Geflüchtete in Sachsen Kultusminister Piwarz: Kinder aus der Ukraine zweisprachig unterrichten

Flüchtlingskinder aus der Ukraine sollen in Sachsen möglichst schnell wieder ein Stück Normalität erleben. Sie sollen deshalb in deutscher Sprache und in ihrer Muttersprache unterrichtet werden - und nach dem Lehrplan der Ukraine. Das Kultusministerium richtet sich dabei auch nach den Wünschen der Geflüchteten. Ihre Integration steht nicht an erster Stelle.

In der Oberschule in Bad Düben bekommen die Kinder aus der Ukraine zur Begrüߟung kleine Zuckertüten mit Süߟigkeiten.
In der Oberschule in Bad Düben haben die Kinder aus der Ukraine zur Begrüßung kleine Zuckertüten mit Süßigkeiten bekommen. In der Schule wurde für die ukrainischen Flüchtlinge eine extra Klasse eingerichtet, damit die Kinder Deutsch lernen können. Bildrechte: dpa

Das sächsische Kultusministerium sieht sich angesichts des Kriegs in der Ukraine mit anderen Herausforderungen konfrontiert als 2015. Insgesamt sei das Interesse groß daran, dass die geflüchteten Kinder in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, sagte Kultusminister Christian Piwarz. "Aus der Ukraine ist die Forderung groß, dass die Kinder hier in ihrer Heimatsprache unterrichtet werden und auch einen ukrainischen Schulabschluss erhalten können."

Daher setze das Ministerium den Anteil der Integration erst einmal niedrig an. "Denkbar ist zum Beispiel, dass die Kinder vormittags in Deutsch als Zweitsprache unterrichtet werden und am Nachmittag auf Ukrainisch – von Kräften hier vor Ort oder per Video-Unterricht aus der Ukraine", sagte Piwarz. "Das ist eine Sondersituation, weil der überwiegende Teil der geflüchteten Schüler in seine Heimat zurückkehren möchte." Es werde deshalb auch überlegt, rein ukrainische Klassen in Sachsen einzurichten.

Piwarz: Vorbereitungsklassen nach Bedarf ausbauen

Derzeit seien noch rund 3.500 Plätze in den Vorbereitungsklassen frei. "Für den ersten Anlauf können wir die Schülerinnen und Schüler auf die bestehenden Klassen verteilen und müssen keine zusätzlichen Klassen einrichten." Sachsen rechnet nach bisherigen Schätzungen mit bis zu 85.000 Geflüchteten aus der Ukraine, mehr als fünfzig Prozent davon könnten Kinder sein. "Das bedeutet, wenn wirklich diese große Zahl bei uns ankommt, das wir mit dem bestehenden System nicht zurechtkommen", sagte Piwarz MDR SACHSEN.

Die Vorbereitungsklassen müssten dann in einem Umfang erweitert werden, wie es Sachsen noch nicht erlebt habe. Auch geeignete Räumlichkeiten müssten dafür angemietet werden.

Christian Piwarz
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Aus der Ukraine ist die Forderung groß, dass die Kinder hier in ihrer Heimatsprache unterrichtet werden und auch einen ukrainischen Schulabschluss erhalten können.

Christian Piwarz (CDU) Kultusminister Sachsen

Sachsen will 200 ukrainische Lehrer und Assistenten einstellen

Zunächst will die Landesregierung für den muttersprachlichen Unterricht 100 Lehrkräfte und 100 Assistenzkräfte einstellen. Die ersten von ihnen sollen bereits am kommenden Montag ihre Arbeit aufnehmen, sagte Piwarz. "Wir werden sehen, wie sich die Stellen jetzt füllen. Sollten die Zahlen der angestellten Fachkräfte schnell steigen, könnten wir gegebenenfalls noch mehr Kapazitäten schaffen." Rekrutiert werden die Lehrkräfte nach Angaben des Kultusministerium aus den Reihen der Geflüchteten, aber auch aus Ukrainern, die schon länger in Sachsen leben.

Noch nicht alle ukrainische Kinder von Schulen gemeldet

Laut Ministerium wurden bisher 361 Kinder den öffentlichen Schulen zugewiesen, darunter allein 179 im Raum Leipzig. (Stand 24.3.2022) "Diese Zahl muss man allerdings mit Vorsicht genießen, weil viele noch keinen Antrag gestellt haben. Was wir an den Schulen sehen, ist die Spitze des Eisbergs", betonte der Minister. Normalerweise würden die Kinder über die jeweiligen Schulleitungen angemeldet. Die Zuordnung sei relativ unkompliziert, weil die Ukraine ein Bildungsland sei und es eine große Vergleichbarkeit zu den deutschen Klassenstufen gebe.

Update: Die Stadt Leipzig teilte am Donnerstag mit, inzwischen seien rund 700 schulpflichtige ukrainische Kinder gemeldet worden. Sie sollen laut Stadtverwaltung an zwölf Grund-, neun Oberschulen und fünf Gymnasien unterrichtet werden. Für die Grundschulkinder werde außerdem ein Hortangebot geschaffen. Sprach- und Kulturmittler sollen die ukrainischen Kinder an den für sie neuen Lern- und Lebensorten unterstützen.

Leipzig schafft Kita-Plätze für ukrainische Kinder

Die Stadt Leipzig stellt auch zusätzlich vier Kindertagesstätten für ukrainische Kinder bereit. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, können zunächst 422 Plätze für die geflüchteten Kinder geschaffen werden. Die Kitas seien durch geplante Umzüge frei geworden. Die erste Einrichtung soll Anfang April die jungen Ukrainerinnen und Ukrainer aufnehmen. Weitere folgen den Angaben zufolge im Mai. Hinzu kämen Plätze bei freien Trägern in bestehenden Einrichtungen. Bisher liegen laut Stadtverwaltung rund 120 Anmeldungen für Kitas vor.

MDR (kb)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 24. März 2022 | 12:00 Uhr

13 Kommentare

Vita vivet vor 19 Wochen

Im Gegensatz zu 2015 kommen sind hier sicherlich auch etliche Lehrer und -innen unter diesen Kriegsflüchtlingen. Wwnn diese alle nicht zu Migranten werden (wollen), dann wird das schon gehen.

Karl Schmidt vor 19 Wochen

@Atheist:
1. Darf man fragen, welche Informationen Ihr "Kommentar“ ursprünglich den interessierten Lesern vermitteln sollten?

2. Wie würden Ihre eigenen Zeilen wohl im Deutschunterricht benotet werden?

Kritische vor 19 Wochen

Momentan überall in der Presse: "Unterricht kaum noch möglich", 20 % Personalausfall wegen Corona, Lehrermangel schon vorher. Von freien Kita-Plätzen in den Großstädten träumen wir auch. Kenne Leute, die seit 1 Jahr warten und deshalb nicht arbeiten können. Die Kinder müssen so schnell wie möglich in Kita und Schule, das ist natürlich extrem wichtig und ich finde es auch gut, wenn man da bürokratische Hürden abbaut. Aber man fragt sich schon, warum das für unsere Kinder nicht geht. Seit Jahren werden ganze Fächer nicht mehr unterrichtet, wir haben Tage, da geht Tochterkind 3 Stunden zur Schule und alles Vertretung. Außerdem sind wie gesagt Parallelstrukturen nie gut, die ukrainischen Kinder sollen mit deutschen Kindern in Kontakt kommen. Kitas und Schulen NUR für ukrinische Kinder, wie es jetzt in Leipzig geplant ist, finde ich kontraproduktiv. Und was Selenski alles "fordert", wissen wir ja. Wenn es nach ihm ginge, wären wir schon im 3. WK.

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