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Das Parkhaus in Chemnitz von 2008 ist Vorreiter in Sachen Photovoltaik bei Gewerbebauten. Bildrechte: imago/Schöning

KlimaschutzKommt eine Solardach-Pflicht in Sachsen?

von MDR SACHSEN

Stand: 21. April 2022, 20:09 Uhr

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag eine Solarpflicht verankert und damit die Richtung vorgegeben. Auch Sachsens grüner Umweltminister Wolfram Günther drückt jetzt beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf das Tempo - auch wegen der Energiekrise aufgrund es Kriegs in der Ukraine. Solardächer sollen künftig unter anderem für öffentliche und gewerbliche Neubauten Pflicht werden.

In einigen Bundesländern gibt es sie bereits, die Solarpflicht für Gebäude, wenn auch in unterschiedlichsten Formen. Sachsen hinkt bislang etwas hinterher. Doch jetzt will auch Umweltminister Wolfram Günther die Dachflächen im Freistaat systematisch für Solar zu erschließen. Auf die Dächer von Schulen und Kitas, von Rathäusern und Behörden sollen verpflichtend Solarmodule drauf. Und Günther ist der Meinung, die öffentliche Hand müsse mit gutem Beispiel vorangehen. "Jedes Solarmodul, das wir dort anbringen können, macht uns unabhängiger von Russland, aber auch generell von Importen fossiler Energieträger."

Solarpflicht im sächsischen Klimaprogramm verankert

Auch Industriebauten, Gewerbeimmobilien und große versiegelte Flächen wie Parkplätze hat der Minister im Blick. Das Vorhaben wird derzeit in der Koalition von CDU, Grünen und SPD diskutiert, Konkretes wie eine Kabinettsvorlage gibt es allerdings noch nicht. Immerhin ist eine Solarpflicht im neuen sächsischen Energie- und Klimaprogramm verankert, das im vergangenen Sommer beschlossen wurde. Dort steht allerdings nur, dass eine solche Verpflichtung geprüft werden soll.

Jedes Solarmodul, das wir dort anbringen können, macht uns unabhängiger von Russland, aber auch generell von Importen fossiler Energieträger.

Wolfram Günther (Grüne) | Sächsischer Minister für Umwelt- und Landwirtschaft

Keine Solardach-Pflicht für Privathäuser

Für Privathäuser soll es keine Solarpflicht geben. Hier setzt der Umweltminister auf Anreize. "Da gibt es mittlerweile ein ganzes Bündel von bürokratischen Hürden, die es oft Hausbesitzern sehr schwer machen. Und das müssen wir auflösen." Das Ministerium sei deshalb im engen Gespräch mit dem Bund, auch dort sei das Ziel, zu Lösungen zu kommen.

Bildrechte: dpa

Da gibt es mittlerweile ein ganzes Bündel von bürokratischen Hürden, die es oft Hausbesitzern sehr schwer machen. Und das müssen wir auflösen.

Wolfram Günther | Minister für Umwelt- und Landwirtschaft Sachsen

Mit bürokratischen Hürden meint der Minister unter anderem die Gewerbeanmeldung, den Antrag auf Vorsteuerabzug beim Finanzamt, das aufwändige Antragsverfahren für die Anlage an sich sowie den Zählertausch.

Beispiele für Photovoltaik-Anlagen

Der Klassiker - Solarmodule auf dem Dach. Bildrechte: imago/Schöning
Oder Sonnenstromgewinnung auf großen Flächen wie hier in der Nähe von Halle. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn
Nicht nur Hausdächer bescheint die Sonne, sondern auch Radwege. Dieser Radweg in Erfstadt, machte als erster Solarradweg Deutschlands Furore. 2018 eingeweiht sorgt er seither weniger für Strom denn für Schlagzeilen, wegen technischer Probleme wie Kurzschlüssen nach Regenfällen. Bildrechte: imago images / Jochen Tack
Weit älter ist dieses Projekt aus Chemnitz: Das Solarparkhaus stammt aus dem Jahr 2008, ist 19 Meter hoch, 120 Meter lang und hat an der Fassaden der obersten sechs Etagen Photovoltaik-Module verbaut. Durch Sonneneinstrahlung wird jährlich so viel Strom eingefangen, wie umgerechnet 15 Haushalte verbrauchen. Bildrechte: imago/Schöning
Vereinzelt wird bereits an gängigen Hausfassaden mit Solarpanelen experimentiert wie hier in Nordrhein-Westfalen - Bildrechte: imago images / blickwinkel
22- bis 25-Geschosser prägen das Bild der Großwohnsiedlung Helene Weigel in Berlin. Eine der 70 Meter hohen Südfassade wurde auf 426m Quadratmeter Solarplatten angebracht, sie liefern pro Jahr 25.000 kWh Solarstrom, also etwas mehr als sechs Vier-Personenhaushalte. Bildrechte: imago images / Schöning
Das Fraunhofer ISE experimentiert auch mit Anlagen, die Photovoltaik und Landwirtschaft gemeinsam möglichmachen. Bildrechte: MDR/Fraunhofer ISE
In den Niederlanden gibt es erste Solaranlagen auf Seen. Ähnliche könnten in Mitteldeutschland auch auf Tagebauseen entstehen. Bildrechte: MDR/ BayWa r.e.

Handwerk bei Solardach-Pflicht skeptisch

Die Handwerkskammer Dresden hält eine Solarpflicht nur für Neubauten machbar. Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski sagte MDR SACHSEN, es sei wirtschaftlich und energetisch nicht sinnvoll, eine vorhandene Fassade abzunehmen, um dann eine Solarfassade nachzurüsten. "Ich denke, dass Thema Energiewende wird uns genug beschäftigen, wenn wir bei Neuerrichtung von Gebäuden auf Solaranlagen und Erneuerbare Energien abstellen." Alles andere grenze an "Aktionismus".

Hersteller Solarwatt: Nachfrage auch ohne Solarpflicht riesig

Auch der Dresdner Photovoltaik-Hersteller Solarwatt reagiert verhalten. Das Geschäft boome wie nie zuvor, die Nachfrage habe sich verzwanzigfacht, sagte der Leiter Strategie Peter Bachmann. "Wir kämpfen damit, die Produkte rechtzeitig gefertigt zu bekommen, um möglichst viele Kunden bedienen zu können." Aufgrund der Teileknappheit müsse man sich im Moment aber auf eine Lieferzeit von sechs Monaten einstellen.

Eine Solarpflicht hält Bachmann nicht für zwingend notwendig. "Weil wir merken sowohl aus dem Eigenheimbereich, dass die Leute von sich aus verstanden haben, 'ich musss dieses Thema machen', aber auch von immer mehr Unternehmen und Kommunen merken wir diese Nachfrage".

MDR (kb,bd)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 21. April 2022 | 19:00 Uhr