Sparen auf der Schiene Sachsens Schmalspurbahnen müssen Corona-Verluste stemmen

Durch die Corona-Pandemie sind die Fahrgastzahlen bei Sachsens Schmalspurbahnen drastisch zurückgegangen. Während die historischen Züge, die zum ÖPNV-Netz gehören, durchgängig fuhren, herrschte bei rein touristischen Bahnen auf Grund der Lockdown-Maßnahmen über Monate Stillstand. Die Verluste machen sich überall bemerkbar. Betreiber, deren Strecken zum ÖPNV-Netz gehören, setzen auf den zweiten Rettungsschirm. Anderen bleibt nur die Hoffnung auf eine gute Sommersaison.

Lößnitzgrundbahn
Lößnitzdackel, Weißeritztalbahn und Fichtelbergbahn verzeichneten im Corona-Jahr 2020 einen Gesamtverlust von 1,6 Millionen Euro. Bildrechte: Michael U. Kratzsch-Leichsenring/SDG

Die Personalkosten laufen weiter und Kohlen für die Dampfloks werden eingekauft. "Doch überall, wo es möglich ist, müssen wir erst einmal auf die Bremse treten", sagt Roland Richter, Geschäftsführer der Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG). An Schönheitsreparaturen ist nicht zu denken.

Die Gesellschaft, die die Fichtelbergbahn in Oberwiesenthal, die Lößnitzgrundbahn in Radebeul und die Weißeritztalbahn in Freital betreibt, blickt bei ihren Schmalspurbahnen auf harte Monate des Corona-Lockdowns zurück. Die Passagierzahlen im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit sind allein in diesem Jahr auf die Hälfte geschrumpft. "Die laufenden Kosten werden im Moment nicht gedeckt, weil uns in Größenordnungen die Fahrgeldeinnahmen fehlen", sagt Richter.

SDG: Laufende Kosten nicht gedeckt

Fichtelbergbahn
Die Passagierzahlen im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit sind bei der Fichtelbergbahn allein in diesem Jahr auf die Hälfte geschrumpft. Bildrechte: Michael U. Kratzsch-Leichsenring/SDG

Auch die Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG) wartet mit Investitionen und Reparaturen, wie Geschäftsführer Ingo Neidhardt berichtet. Das betreffe den Wilden Robert - die Döllnitzbahn im nordsächsischen Mügeln - genauso wie die Zittauer Schmalspurbahn. So werden beispielsweise die Reisezugwagen nicht neu lackiert und auch alles, was an Streckenwartung nicht sicherheitsrelevant ist, wird zurückgestellt.

Allein in den Monaten Januar bis Mai beziffert Neidhardt die diesjährigen Fahrgeldausfälle bei der Zittauer Schmalspurbahn auf 218.000 Euro und beim Wilden Robert auf 22.000 Euro. "Das sind schon immense Summen für unsere kleinen Bahnen", betont der SOEG-Chef .

Warten auf den Rettungsschirm

Beiden Eisenbahngesellschaften kommt zugute, dass ihre historischen Züge keine reinen Touristenattraktionen sind, sondern Teil des öffentlichen Personennahverkehrs. Dadurch konnten sämtliche pandemiebedingten Verluste im Jahr 2020 über den ÖPNV-Rettungsschirm ausgeglichen werden. So erhielt die SOEG insgesamt 221.000 Euro und die SDG 1,6 Millionen Euro als Kompensation. Auch für 2021 sei die Neuauflage des ÖPNV-Rettungsschirms für die Bahnen der SDG und SOEG dringend erforderlich, sagen die Betreiber.

Wir finanzieren uns jetzt im Wesentlichen aus Rücklagen. Das geht ja nicht mehr lange, insofern brauchen wir dringend die Unterstützung von Bund und Land.

Roland Richter Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft

Mit Ungeduld verfolgen Richter und sein Kollege von der SOEG die politischen Diskussionen. Nachdem der Bund den zweiten ÖPNV-Rettungsschirm für Nahverkehrsunternehmen auf den Weg gebracht hat, hängt er jetzt beim Freistaat Sachsen fest. Denn in den Ministerien gibt es Streit darüber, ob und wie das Land den nötigen Eigenanteil von 72 Millionen Euro beisteuern soll.

ÖPNV-Rettungsschirm Der Rettungsschirm wurde zum Erhalt der Verkehrsbetriebe ins Leben gerufen, um dort die unverschuldeten Einnahmeverluste auszugleichen.

Bund und Länder haben sich verpflichtet, coronabedingte Fahrgeldausfälle im öffentlichen Personennahverkehr jeweils zur Hälfte zu übernehmen.

Für 2020 hat der Bund 2,5 Milliarden Euro an die Länder überwiesen. Davon gingen 167 Millione Euro an Sachsen.

Prognosen gehen für dieses Jahr von geringeren Fahrgeldausfällen aus.

Touristische Bahnen auf sich gestellt

Vom ÖPNV-Rettungsschirm ausgenommen sind rein touristische Fahrbetriebe, wie die Waldeisenbahn in Muskau, die Museumsbahn Schönheide und die Preßnitztalbahn in Jöhstadt. Weil die Muskauer Bahn in diesem Frühjahr wegen des Lockdowns nicht fahren durfte, fehlten Einnahmen im fünfstelligen Bereich, berichtet Heiko Lichnok, Chef der WEM GmbH.

Waldeisenbahn Muskau
Die Waldeisenbahn Muskau hofft, ihre Verluste mit den Einnahmen im Sommer teilweise auszugleichen. Bildrechte: wem

Vor allem die Unberechenbarkeit der Corona-Maßnahmen habe die Waldeisenbahn getroffen. So hatte man für die Osterfahrten Plexiglasscheiben in die Waggons eingezogen und ein Hygienekonzept erstellt und dann durfte doch nicht gefahren werden. "Das war ein herber Schlag", erinnert sich Lichnok. Über die vergangenen Monate ist die Waldeisenbahn Muskau GmbH mit Einsparungen und dem Anreißen von Rücklagen gekommen.

Wir müssen uns selbst aus der Krise helfen.

Heiko Lichnok Geschäftsführer der Waldeisenbahn Muskau

Auch die Interessengemeinschaft, die die Preßnitztalbahn betreibt, muss die finanziellen Herausforderungen infolge des eingestellten Fahrbetriebs im Corona-Lockdown selbst stemmen, wie der stellvertretende Vorsitzende Gerald Seifert berichtet. Geplante Projekte und Restaurierungen liegen erst einmal auf Eis. "Wir mussten unsere Erwartungen massiv herunterschrauben", sagt Seifert. So stagniere der Wiederaufbau des Bahnhofs in Jöhstadt. Alles in allem habe man aber die Krise recht gut überstanden, auch dank der ehrenamtlichen Mitarbeiter, so Seifert.

Dampfloks sind wieder unterwegs

Seit die Corona-Wocheninzidenzen in Sachsen unter 35 liegen, dürfen auch rein touristische Eisenbahnen unterwegs sein. Inzwischen heißt es bei der Preßnitztalbahn wieder: Jedes Wochenende ist Dampffahrbetrieb. Die Museumsbahn Schönheide startet nach neunmonatiger Pause am 10. Juli ihre Sommerdampffahrten. Wie der Verein mitteilt, gibt es dann am Haltepunkt Stützengrün-Neulehn ein Bahnsteigfest, das kurz vor Mitternacht mit einer Sommernachtsfahrt endet.

Schmalspurzug in der Nacht
Die Museumsbahn Schönheide startet nach neunmonatiger Pause am 10. Juli ihre Sommerdampffahrten. Bildrechte: Kapplick

Die Waldeisenbahn Muskau ist seit dem 19. Juni unterwegs. "Wir hoffen, dass wir die Verluste im Sommer wieder aufholen", blickt Lichnok nach vorn. Im vergangenen Jahr boomte der Inlandstourismus. "Was uns noch fehlt, ist das Busreisegeschäft", so Lichnok. Vor Corona seien in der Saison um die 200 Reisebusse nach Muskau gekommen, für deren Fahrgäste ein Ausflug mit der Waldeisenbahn mit auf dem Programm stand.

Videos zum Thema Schmalspurbahn

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | in den Nachrichten | 02. Juli 2021 | 17:00 Uhr

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