Polizeibilanz Silvesternacht: Mehrere Schwerverletzte, tödliches Unglück in Chemnitz

Weitgehendes Böllerverbot und Kontaktbeschränkungen - die Silvesternacht war in Sachsen zum zweiten Mal von den Corona-Schutzmaßnahmen bestimmt. Die Polizei spricht - im Vergleich zu vorangegangenen Jahren - von einer weitgehend ruhigen Nacht. Dennoch kam es zu mehreren Vorfällen, bei denen einige Menschen schwer verletzt wurden. In Chemnitz gibt es einen Toten zu beklagen.

Bei den Silvesterfeierlichkeiten in Sachsen hat es mehrere, teils gewalttätige, Auseinandersetzungen gegeben. Die Polizei spricht - im Vergleich zu vorangegangenen Jahreswechseln - dennoch von einer weitgehend ruhigen Nacht. Zwar sei entgegen des für öffentliche Plätze geltenden Böllerverbots auch "hier und da" illegal Pyrotechnik gezündet worden, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. Einzelne kleinere Brände und Beschwerden gehörten zum üblichen "Silvester-Tagesgeschehen". Die Polizei hatte sachsenweit nach eigenen Angaben kein verstärktes Einsatzaufkommen zur Einhaltung der Corona-Regeln.

Eine von zwei Silvester-Feuerwekrsbatterien brennt. Diese wurden zuvor unweit der historischen Frauenkirche gezündet.
Trotz Verbots wurde auch in Dresden, wie hier vor der Frauenkirche, Feuerwerk gezündet. Bildrechte: dpa

"Dynamische Lage" nach Mitternacht in Leipzig

Einen der Schwerpunkte bildete die Leipziger Eisenbahnstraße. Hier war die Situation nach Angaben der Polizeidirektion Leipzig kurz nach Mitternacht eskaliert. Es habe massive Auseinandersetzungen gegeben. Gegen 1.30 Uhr versperrten etwa 300 bis 500 Menschen neben einem brennenden Einkaufswagen die Straße. Die angerückten Einsatzkräfte der Polizei seien mit Gegenständen beworfen worden. Die unübersichtliche Lage sei gegen 2.00 Uhr wieder unter Kontrolle gewesen, sagte ein Sprecher der Polizei. Es habe keine Verletzten gegeben.

Auseinandersetzungen und Messerstecherei in Dresden

Auch in Dresden gab es Angriffe auf die Polizei. Sie wurde nach eigenen Angaben aus einer Menschengruppe heraus mit Gegenständen beworfen. Der Vorfall ereignete sich kurz nach Mitternacht in der Rudolfstraße im Stadtteil Leipziger Vorstadt. Dort hatten nach Angaben der Dresdner Polizei etwa 50 bis 100 Menschen Hindernisse auf der Straße aufgebaut und angezündet. Ein Einsatzfahrzeug sei durch Flaschenwürfe beschädigt worden. Die meisten Menschen hätten den Platz verlassen, als Kräfte der Bereitschaftspolizei hinzugekommen seien.

Auf einer Straßenkreuzung in Dresden sind deutliche Brandspuren und reste von Feuerwerk zu sehen.
Die Spuren des Feuers auf der Straße waren auch am Morgen noch deutlich zu sehen. Bildrechte: xcitePRESS

Bereits am frühen Abend hatte es am Koreanischen Platz eine Messerstecherei gegeben. Dabei hatte ein 18 Jahre alter Tatverdächtiger einem 21 Jahre alten Mann lebensbedrohliche Stichverletzungen zugefügt. Die Dresdener Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zu den Hintergründen und zum Tathergang aufgenommen.

Ebenfalls am Silvesterabend erlitt ein 21 Jahre alter Mann bei der Sprengung eines Zigarettenautomaten am Tanneberger Weg in Dresden schwerste Verletzungen. Der Mann wurde sofort nach Eintreffen der Rettungskräfte in ein Krankenhaus verbracht. Die Explosion war so heftig, dass auch mehrere geparkte Autos beschädigt wurden. Zeugen hatten beobachtet, wie zwei Personen vom Tatort flüchteten. Die Dresdner Kriminalpolizei ermittelt wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. In welchem Zusammenhang der Verletzte mit der Sprengung steht, wird ebenfalls geprüft.

Insgesamt wurden die Polizeibeamten in der Landeshauptstadt zu 262 Einsätzen gerufen. Sie registrierten 14 Körperverletzungen, 13 Sachbeschädigungen und 13 Brände, die meist durch Pyrotechnik entstanden waren.

Messerangriff in Chemnitz, tödlicher Fenstersturz

In Chemnitz wurde die Polizei am Silvesterabend zu einer Messerstecherei ins Stadtzentrum gerufen. Wie die Polizeidirektion Chemnitz mitteilt, hatten zwei Männer aus einer Gruppe heraus einen 19 Jahre alten Mann nach einem Streit angegriffen und mit einem Messer schwer verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Beamten konnten zwei Verdächtige in der Nähe des Tatortes stellen und vorläufig festnehmen. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Polizisten stehen in der Nacht an einem mit Flatterband gesichertem Tatort an einer Straßenbahnhaltestelle.
Bei der Messerstecherei im Chemnitzer Stadtzentrum wurde eine Person schwer verletzt. Bildrechte: Haertelpress/Harry Härtel

Kurz vor Mitternacht kam ein 35 Jahre alter Mann ums Leben. Wie die Polizeidirektion Chemnitz mitteilte, stürzte er vom Flachdach eines Wohnhauses in der Pornitzstraße rund 19 Meter in die Tiefe. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die Polizei schließt Fremdeinwirkung oder Suizid als Ursache des Sturzes aus und sprach von einem tragischen Unglücksfall.

Insgesamt registrierte die Chemnitzer Polizeidirektion in der Silvesternacht 49 sogenannte anlassbezogene Sachverhalte. Meist handelte es sich demnach um Ordnungsstörungen und Lärm. Die Beamten stellten in der Nacht 14 Straftaten fest. In acht Fällen handelte es sich um Sachbeschädigungen, weitere sechs Körperverletzungen wurden angezeigt. Außerdem registrierte die Polizei acht Verstöße gegen die sächsische Corona-Notfallverordnung.

Da hätte sich die Polizei mal mehr ins Umfeld von Chemnitz begeben müssen, Verstöße wo es nur geht. Da wird geballert, was das Zeug hergibt, aber Kontrollen Fehlanzeige. Die Folgen der Randale können dann wieder alle zahlen. Ein komplettes Böllerverbot wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen.

Zuschrift an MDR SACHSEN

Polizeidirektion Görlitz meldet sechs Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz

Die Polizeidirektion Görlitz hat den Einsatzverlauf in der Silvesternacht in den Landkreisen Görlitz und Bautzen als ruhig bezeichnet.

Feuerwerk über der Altstadt von Goerlitz, links und rechts Kirchtürme
Bis auf wenige Ausnahmen verlief der Jahreswechsel in der Lausitz friedlich - hier ein Blick auf die Görlitzer Altstadtkulisse. Bildrechte: Lausitznews/Felix Leda

Zwei 15 und 16 Jahre alte Jugendliche, die in Gersdorf eine Haustür mit Silvesterknallern beschädigt hatten, konnten von der Polizei gestellt werden. Sie hatten Böller aus Tschechien benutzt. Daher müssen sie sich nun wegen Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz verantworten.

10.000 Euro Sachschaden richtete ein 42 Jahre alter Mann Olbersdorf an. Er zündete in einem Hausflur eines Wohnblocks einen unbekannten pyrotechnischen Gegenstand in der Briefkastenanlage. Durch die Detonation wurden nicht nur die Briefkästen zerstört. Auch der Eingangsbereich des Hauses wurde erheblich beschädigt. Zeugen erkannten den Täter.

Insgesamt nahmen die Beamten der Polizeidirektion Görlitz in der Silvesternacht 31 Strafanzeigen auf. Acht Anzeigen wurden wegen Körperverletzung gestellt, sieben weitere wegen Sachbeschädigung. In sechs Fällen wurde ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz angezeigt, bei zwei weiteren wegen Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Weitere 45 Einsätze hatte die Polizei wegen sogenannter Gefahrenabwehr und Lärmbelästigung. Dazu kamen 21 Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen Verstößen gegen die Sächsische Corona-Notfallverordnung.

Neun Prozent mehr Silvestereinsätze für die PD Zwickau

Die Polizeidirektion Zwickau registrierte innerhalb von 24 Stunden knapp 200 Einsätze. "Dabei entfielen 66 Einsätze auf Silvesterfeierlichkeiten im Vogtlandkreis und dem Landkreis Zwickau. Damit waren gut neun Prozent mehr Einsätze zu verzeichnen als zur Vorjahreswende", heißt es in einer Mitteilung. Bei Bränden und Sachbeschädigungen durch Feuerwerkskörper entstand insgesamt ein Schaden von rund 90.000 Euro. Neben elf Anzeigen wegen Körperverletzung wurden 17 Verstöße gegen die Corona-Notfallverordnung festgestellt: vier Fälle von Feierlichkeiten auf öffentlichen Plätzen, vier weitere wegen unzulässigen Zusammenkünften und acht Fälle von Zünden oder Mitführen von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2 außerhalb privaten Grund und Bodens.

Quelle: MDR (tfr), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 01. Januar 2022 | 10:00 Uhr

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