Bildung Hohe Dunkelziffer - Elternrat beklagt Unterrichtsausfall an Sachsens Schulen

Schülerinnen und Schüler, die in Sachsen zehn Jahre lang zur Schule gehen, haben in dieser Zeit rund ein halbes Jahr lang Unterrichtsausfall. Das sagt die GEW-Vorsitzende Kruse und bezieht sich auf Langzeitbeobachtungen. Aktuell beklagt der Landeselternrat im Raum Chemnitz besonders viele Ausfallstunden. Das zuständige Ministerium hat keine aktuelle Übersicht darüber, wie viele zur Schulstunden zur Zeit wirklich wegfallen. Elternvertreter bezweifeln, ob jeder Ausfall bekannt werden würde.

Ein Schild "Der Unterricht fällt heute aus!"
An manchen Schulen Sachsens fallen bei einzelnen Klassen Fächer über Wochen und Monate hinweg komplett aus, kritisiert der Landeselternrat. Bildrechte: dpa

Der Landeselternrat hat einen teils massiven Ausfall von Unterricht an Sachsens Schulen beklagt. "Je nach konkreter Situation an der Schule fallen bei einzelnen Klassen bestimmte Fächer über Wochen und Monate komplett aus", berichtete Thomas Brewig vom Vorstand des Landeselternrats. Dabei verwies er auf Rückmeldungen aus Elternkreisen. Ursachen für die Ausfallstunden seien Krankheit, Schwangerschaft, aber auch Renteneintritt von Lehrerinnen, Lehrern oder nicht besetzte Stellen. Den Landeselternrat erreichen von Schulen im Chemnitzer Raum, aber auch aus anderen Landkreisen Informationen zu langfristigen und zum Teil massiven Unterrichtsausfällen, sagte Brewig.

Schulleitungen müssten teilweise die Stundentafel kürzen, um eine Minimalversorgung für bestimmte Klassenstufen sicherzustellen. So würden statt vorgesehener vier Unterrichtsstunden in Mathematik nur zwei unterrichtet.

Von einzelnen Schulen wurde mir von bis zu sechs Stunden Ausfall pro Woche pro Klasse berichtet.

Thomas Brewig Vorstand des Landeselternrats Sachsen

Kultus hat keine aktuelle Übersicht über Ausfälle

Das Kultusministerium in Dresden teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit, dass es nicht über aktuelle Zahlen zum Unterrichtsausfall verfügt. "Diese Statistik wird halbjährlich erfasst und erst zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres zusammengestellt und veröffentlicht", sagte ein Sprecher. Wegen der coronabedingten Schulschließungen sei im Schuljahr 2020/2021 der Schulausfall nicht statistisch erhoben worden.

186 Lehrerinnen und Lehrer mit Attesten von Präsenzunterricht befreit

Im Ministerium wird nach Angaben des Sprechers nicht erfasst, wie viele Lehrkräfte zur Zeit krank geschrieben seien. Zahlen gibt es aber dazu, wie viele Lehrkräfte sich mit Attest oder wegen Schwangerschaft vom Präsenzunterricht befreit haben. "Derzeit sind dies 186 Lehrkräfte." Mitte Oktober hatte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) von Überlagerungseffekten gesprochen, dass wegen Erkältungen und Corona viele Krankschreibungen vorlägen. Und er sagte: "Wir haben viele junge Lehrerinnen eingestellt und wir haben da relativ viele Schwangerschaften. Durch Corona heißt das, dass automatisch mit Feststellen der Schwangerschaft, die Lehrerin nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen kann."

Die Schulen versuchten, den Unterrichtsausfall durch Abordnungen, Vertretungen oder durch externe Kräfte wie etwa Lehrerinnen und Lehrern in Rente zu kompensieren.

Eine Lehrerin schreibt auf ein Smartboard, auch Whiteboard genannt, in einer Grundschule das die fünfte und sechste Stunde ausfällt.
Besonders aus dem Raum Chemnitz berichten Elternvertreter dem Landeselternrat von vielen Stundenausfällen. Bildrechte: dpa

Hohe Dunkelziffer zu tatsächlichem Ausfall

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Uschi Kruse, schlug "einen Vertretungspool" vor, aus dem geschöpft werden soll, wenn Unterrichtsausfall kompensiert werden muss. "Allerdings ist der schon am ersten Schultag ausgeschöpft gewesen", sagte sie. Langzeitbeobachtungen haben ihren Angaben zufolge ergeben, dass eine Schülerin oder ein Schüler, die/der in Sachsen zehn Jahre lang zur Schule geht, insgesamt ein halbes Jahr gar keinen Unterricht erhält. Und dabei sei die Dunkelziffer des tatsächlichen Stundenausfalls wohl sehr hoch.

Die Hilferufe einzelner Schulen würden in vielen Fällen nur die besonders gravierenden Fälle darstellen, meinte auch Landeselternratsvorstand Brewig. "Dabei sollte man beachten, dass die meisten Elternvertreter davor zurückschrecken, ihre Schule in ein schlechtes Licht zu setzen und die Schulleitungen die Situation unter dem Deckel halten."

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 07. November 2021 | 11:00 Uhr

4 Kommentare

kiki vor 11 Wochen

Liebes mdrTeam, ich als Mutter von 2 schulpflichtigen habe auch bereits ein Hilfeschreiben an das zuständige LASUB verfasst. Die Elternvertreter Unternehmen fast nichts, in unserer Grundschule springt teilweise eine Lehrerin zwischen 2 Klassen hin und her, Schüler werden mit Arbeitsblättern allein ins Zimmer gesetzt. Im Gymnasium fallen komplette Fächer weg, weil der Fachlehrer dafür fehlt, ein komplettes Profil wird nicht unterrichtet, weil dort kein Lehrer zur Verfügung steht... eine einzige Katastrophe. Ich habe mich dann, wie erwähnt selber ans LASUB gewandt, die Antwort auf mein Anliegen war mehr als unbefriedigend, alles wurde runter gespielt und als völlig normal abgetan.

Gerne sende ich Ihnen dies bei Interesse zu, denn es muss dahingehend endlich was unternommen werden, es geht um die Bildung unserer Kinder.

THOMAS H vor 11 Wochen

Überall müssen Arbeitszeiten genau erfasst werden und hier, wo es um die Bildung geht, hat das Ministerium keine genauen Zahlen der Ausfallstunden.
Aber was soll es, es geht ja nur um die Bildung und da ist es doch egal, ob die Kinder und Jugendlichen etwas lernen, schließlich gibt es ja den Spruch "Ein dummes Volk lässt sich leicht regieren".

Vita vivet vor 11 Wochen

..."im besten Deutschland aller Zeiten"...

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