Preiskampf Spargelbauern in Sachsen kämpfen mit sinkendem Absatz

Die Spargelsaison geht in den letzten Monat und die vorläufige Bilanz der Spargelbauern in Sachsen fällt nicht so gut aus. Der Preiskampf mit Anbietern aus Europa und Übersee wie auch die Lohnkosten machen der Branche zu schaffen. Der Absatz sinkt, die Anbauflächen schrumpfen.

Spargel aus Kyhna in einem Karton im Supermarkt.
Der Spargelanbau in Kyhna in Nordsachsen ist in den letzten vier Jahren geschrumpft. Von einstmals 120 Hektar Anbaufläche sind heute nur noch 40 Hektar übrig. Bildrechte: Moritz Arand

Wer gegenwärtig in Leipzigs Supermärkten Spargel kaufen will, hat die Qual der Wahl: Das zeigt auch ein Rundgang durch die Lebensmittelläden im Stadtteil Plagwitz. Von rund fünf Euro für ein Kilogramm im Discounter bis mehr als 20 Euro im Bioladen ist alles dabei. Und die Ware kommt nicht nur aus Deutschland. Auch aus Spanien, Griechenland, Italien, Peru oder Mexiko stammt das kalorienarme Gemüse. Es ist meist wesentlich günstiger, als der Spargel, der in Sachsen angebaut wird, ergaben Stichproben von MDR SACHSEN.

Sinkender Absatz

Den Preiskampf an den Lebensmittelregalen merkt auch Bernd Meinert von der Gemüsebau Kyhna KG bei Delitzsch im Kreis Nordsachsen. Vier Wochen vor Ende der Saison habe das Unternehmen etwa zehn Prozent weniger beim Absatz. "Das ist noch kein Problem für uns. Wir haben Flächen aus der Produktion genommen, sodass weniger im Angebot ist", erklärt Meinert im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Zuschrift an MDR SACHSEN "Seit drei Jahren ist es nicht möglich, bei uns in Roßwein frischen Spargel zu kaufen, außer in den Supermärkten. Es gab früher die sogenannten Spargelbuden, nur eben nicht mehr in Roßwein. Ich esse jede Woche mit meiner Frau 1,5 Kilogramm Spargel und würde gerne frischen Spargel kaufen wie früher, nur jedesmal erst zig Kilometer fahren kann ja wohl nicht sein." Jens Sarnoch, Roßwein

Auch andere Spargelbauern in Sachsen mussten bereits auf den sinkenden Absatz reagieren. Der Spargelhof Schertenleib in Ostrau (Mittelsachsen) hat eigenen Angaben zufolge wegen des geringeren Absatzes die Produktion auf etwa 75 Prozent gedrosselt. Und auch die Bergener Landwirtschaftsgesellschaft in Elsterheide (Kreis Bautzen) hat auf einigen Flächen die Ernte vorzeitig beendet. "Leider funktioniert der Abverkauf nicht so richtig", bilanziert Geschäftsführer Roland Nuck. Er rechnet für dieses Jahr damit, dass die Erlöse um etwa ein Viertel geringer ausfallen werden.  

Verband: "Verbraucher müssen sparen"

Die Absatzprobleme beobachtet auch der Verband Ostdeutscher Spargelbauern. Trotz guter Qualität nehme der Handel weniger Ware ab und biete den Kunden billigeren Spargel aus dem Ausland an, sagt der Geschäftsführer des Verbandes, Frank Saalfeld. Zudem würden viele Verbraucher wegen der Preissteigerungen bei Energie an anderer Stelle sparen. "Der Verkauf an Endkunden läuft schlecht", so Saalfeld.

Qualität und Regionalität für Kundschaft wichtig

In Kyhna bleibt Geschäftsführer Meinert für dieses Jahr noch vorsichtig optimistisch. Für Qualität und Regionalität würde die Kundschaft weiterhin zahlen - auch wenn sie weniger Geld in der Tasche habe. "Die Menschen kaufen dann weniger", meint Meinert.

Preisdruck und Lohnkosten als Problem

Ein viel größeres Problem sei der Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels und die steigenden Lohnkosten. Von einst 120 Hektar Anbaufläche in Kyhna sind den vergangenen vier Jahren nur noch 40 Hektar übrig geblieben. "Wir wollen die Supermärkte nicht mehr so stark beliefern, weil sie die Preise so sehr drücken", sagt Meinert. Und dass Spargel aus dem Ausland meist billiger angeboten werden kann, erschwere das Geschäft zusätzlich. "Es wird von Regionalität gesprochen. Aber am Ende ist der Preis für die Supermärkte entscheidend", kritisiert er.

50 Prozent Rückkgang in den nächsten Jahren?

Hinzu komme noch der Mindestlohn in Deutschland. In Polen würden die Erntehelfer für 2,50 Euro pro Stunde arbeiten. In Deutschland soll der Mindestlohn ab Oktober zwölf Euro betragen. "Die Lohnkosten machen uns kaputt. Der Verbraucher wird die höheren Preise irgendwann nicht mehr zahlen wollen und auf andere Waren zurückgreifen", ist sich Meinert sicher. In Zukunft würden so 50 Prozent des Spargelanbaus in Deutschland verschwinden.

Die Lohnkosten macht uns kaputt. Der Verbraucher wird die höheren Preise irgendwann nicht mehr zahlen wollen und auf andere Waren zurückgreifen.

Bernd Meinert Gemüsebau Kyhna KG

Spargelanbau in Sachsen schrumpft

Auch der Spargelanbau in Sachsen ist in den vergangenen Jahren geschrumpft. Laut Statistischem Landesamt wurde das Gemüse 2015 im Freistaat noch auf 324 Hektar angebaut. 2021 waren es nur noch knapp 188 Hektar - ein Trend, der sich laut Verbandsgeschäftsführer Saalfeld fortsetzen dürfte.

MDR (mar)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 25. Mai 2022 | 07:30 Uhr

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