Benzin und Diesel Spritpreise über zwei Euro - Spediteure denken ans Aufgeben

Die Preisexplosion an der Zapfsäule ist für alle Autofahrer schwer verdaulich. Für Pendler und Transportunternehmen gleicht das einer Katastrophe. Im Gespräch ist Wieland Richter, der Präsident des Landesverbandes des Sächsischen Verkehrsgewerbes, der selbst eine Spedition betreibt. Was kommt hier noch auf uns zu?

Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto.
Bildrechte: dpa

Wie hart trifft Sie dieser Preisschock an den Tankstellen?

Wieland Richter: Es ist gar nicht mehr kalkulierbar, was jetzt auf uns zu kommt. Es ist auch nicht händelbar, dass wir als Spedition permanent zu unseren Kunden gehen und sagen, lieber Kunde, wir brauchen mehr Geld, damit wir noch kostendeckend für dich fahren können. Es ist eine absolut vertrackte Situation. Viele Kollegen haben während der Corona-Zeit Umsatz eingebüßt, haben ihr Eigenkaptal aufgebraucht, damit es weitergeht. Und jetzt kommt der absolute Preisschock, was den Kraftstoff betrifft.

Ein Schild mit der Aufschrift: 'Preiswert Tanken' hängt an einer Tankstelle, an der zwei LKWs stehen.
So plakativ wird wohl in naher Zukunft keine Tankstelle mehr Werbung machen. Speditionen denken darüber nach, ihre Lkw aufgrund der hohen Spritpreise nicht mehr fahren zu lassen. Bildrechte: dpa

Das heißt, Sie müssen wirklich bei jedem Auftrag rechnen, ob der sich noch lohnt?

Ja, das ist richtig. Wir sind jetzt als Landesverband bereits so weit, dass wir den Kollegen empfehlen, sich zu überlegen, die LKWs stehen zu lassen, nicht mehr einzusetzen und die Fahrer in Kurzarbeit zu schicken oder das sie Überstunden abbummeln.

Stellt sich die Frage, ab welchem Preis ist komplett unwirtschaftlich?

Ja, wir haben eine völlig irre Situation. Ich habe vor einer reichlichen Woche noch 30.000 Liter gekauft für 1,31 Euro, netto. Anfang letzter Woche waren wir dann schon bei 1,56 Euro. Und gestern habe ich unseren Mineralöl-Lieferanten angefragt, was ich für einen kompletten Tankzug bezahlen müsste. Da hätte ich 1,95 Euro netto für einen Liter Diesel bezahlen müssen. Das entspricht ungefähr 2,33 Euro brutto. Das macht dann wirklich keinen Sinn mehr. Dann sollte man die Autos in die Ecke stellen.

Das macht wirklich alles keinen Sinn mehr. Da sollte man die Autos in die Ecke stellen.

Wieland Richter | Spediteur und Präsident des Landesverbandes des Sächsischen Verkehrsgewerbes

Blick auf einen Zapfhahn mit Bio-Kraftstoff E10.
Der Liter Benzin über zwei Euro; Was sich keiner vorstellen konnte, ist nun eingetroffen. Experten glauben, dass die Spritpreise weiter steigen. Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Was heißt wünschen? Das ist sicher eine extrem schwierige Situation, auch für die Politik, weil keiner eine Zeitschiene kennt, wie lange das weitergehen wird. Niemand weiß, ob sich die Situation noch verschärft. Ich vermute mal, die verschärft sich, weil einige Mineralölhändler schon nicht mehr liefern können. Und wenn ein Produkt knapp ist, dann ist es teuer.

Ich vermute mal, das verschärft sich noch.

Wieland Richter | Spediteur

Wie weiter? Was würden Sie vorschlagen?

Ich denke, man kann nur über eine temporäre Aussetzung der Steuern auf Kraftstoff nachdenken. Es ist ja bekannt, dass wir in Deutschland eines der Länder sind, mit den höchsten Steueranteilen auf Kraftstoff. Dort muss man was tun. Gerade wenn ich in unser Nachbarland schaue, nach Polen. Dort ist der Sprit circa 45 Cent günstiger als in Deutschland. Das ist die Bestandsaufnahme vom letzten Donnerstag. Was heute dort ist, kann ich nicht sagen. Aber das ist schon gewaltig.

MDR (Elena Pelzer, in)

26 Kommentare

Handeali vor 16 Wochen

Die Speditionen sollten sich einig sein und den Güter- und Personenverkehr solange auszusetzen bis diese unsägliche Regierung es begreift, dass sie mit ihrem Starrsinn alles kaputt macht.

Zeitgeist vor 16 Wochen

Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
In meinen Kommentar ging es um die Autobahn.
Ein LKW an den anderen und das über Kilometer. Tägliche Staus mit bis zu Stunden Wartezeiten.

Fraggel 55 vor 16 Wochen

Dann erzähl mir doch mal wie man als Voll Erwerbsunfähiger alleinerziender Witwer mit einem 450 Euro Job der 60 km vom Dorf zur nächsten Stadt entfernt ist das finanzieren soll. Von den 450 bleiben eh nur 300 übrig aber ohne diese komm ich nicht über die Runden. Ich bin der letzte der jammert. Ich hab eigentlich Anspruch auf Sozialhilfe kam aber bis jetzt so einigermaßen über die Runden.
Willst du mir jetzt auch erzählen ich soll mit dem Rad fahren. Oder vielleicht den öffenl.? Die ja so regelmäßig auf dem Land fahren. Was bist du für ein Schlauberberger

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