wahlumfrage Sachsen-Trend vor der Bundestagswahl: AfD vor CDU

Wenn am kommenden Sonntag in Sachsen Bundestagswahl wäre, läge die AfD vor der CDU. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des MDR. Beide Parteien müssen jedoch Verluste hinnehmen, während es für Grüne und SPD klare Zuwächse gibt. Auffällig ist: Insgesamt sind die Sachsen deutlich zufriedener mit ihrer Landesregierung als mit der Bundespolitik. Für eine Überraschung sorgen die CDU-Anhänger – sie stehen mehrheitlich nicht hinter ihrem Kanzlerkandidaten.

Eine Wählerin wirft den Stimmzettel in die Wahlurne bei der Stimmabgabe für die Landtagswahl in einem Wahllokal.
Bald dürfen die Wählerinnen und Wähler wieder an die Urne. Ein Stimmungsbild zeichnet sich bereits ab. Bildrechte: dpa

Wäre am Sonntag Bundestagswahl, würde die AfD in Sachsen stärkste Kraft werden. Unter 1.179 Befragten, denen Infratest dimap im Auftrag des MDR Mitte August die Sonntagsfrage gestellt hat, gaben 23 Prozent an, mit ihrer Zweitstimme die AfD wählen zu wollen. Mit einem Wert von 21 Prozent kommt die CDU lediglich auf den zweiten Platz. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte die AfD in Sachsen zwar ebenfalls vorn gelegen, allerdings betrug der Abstand zur CDU nur 0,1 Prozent. Sieht man vom Abstand der Parteien zueinander ab, fällt auf, dass die AfD trotz Spitzenposition gegenüber 2017 vier Prozentpunkte einbüßt. Spürbar nach unten geht es auch für CDU und Linkspartei mit Verlusten von 5,9 und 5,1 Prozentpunkten.

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Sowohl AfD als auch CDU verlieren Prozentpunkte, dennoch belegen sie derzeit die ersten beiden Plätze. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aufwärtstrend für Grüne und SPD

Klare Zuwächse verzeichnen hingegen Grüne und SPD, die in Sachsen mit der CDU koalieren. Nachdem die Grünen bei der vergangenen Bundestagswahl in Sachsen noch unter fünf Prozent lagen, geht es für sie nun 5,4 Prozentpunkte nach oben, so dass sie einen Wert von zehn Prozent erreichen. Die Sozialdemokraten legen um 4,5 Prozentpunkte auf 15 Prozent und die FDP um 3,8 Prozentpunkte auf zwölf Prozent zu.

Regierungsarbeit: CDU und Grüne am zufriedensten

Auffällig ist, dass sich die Bewohner des Freistaats sehr viel weniger zustimmend über die Arbeit der Bundesregierung äußern, als die Menschen im Rest von Deutschland. Während im Deutschland-Trend im gleichen Zeitraum 43 Prozent der Befragten mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden sind, fällt die Zustimmung in Sachsen mit 31 Prozent erheblich geringer aus. Weiterhin fällt die Einschätzung der Parteianhänger auf. Obwohl die Grünen nicht an der Bundesregierung beteiligt sind, fällt die Zufriedenheit ihrer Anhänger mit 60 Prozent fast so hoch aus wie die der CDU-Anhänger (61 Prozent). Erst mit 52 Prozent folgen die SPD-Anhänger. Am wenigsten zufrieden sind die AfD-Anhänger mit einer Zustimmung von fünf Prozent.  

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In Sachsen sind deutlich mehr Menschen mit der Politik der Bundesregierung unzufrieden als zufrieden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

CDU-Anhänger favorisieren mehrheitlich Olaf Scholz

Gesprächsstoff bietet beim Sachsen-Trend auch die Rubrik "Direktwahl des Kanzlers/der Kanzlerin". Wäre dies möglich, würden nur die sächsischen Anhänger der Grünen (67 Prozent) und der SPD (86 Prozent) ihre eigenen Kandidaten mehrheitlich wählen. Anders bei der CDU: Dort würde sich nur eine Minderheit von 25 Prozent für den Unions-Kandidaten entscheiden. Stattdessen würden 35 Prozent für Olaf Scholz von der SPD votieren.

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Olaf Scholz ist bei CDU-Anhängern der beliebteste Kanzlerkandidat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Differenziert man nicht nach Anhängern, liegt Scholz auch insgesamt mit 36 Prozent weit vorn. Nur zwölf Prozent würden Armin Laschet und neun Prozent Annalena Baerbock wählen. Der Sozialdemokrat führt dabei in allen Altersgruppen, teilweise mit mehr als 40 Prozent Vorsprung. Nur bei den 18- bis 44-Jährigen kommen ihm die Verfolger nahe. Während Scholz in dieser Gruppe 23 Prozent erreicht, sind es bei Annalena Baerbock 19 und bei Armin Laschet elf Prozent.

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Auch insgesamt dominiert Scholz in Sachsen. Allerdings gibt es noch viele unentschlossene Wähler. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zuwanderung und Corona als Top-Themen

Da Personen häufig für Programme und einen bestimmten Kurs stehen, stellt sich die Frage, mit welchen Themen die Wahlkämpfer in Sachsen am besten punkten können. Laut Sachsen-Trend sind Zuwanderung (27 Prozent) und Corona (23 Prozent) die Top-Themen im Freistaat, dicht gefolgt von Umwelt und Klima (22 Prozent). Im Deutschland-Trend rangiert Zuwanderung mit 19 Prozent nur auf Platz zwei und Umwelt und Klima mit 28 Prozent auf Platz eins.

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Zuwanderung ist das Thema, das die Sachsen am meisten beschäftigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landtagswahl: CDU deutlich vor AfD

Neben der Bundestagswahl hat Infratest dimap beim Sachsen-Trend auch gefragt, wie sich die Menschen entscheiden würden, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre. Bei dieser Umfrage kann die CDU (35 Prozent) die AfD (21 Prozent) eindeutig abhängen. Die Christdemokraten würden zudem im Vergleich zur Landtagswahl 2019 um 2,9 Prozentpunkte zulegen, während es für die AfD 6,5 Prozentpunkte runtergehen würde. Den größten Anstieg verzeichnet indes die SPD mit 3,3 Prozentpunkten auf elf Prozent.

Weniger stark sind die Ausschläge bei den anderen Parteien. Mit Ergebnissen von zehn und sieben Prozent würden die Linken kaum und die Grünen 1,6 Prozent verlieren. Bei der FDP würde ein Anstieg von 1,5 auf sechs Prozent bedeuten, dass sie wieder im Landtag wäre, während die Freien Wähler dieses Ziel mit vier Prozent noch verfehlen würden.

Ein Balkendiagramm zeigt die Umfrageergebnisse in Sachsen zur Zufriedenheit mit der Bundesregierung
Bei der Umfrage zur Landtagswahl liegt die CDU vorn, anders als bei der Umfrage zur Bundestagswahl. Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Hohe Zustimmung zum Ministerpräsidenten

Bei der Zufriedenheit mit der Landesregierung fällt die Bewertung besser aus, als bei der Bundesregierung. 59 Prozent sind demnach mit der Landesregierung zufrieden und 38 Prozent unzufrieden. Noch höhere Zustimmungswerte erreicht der Ministerpräsident selbst. Obwohl Michael Kretschmer im Vergleich zu 2019 acht Prozentpunkte eingebüßt hat, erfährt er mit 62 Prozent weiter eine deutliche Zustimmung. Lediglich 25 Prozent sagen, dass er kein guter Ministerpräsident sei.

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Im Gegensatz zur Bundesregierung stehen die Sachsen mehrheitlich hinter der Landesregierung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die meiste Rückdeckung bekommt der Ministerpräsident erwartungsgemäß von den CDU-Anhängern (92 Prozent), gefolgt von SPD-Anhängern (77 Prozent) und FDP-Anhängern (67 Prozent). Von den Anhängern der Grünen erhält er mit 59 Prozent immernoch überwiegend Zustimmung. Die AfD-Anhänger (17 Prozent) haben das geringste Vertrauen in den Ministerpräsidenten.

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Ministerpräsident Michael Kretschmer kann sich nach wie vor über eine hohe Zustimmung freuen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sachsen-Trend Der Sachsen-Trend August 2021 wurde vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag des MDR erstellt. Dafür wurden zwischen dem 13. und 18. August 2021 1.179 wahlberechtigte Einwohner im Freistaat telefonisch und online befragt. Ihre Zusammensetzung entspricht der Bevölkerungsstruktur in Sachsen. Die Ergebnisse gelten damit als repräsentativ. Die Ergebnisse werden als gerundete Prozentwerte dargestellt. Die statistische Schwankungsbreite liegt bei zwei bis drei Prozentpunkten.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 20. August 2021 | 19:00 Uhr

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