Denkmalschutz Gibt es bald Solaranlagen auf den Dächern von Sachsens Schlössern?

Der sächsische Denkmalschutz beschäftigt sich schon seit 20 Jahren mit dem Thema erneuerbare Energien und hat auch schon einige historische Bauten in Sachsen behutsam mit Photovoltaik auf dem Dach ausstatten lassen. Werden auch bald auf den Dächern von Sachsens Schlössern Solaranlagen installiert?

Das Renaissance-Schloss Colditz
Christian Striefler, Geschäftsführer der Gesellschaft Schlösser und Gärten in Sachsen, kann sich vorstellen, dass zukünftig Solarpanele auf Schloss Colditz installiert werden. Bildrechte: dpa

Der sächsische Landeskonservator Alf Furkert kümmert sich intensiv um jede Neuerung, damit seine historischen Bauten optisch nicht verschandelt werden. Auch um mögliche Photovoltaikanlagen auf den Dächern.

Ein Verbot für Solaranlagen gebe es aus dem Denkmalrecht heraus nicht. "Aber das ist immer eine Einzelfallentscheidung und wir schauen, dass es sich mit der Erscheinung und der Substanz des Gebäudes vereinbaren lässt", sagt Alf Furkert, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege (Landeskonservator). Es gebe bereits Beispiele auf Kirchen, Schulen und privaten Wohnhäusern, bei denen eine gute Integration der Solaranlagen gelungen sei.

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Alf Furkert, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, zeigt, wie Solarpanels in Dachziegel integriert werden können. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bevorzugt werden Lösungen, die nahezu unsichtbar auf den Gebäuden installiert werden oder mit den Bauteilen in Verbindung gebracht werden können. "Es gibt Dachziegel, auf die direkt ein Solarpanel appliziert wurde", sagt Furkert. "Wir können das eindecken in einem Dach und die Panelgröße folgt der Ziegelgröße und wir haben nicht mehr diese übergroßen technischen Anlagen, die wir auf dem Dach sehen."

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Christian Striefler, Geschäftsführer der Gesellschaft Schlösser und Gärten in Sachsen, findet Schlossdächer geeignet für Solaranlagen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dächer von Schlössern werden geprüft

In den Schlössern und Gärten Sachsens ist besonders viel Denkmalpflege zu beachten. Dort wird aktuell geprüft, ob auf den Dächern der Anlagen Solaranlagen angebracht werden können. Christian Striefler, Geschäftsführer der Gesellschaft Schlösser und Gärten in Sachsen, sagt MDR SACHSEN, man prüfe derzeit die einzelnen Objekte.

"Wir haben riesige Dächer auf den Schlössern, die würden sich sehr gut eignen für Solaranlagen", glaubt Striefler. Das sei nicht überall möglich, aber dort, wo die Solaranlagen von unten gesehen unsichtbar bleiben können. "Natürlich darf kein Schaden an dem Gebäude entstehen." Die großen bekannten Schlösser wie das Residenzschloss Dresden oder Moritzburg kämen dabei seiner Meinung nach nicht in Frage, aber Altzella, die Gartenmeisterei im Großen Garten oder Colditz könnte sich Striefler vorstellen.

Planungsphase auf Festung Königsstein

In eher noch kleinem Stil ist man auf der Festung Königstein schon in der Planungsphase. Hier soll die Mannschaftsbaracke von 1899 im Zuge der Sanierung gleich eine Solaranlage aufs Dach bekommen. Mit Platten, die möglichst wenig reflektieren, damit sie im Vergleich zu den historischen Dachziegeln wenig auffallen. Der grüne Strom soll dann die unterirdischen Gebäude - ein nicht unerheblicher Bestandteil des Denkmals - vor dem Verfall schützen.

"Dazu ist Energie erforderlich, dazu ist Lüftung erforderlich und die müssen wir bereitstellen", sagt Kai-Uwe Beger vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement. "Diese unterirdischen Gebäude sind vor allem im Sommer durch Feuchtigkeit stark belastet. Und da war die Idee, wie können wir die im Sommer reichlich anliegende solare Energie nutzen, um die Gebäude zu erhalten."

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Auf der Mannschaftsbaracke der Festung Königstein hinter Kai-Uwe Beger vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement soll zukünftig eine Solaranlage Platz finden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kraft-Wärme-Kopplung schon im Einsatz

Man sei immer daran interessiert, bei den betreuten Liegenschaften Lösungen zu finden, wie man die Gebäude nachhaltig und mit regenerativen Energien betreiben könne, so Beger. "Es gibt in verschiedenen Liegenschaften schon die Kraft-Wärme-Kopplung", sagt er. "Auf Königstein, in Schloss Pillnitz und auf Schloss Moritzburg gibt es solche Anlagen."

Was ist die Kraft-Wärme-Kopplung? Kraft-Wärme-Kopplung ist die gleichzeitige Umwandlung von Energie in mechanische oder elektrische Energie und nutzbare Wärme innerhalb eines thermodynamischen Prozesses. Die parallel zur Stromerzeugung produzierte Wärme wird zur Beheizung und Warmwasserbereitung oder für Produktionsprozesse genutzt. Quelle: Umweltbundesamt

Das sei naheliegend, da diese Anlagen das Denkmal wenig beeinträchtigen. Photovoltaikanlagen könne er sich nur bei wenigen Schlössern in Sachsen und da auch nur auf Nebengebäuden vorstellen, sagt Beger. Insgesamt müsse immer alles konkret auf das jeweilige Denkmal abgestimmt sein.

Im Großen Garten in Dresden gibt es schon konkrete Pläne: Auf dem Neubau der Gartenmeisterei soll das Dach gleich mit einer Solaranlage versehen werden - mit einer Fläche von 400 Quadratmetern Photovoltaik.

MDR (al/SSP)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 16. April 2022 | 10:00 Uhr

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