Rückblick 15 Jahre "Kyrill": Sturmschäden in Sachsens Wäldern noch sichtbar

Am 18. und 19. Januar 2007 tobte Orkan "Kyrill" in Deutschland. Er deckte ganze Dächer ab, knickte Strommasten um und sorgte für massive Brachflächen in den Wäldern. In Sachsen waren vor allem die Wälder betroffen.

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Besonders im Erzgebirge und Vogtland knickte Orkan "Kyrill" vor 15 Jahren zehntausende Bäume um wie Streichhölzer. Der Werdauer Wald war die am schlimmsten betroffene Fläche im Forstbezirk Plauen. Dort standen bis zu 30 Meter hohe Fichten. "Kyrill" hat die allermeisten davon über Nacht gefällt, erinnert sich Revierförster Uwe Hempel.

"Es war einfach nur zum Heulen", erzählt er. Der Werdauer Wald sei ein geschlossenes großes Waldgebiet gewesen, dass von Fichten dominiert wurde. Durch die Nässe im Januar 2007 hatten viele Fichten keinen guten Halt und wurden vom Orkan umgerissen.

Schadensbilanz in Sachsen Wäldern nach "Kyrill" In Sachsen richtete Orkan "Kyrill" vor 15 Jahren den größten Schaden in den Wäldern an: Er hinterließ nach zwei Tagen mehr als 1.300 Hektar Kahlflächen im Staatswald und über 1,8 Millionen Kubikmeter gebrochenes Holz in allen Waldarten. Der Aufwand für die Schadensbeseitigung allein im Staatswald belief sich auf rund 18 Millionen Euro.

Sturm zeigt Fehler der Forstwirtschaft

Ein Areal von rund 100 Fußballfeldern war betroffen, begünstigt auch durch das wirtschaftliche Denken des Menschen. "Der Sturm hat innerhalb kürzester Zeit die Fehler der letzten Jahrhunderte gezeigt", so Hempel. "Wo reine Fichte gepflanzt wurde auf Staunässe-Flächen, wo die Fichte nicht hingehört, das hat der Sturm reguliert."

Mehr als 55.000 Kubikmeter Schadholz mussten damals im Werdauer Wald beräumt werden. Diese Menge wird sonst in zweieinhalb Jahren in dem 30 Quadratkilometer großen Wald eingeschlagen. In einer Hauruck-Aktion wurden bis zum Juni 2007 die Sturmschäden beräumt. Der Wald liegt im Borkenkäfergefährdungsgebiet und deshalb musste das Holz schnellstmöglich entfernt werden.

Umbau zum Mischwald

In Zukunft soll der Wald nicht wieder so stark von Stürmen zerstört werden, deswegen wird der Werdauer Wald Stück für Stück umgebaut, erklärt Bernd Härtel vom Forstbezirk Plauen. "Mittlerweile haben wir alleine über 20 Prozent Buche, wir haben zehn bis 15 Prozent Eiche, wir haben sehr viel Birke, Aspe und Eberesche", sagt Härtel. Ziel sei ein ausgewogenes Verhältnis von Nadel- und Laubbäumen.

Einen Verlierer wird es dabei aber geben, sagt Revierförster Uwe Hempel. "Die Fichte wird sich früher oder später verabschieden. Wir werden das nicht aufhalten", sagt er. "Was die Trockenheit nicht schafft, das schaffen die Stürme auf den Nassflächen."

Zukunftssorgen im Werdauer Wald

Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde sei immer mit Schäden zu rechnen, ergänzt Bernd Härtel. Er blickt deshalb nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft. "'Kyrill' war vielleicht der bisher stärkste, aber mit Sicherheit nicht der letzte Sturm, der den Werdauer Wald heimgesucht hat." Dagegen müsse man sich langfristig wappnen.

Quelle: MDR(al/bs)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 18. Januar 2022 | 16:30 Uhr

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