Hörer machen Programm Sind Stadtverwaltungen die größten Unternehmen in Sachsen?

Bei einer Recherche ist eine Hörerin darauf gestoßen, dass Dresden und Leipzig zu den größten Unternehmen im Freistaat gehören. Nun fragt sie sich, wie groß deren Personaldecken wirklich sind und wer das finanziert.

Blick auf die markante Fassade des Leipziger Rathauses, Foto aufgenommen am 16.06.2010.
Leipzig und auch die Landeshaupstadt Dresden haben einen mitarbeiterstarken Verwaltungsapparat. Bildrechte: dpa

Matthias Hasberg hat sich die Zahlen zu den Menschen besorgt. Hasberg ist Sprecher der Stadt Leipzig und sagt: "Es sind im Moment knapp unter 9.000 Mitarbeiter in der Stadtverwaltung." Das klinge viel, "wenn man es mal vergleicht mit anderen Städten in Deutschland, dann ist das leicht unterdurchschnittlich, so hat Stuttgart z.B. um die 15.000, Düsseldorf auch knapp über 10.000 Mitarbeiter."

In den 90er-Jahren habe man stark Personal abgebaut "und mit dem Wachstum der Stadt haben wir in den letzten Jahren natürlich auch die Zahl der Mitarbeiter aufwachsen lassen müssen."

Sächsische Stadtverwaltungen schrumpfen

Das Bild in Dresden? Ähnlich. 1995 waren dort in der Verwaltung noch mehr als 13.600 Mitarbeiter beschäftigt, 2015 knapp 6900. Zahlen, die auch Ferdinand Schuster kennt. Der Geschäftsführer des von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG geförderten Instituts für den Öffentlichen Sektor hat eine Studie vorgelegt: "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich bei der Personaldichte, d.h., die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die pro 1000 Einwohner zur Verfügung stehen, ein erheblicher Rückgang beobachten lässt, speziell in Sachsen von 48 Prozent im Zeitraum zwischen 2000 bis 2014."

Im gleichen Zeitraum seien auf weniger Mitarbeiter mehr Aufgaben zugekommen. Aufgaben, die der Bund beschlossen hatte, die Kommunen aber umsetzen mussten: "Weil sie ja auch am nächsten dran sind. Deshalb wird eben keine neue Bundesbehörde eingerichtet, die dann die Leistungen im kleinen Dorf in der sächsischen Schweiz erbringt."

Kommunen gehören zu den größten Arbeitgebern

Zurück zu Leipzigs Stadtsprecher. Matthias Hasberg sagt, ob die Kommune zu den größten Arbeitgebern Sachsens gehöre, hänge ganz von der Definition ab: "Wenn man nach den Umsatzzahlen geht, dann sicherlich nicht. Es gibt Arbeitgeber, die sind natürlich größer, VW beispielsweise."

Rechne man alles zusammen, auch die Beteiligungsunternehmen wie Verkehrsbetriebe, Stadt- und Wasserwerke, stimme das aber.

Steuergelder finanzieren Stadtangestellte

"Tja, wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?", kommt da auch Thomas Meyer in den Sinn. Der Präsident des sächsischen Steuerzahlerbundes bringt es wie folgt auf den Punkt: "Natürlich zahlt es der Steuerzahler. Ob er das nun macht, indem es vom Land Zuweisungen gibt, indem eine Gemeinde Gewerbesteuern einnimmt, indem man Gebühren, Beiträge auch für ausgegliederte Bereiche wie Zweckverbände, Wasser, Abwasser, Gas bezahlt – im Endeffekt zahlt immer der Bürger."

Auf die Frage, ob sich Leipzig und Dresden eine zu üppige Personaldecke leisten kann, antwortet Meyer: "Egal, ob da nun zehn, elf, zwölf oder 7.800 Beschäftigte sind – man muss hinter den Vorhang schauen und da stellt man dann häufig fest, dass da Mogelpackungen bereitet wurden. Insbesondere Ausgliederungen, Pseudo-Privatisierungen, die dazu führen, dass eine Zahl wie in Leipzig oder Dresden auf den ersten Blick erst mal ganz gut aussieht, aber tatsächlich ist eigentlich nichts passiert, es ist einfach eine schöne Verpackung."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Januar 2022 | 06:24 Uhr

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