Booster-Impfung Hausärzte in Sachsen können Impfnachfrage derzeit nicht bewältigen

Bis Freitag hieß es: Wer vor sechs Monaten seine zweite Corona-Impfung hatte, kann sich eine Booster-Impfung geben lassen – theoretisch. Denn hört man sich bei den Menschen um, werden auch mitunter ältere und Risikopatienten bei ihren Hausarztpraxen nicht an die derzeit begehrte dritte Impfung kommen. Inzwischen hat Sachsen eine Priorisierung herausgegeben. Ältere und geschwächte Menschen haben Vorrang. Doch Fakt ist, auch für diese Personengruppe bleibt die Suche nach einem Impf-Arzt mitunter eine Herausforderung.

In Sachsen steigt die Nachfrage an Booster-Impfungen und kann zum Teil nicht bedient werden. Die 30 mobilen Impfteams des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Sachsen verbuchen eine anhaltend hohe Nachfrage. "Die Teams sind flächendeckend voll und an der Kapazitätsgrenze", sagte DRK-Sprecher Kai Kranich am Freitag. Es hätten in den vergangenen Tagen bereits Hunderte Menschen weggeschickt werden müssen, weil zu den geplanten Impfaktionen immer nur eine gewisse Anzahl von Dosen mitgeführt würden.

Wurden Ende Oktober von den mobilen DRK-Teams rund 2.300 Impfungen sowie gut 800 Booster-Impfungen am Tag verabreicht, waren es eine Woche später am Donnerstag bereits rund 4.000 Impfungen - darunter 2.300 Auffrischungen. "Ein absoluter Rekord", so Kranich. Geplant sind eigentlich etwa 100 Impfungen pro Team und Einsatz - also bis zu 3.000 insgesamt am Tag. Kranich führte die hohe Nachfrage vor allem auf die Booster-Impfungen zurück.

Hausärzte können Bedarf nicht decken

Eine weitere, wichtige Möglichkeit für allem für ältere und weniger mobile Menschen ist das Impfen beim Hausarzt. Dort häufen sich aber die Probleme, mit dem Bedarf fertig zu werden. MDR SACHSEN liegen hierzu unter anderem zahlreiche Zuschriften (siehe folgender Absatz) vor. So schilderte eine Dresdnerin von vergeblichen Versuchen, für ihren 77 Jahre alten, vorerkrankten Vater eine Auffrischungsimpfung zu bekommen. In drei Hausarztpraxen sei sie abgewiesen worden. Schließlich habe der Vater seine Impfung bei einem mobilen Impfteam in Dresden Prohlis erhalten. "Da war eine riesige Schlange. Wir haben von 12:30 bis 16 Uhr angestanden. Es war nur ein Arzt vor Ort", berichtet die Frau.

Lange Schlange in einer Fußgängerzone.
Stundenlanges Warten auf die Impfung in Dresden-Prohlis. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Keine Termine zum "Boostern" - Zuschriften (Auswahl)

Sabine Petschel aus Dresden: "Ich würde die Wiederöffnung der Impfzentren begrüßen. Wir haben uns dort impfen lassen, waren sehr zufrieden. Unsere Hausärztin in Dresden bietet bis heute keine Coronaschutzimpfung an."

Klaus Gusikat schrieb MDR SACHSEN aus Thüringen: "Und wieder geht bei der älteren Generation die Angst um, trotz zweifacher Impfungen an Covid-19 zu erkranken. Ein großes Problem: Wie komme ich zur Auffrischungsimpfung? Nun geht das gleiche Dilemma los wie zu Beginn der Impfkampagne. Anruf beim Gesundheitsamt ob es noch das Impfzentrum gibt – Antwort: 'Wissen wir nicht'. Anruf bei der Hausärztin – 'Wir impfen nicht mehr gegen Corona'. Das Impfzentrum Arnstadt ist laut Internet noch aktuell, ich finde viele Infos auf der Seite, aber keine Angaben für einen Termin. Ich lande dafür bei der Kassenärztlichen Vereinigung, einen Termin habe ich trotzdem nicht. Wie will man die Impfquote erhöhen, wenn allein schon einen Termin zu bekommen zum Problem wird? Das kann woanders natürlich anders sein, ich aber wollte einen Termin vor Ort."

Carola Schubert aus Ebersbach: "Wo kann man sich denn impfen lassen wenn der Hausarzt überhaupt nicht gegen Covid-19 impft? Meiner tut es jedenfalls nicht! Ich habe mich in einem Impfzentrum impfen lassen, die ja nun alle geschlossen wurden. Meiner Meinung nach müssten wieder einige Impfzenren geöffnet werden, um allen ab 60 die Auffrischung geben zu können."

Wie viele Praxen impfen? Genau ist diese Zahl nicht bestimmbar. Laut KV Sachsen haben im Zeitraum vom 01.10. bis zum 31.10.2021 insgesamt 1.724 von den 2.044 sächsischen Hausarztpraxen mindestens einmal eine Meldung zu einer durchgeführten Impfung gemacht. Wie aktiv in der jeweiligen Praxis geipmft wird, kann nicht angegeben werden.

Frauenärztin Cornelia Hösemann
Cornelia Hösemann. Bildrechte: Cornelia Hösemann

Wo liegen die Probleme in den Hausarztpraxen? Cornelia Hösemann, Ärztin und Mitglied der Sächsischen Impfkommission (SIKO) spricht von logistischen Problemen. "In dem ganz normalen Praxisgeschenen noch zu planen, immer sechs Impflinge vor Ort zu haben - denn aus einem Fläschchen bekommt man sechs Dosen heraus - ist schwierig." Ob es doch zu bewältigen sei, ließ Hösemann offen: "Ich möchte keine Prognose herausgeben."

Die Dresdener Allgemeinmedizinerin Ines Richter-Kuhn bestätigt das aus ihrem Praxisalltag.

Wir kommen an Grenzen. Das ist nicht zu schaffen. (...) Wir haben uns im Team zusammengesetzt, um Tage für die Auffrischungsimpfungen zu definieren. Aber ich befürchte, das wird nicht reichen.

Ines Richter-Kuhn Hausärztin aus Dresden

Es hänge damit zusammen, dass man sich derzeit in einer Infektionswelle befinde, die Corona-Erkrankungen umfasse, aber auch andere virale Erkrankungen, die zum Teil im vergangenen Jahr ausgeblieben seien. Sie habe bisher 1.700 Corona-Impfungen vergeben können, so Richter-Kuhn.

Bei der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK) hört man Ähnliches.

Die Belastung in den Praxen durch sonstige Erkrankungen ist im Herbst immer sehr hoch. Hinzu kommt der organisatorische Aufwand, da immer mindestens sechs Impfwillige am Tag verfügbar sein müssen. (Ampulle verfällt sonst).

Sächsische Landesärztekammer

Zudem sei die Terminabstimmung besonders aufwendig durch kurzfristige Absagen oder Änderungswünsche. Älteren oder weniger mobilen Menschen, die es nicht zu einem mobilen Impfteam oder einem Krankenhaus schaffen, empfiehlt die SLÄK eine Liste mit Arztpraxen in den Regionen, die auch Booster-Impfungen anbieten.

Die am Freitag als Handreichung veröffentliche Impf-Priorisierung soll nun für etwas mehr Ordnung sorgen. Doch was mit schon vereinbarten Terminen für Menschen außerhalb der priorisierten Gruppen wird, bleibt derzeit noch unklar. Jeder Arzt könne das selber entscheiden, so die SLÄK auf Anfrage von MDR SACHSEN.

Quelle: MDR/st

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 01. November 2021 | 22:10 Uhr

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