Kontaktnachverfolgung "Sormas"-Software in sächsischen Gesundheitsämtern kaum genutzt

Viele Gesundheitsämter nutzen die bundesweite Software zur Corona-Nachverfolgung weiterhin nicht. Nach Recherchen von MDR AKTUELL ist der Anteil in Sachsen besonders niedrig. Laut Sozialministerium sind drei von 13 Ämtern an die Software "Sormas" angeschlossen. Zur Begründung hieß es, in Sachsen gebe es bereits eine einheitliche Software.

Lukas Murajda, Amtsarzt Mitte, trägt einen Gesichtsschutzschirm als er im Lagezentrum des Gesundheitsamt Mitte ein neue Software erklärt.
Sormas ist inzwischen in den meisten deutschen Gesundheitsämtern installiert, wird aber oft nicht genutzt. Bildrechte: dpa

Jens Kabisch ist Beigeordneter im Landratsamt Nordsachsen. Das ist einer von drei sächsischen Landkreisen, die Sormas als Pilotprojekt getestet haben.

Die Software habe gut funktioniert, sagt Kabisch: "Und der große Vorteil ist dann gegeben, wenn es uns wirklich gelingt, deutschlandweit in allen Gesundheitsämtern ein einheitliches System zur Kontaktverfolgung bei allen meldepflichtigen Infektionskrankheiten zu haben."

Was aber fehle, sei eine Schnittstelle zu anderen Dienstprogrammen der Gesundheitsämter.

Das gallische Bundesland Sachsen

Darin sieht auch Maik Riße den größten Nachteil der Software. Er ist Systembetreuer im Gesundheitsamt Meißen. Da es nicht mit anderen Programmen kommunizieren könne, bedeute Sormas oft doppelten Aufwand, weil man alles zweimal eingeben müsse. "Da fehlt uns halt hier so ein stückweit das Verständnis, inwieweit das wirklich eine Verbesserung für uns und auch für die Bürger dann bringen soll."

Auch das Sozialministerium in Dresden teilt diese Einschätzung. Auf Anfrage von MDR AKTUELL heißt es, Sormas sei für die Analyse des Infektionsgeschehens zwar gut geeignet. Die Verwendung sei aber ohne die notwendigen Schnittstellen nicht zielführend.

Sachsens Gesundheitsämter hätten zudem bereits vor der Pandemie mit "OctowareTN" eine gute Software gehabt, die die Vorgaben des RKI erfülle und sich auch bei Corona bewährt habe, sagt Maik Riße vom Meißener Gesundheitsamt. Er sehe deshalb keinen Bedarf zu wechseln. "Wir verstehen uns hier wahrscheinlich so ein Stück weit als das gallische Dorf, besser gesagt das gallische Bundesland."

Auch andere Länder ringen mit Sormas

Tatsächlich sind in Sachsen nur drei von 13 Gesundheitsämtern mit Sormas ausgestattet, das sind 23 Prozent. Bundesweit sind es laut Gesundheitsministerium dagegen knapp 93 Prozent.

In Thüringen haben inzwischen sogar alle Gesundheitsämter Sormas eingerichtet, teilt das Gesundheitsministerium in Erfurt mit. Doch auch hier heißt es auf Nachfrage, die Erfahrungen seien sehr unterschiedlich: "Teilweise herrscht sehr hohe Zufriedenheit, zum Teil werden aber auch fehlende Schnittstellen zu den etablierten Fachanwendungen kritisiert."

Auch in Sachsen-Anhalt gibt es offenbar noch Probleme mit der Software. Zwar haben zwölf von 14 Gesundheitsämtern Sormas installiert. Allerdings teilt das Sozialministerium in Magdeburg auf Anfrage mit, dass nur sechs davon die Software auch aktiv nutzten.

Schnittstellen sollen zeitnah eingerichtet werden

Das scheint auch in anderen Ländern so zu sein, zeigt eine Anfrage von MDR AKTUELL beim Bundesgesundheitsministerium: "Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung geht auf Basis der Auswertung von Telefonanfragen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Ämter Sormas in der tagtäglichen Arbeit nutzt."

Bereits im Juni haben die Länder den Bund aufgefordert, die fehlenden Schnittstellen schnellstens einzurichten. Ein konkreterer Zeitplan des Bundes sei aber bisher nicht bekannt, heißt es vom Sozialministerium in Dresden.

Das Bundesgesundheitsministerium wiederum teilt auf Anfrage mit, viele Schnittstellen seien inzwischen eingerichtet. Für die sächsische Software Octoware rechne man noch in dieser Woche mit den Ergebnissen erster Tests.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. August 2021 | 08:08 Uhr

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