Am Frauentag Hunderte Erzieherinnen und Erzieher bei Warnstreiks in Sachsen

Viele Eltern von Kita- und Hortkindern vor allem in Leipzig, Dresden und Chemnitz mussten heute ihren Nachwuchs zu Hause betreuen. Mehrere Gewerkschaften hatten anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März zu Warnstreiks aufgerufen. Sie wollen damit Druck vor den nächsten Tarifverhandlungen mit der Arbeitgeberseite in zwei Wochen aufbauen. Mehrere hundert Streikende kamen dabei in Chemnitz, Leipzig und Dresden zusammen.

Teilnehmer eines Warnstreiks der Erzieher im Rahmen der Tarifrunde 2022 für den Sozial- und Erziehungsdienst stehen mit Luftballons am Elbufer vor der Altstadt mit dem Georgentor (l-r), dem Hausmannsturm und der Hofkirche.
Rund 400 Erzieherinnen und Erzieher sind am Dienstagmorgen ans Dresdner Elbufer gekommen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu streiken. Bildrechte: dpa

Hunderte Erzieherinnen und Erzieher haben sich am Dienstag in Sachsen an Warnstreiks beteiligt. Wie die Gewerkschaft verdi mitteilte, kamen in Dresden mehr als 400 Teilnehmende zu einer Kundgebung am Elbufer zusammen. In Leipzig seien zwischen 150 und 200 Erzieherinnen und Erzieher zu einer Warnstreik-Kundgebung gekommen. In Chemnitz sollen den Angaben zufolge etwa 50 Menschen an einem Demonstrationszug teilgenommen haben.

Warnstreiks in Sachsen: Erzieherinnen und Erzieher in Chemnitz
In Chemnitz hatte die Gewerkschaft zwar auch zum Warnstreik aufgerufen, verzichtete jedoch darauf, die städtischen Kindertagesstätten lahm zu legen. Deshalb gab es hier nur vereinzelt Arbeitsniederlegungen. Bildrechte: Harry Härtel

800 Menschen bei Streiks der GEW

Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) trugen sich in Sachsen 800 Personen in die Warnstreiklisten der Gewerkschaft ein. 70 Erzieherinnen und Erzieher beteiligten sich an einer Mahnwache des Sächsischen Erzieherverbandes (SEV) vor dem Sitz des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Sachsen in Dresden, um sich gemeinsam für die gewerkschaftlichen Forderungen in der laufenden Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsdienst stark zu machen. Sachsenweit folgten laut SEV zahlreiche Beschäftigte bei kommunalen Kitas dem Warnstreikaufruf des SEV.

Oliver Greie
Oliver Greie fordert mehr Wertschätzung für Erziehungsberufe. Bildrechte: dpa

Überwiegend Frauen in der Kinderbetreuung

Laut Verdi-Landesbezirksleiter Oliver Greie ist der Internationale Frauentag nicht ohne Grund als Termin für den Streik gewählt worden. Es seien überwiegend Frauen, die in der Kinderbetreuung, in der Sozialarbeit und in der Betreuung von Menschen mit Behinderung tätig sind. Sie würden eine bessere Bezahlung, sozialverträglichere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Wertschätzung verdienen.

Es sind überwiegend Frauen, die in der Kinderbetreuung, in der Sozialarbeit und in der Betreuung von Menschen mit Behinderung tätig sind. Sie verdienen eine bessere Bezahlung, sozialverträglichere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Wertschätzung.

Druck vor Tarifverhandlungen erhöhen

Wie der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Leipzig-Nordsachsen, Sebastian Viecenz, mitteilte, gehe es den Erzieherinnen und Erziehern außerdem darum, dass der sogenannte Betreuungsschlüssel gesenkt wird, sodass es mehr Erzieherinnen und Erzieher für die Kinder in einer Gruppe gibt. Bei einer kleineren Anzahl von zu betreuenden Kindern könnten die Pädagogen ihren Aufgaben noch deutlich besser gerecht werden.

Der Warnstreik stoße bei vielen betroffenen Eltern auf Verständnis. Ihnen sei bewusst, dass die Gewerkschaften vor den weiteren Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst Tarifverhandlungen Druck aufbauen wollen.

Lohnverhandlungen in zwei Wochen

Laut des Sächsischen Erzieherverbandes lief der Auftakt der Verhandlungen Ende Februar durchwachsen. Er kritisierte, die Arbeitgeberseite, der Verband der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), habe weder ein konkretes Angebot vorgelegt noch Kompromissbereitschaft beim zentralen Thema der Entlastung der Beschäftigten gezeigt. Die nächste Verhandlungsrunde soll am 21. und 22. März stattfinden.

Eigenbetrieb Dresden findet Streik-Zeitpunkt "sehr unsensibel"

Die Chefin des städtischen Eigenbetriebs Kindertageseinrichtungen Dresden, Sabine Bibas, fand die geplanten Streiks im Vorfeld "sehr unsensibel": "In der Ukraine ist Krieg. Wir bereiten uns gerade auf die Ankunft von Flüchtlingen mit ihren Kindern vor." Auch die Corona-Einschränkungen mit dem erst am vergangenen Freitag beendeten eingeschränkten Regelbetrieb seien nicht ohne Auswirkungen auf Eltern und Kitas geblieben, sagte Bibas. Sie habe Respekt vor dem Streikrecht, dessen Nutzung zum Auftakt der Verhandlungen aus ihrer Sicht aber nicht zu vermitteln sei.

MDR (kk/stt/kh)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 08. März 2022 | 19:00 Uhr

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