Straßenverkehr Immer mehr Straßenschilder durch Aufkleber unkenntlich

Carolin Fröhlich
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

Viele Großstädte sind von diesem Problem betroffen: nicht erkennbare Verkehrsschilder. So zieren Aufkleber immer häufiger auch Leipzigs Straßenschilder. Dabei werden jedoch Parkhinweise und Geschwindigkeitsbegrenzungen verdeckt. Das birgt Kosten und Gefahren.

Mehrere Verkehrsschilder für absolutes Haltverbot
Straßenschilder müssen für Autofahrer auch im Vorbeifahren lesbar sein. Bildrechte: dpa

Leipzig. Karl-Liebknecht-Straße. Südplatz. Wer die Ecke kennt, weiß, dass es hier durchaus Straßenschäden gibt. Die Warnung davor lässt sich auf dem Verkehrsschild unter ganzen 13 Aufkleber nur noch erahnen. Nur ein Beispiel von vielen zugeklebten Schildern in Leipzig, ob für Straßennamen, Parkzonen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen.

"Wir haben etwas mehr als 60.000 Verkehrsschilder im gesamten Stadtgebiet und wir sehen, dass eigentlich überall Beklebungen stattfinden, verstärkt natürlich da, wo viele Menschen zusammenkommen", sagt Michael Jana, der Leiter des städtischen Verkehrs- und Tiefbauamtes.

Eine genaue Fallzahl der Beklebung erfasst die Stadt Leipzig nicht. Und auch nicht jede wird entfernt, so Jana. "Wir haben selber Kontrolleure, aber ganz viel übernimmt für uns auch der Stadtordnungsdienst vom Stadtordnungsamt, Bürger geben uns Hinweise, und dann ist es jedes Mal unsere Aufgabe, einzuschätzen: Ist das tolerierbar oder nicht."

Austausch der Schilder unnötige Kostenstelle

Gefährdet das Schild durch die Beklebung den Verkehr, muss es ausgetauscht werden. Dazu, wie viele Schilder das jährlich betrifft, gibt es keine Zahl. Klar ist nur, es passiert zu oft: Denn die Schilder haben eine besondere reflektierende Beschichtung, die von den Aufklebern selbst oder spätestens beim Abkratzen beschädigt wird. Mittlerweile gibt es Schilder mit Antihaft-Folien, von denen Aufkleber gut zu entfernen sind. Diese kosten aber je Schild 50-100 Euro.

"Das ist ein riesiger finanzieller Block und das heißt eben auch, dass diese Gelder nicht an anderen sinnvollen Stellen eingesetzt werden können, sei es für Jugendarbeit, soziale Unterstützung, für kulturelle Zwecke", bedauert der Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes. Die Verursacher blieben oft unerkannt. Dabei gefährdeten sie mitunter viele Verkehrsteilnehmer.

Aufkleber bergen Gefahr und Kosten im Straßenverkehr

Die Aufkleber sorgen auch beim Parken für Unsicherheit. Dann, wenn zum Beispiel Zusatzschilder beklebt werden, die etwa Auskunft über eine gewisse Parkzeit oder ein eingeschränktes Halteverbot geben. Ob man dann zahlen muss, kommt auf den Einzelfall an, erklärt Jan Vorweg, Anwalt des Verkehrsrechts: "Da gibt es so eine Art Erkundigungspflicht, dass man schon nochmal schaut, ist da ein Halte- oder Parkverbotsschild. Wenn das nicht komplett zugeklebt ist, man es doch erkennen kann, stehen die Chancen nicht so gut, aus einem Bußgeldverfahren und Abschleppkosten heraus zu kommen."

Etwas anders dürfte es sein, wenn es um Geschwindigkeitsbeschränkungen geht, erklärt der Anwalt weiter: "Da kann ich nicht anhalten und nochmal zurücklaufen und nachschauen, ob es eine 30-, 50- oder 70-km/h-Begrenzung gibt. Da sind die Anforderungen, dass ein Schild gut erkennbar sein kann, schon etwas höher."

Manchen Schildern kommt Form zugute

Verkehrsgefährdende Aufkleber werden laut Stadt binnen Stunden entfernt. Wichtige Verkehrszeichen wie etwa das Vorfahrtsschild sind außerdem dank ihrer Form auch trotz Aufklebern erkennbar.

Und in sensiblen Bereichen wie Schulen, Kitas oder Wohngebieten gilt sowieso für jeden Verkehrsteilnehmer erhöhte Vorsicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Januar 2022 | 08:55 Uhr

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