Welttanztag Home-Dancing: Sachsens Tanzschulen organisieren Online-Festival

Für den 1. Mai, den UNESCO-Welttanztag 2021, bieten fast 100 sächsische Tanzschulen ein digitales Mitmachprogramm für Hobby-Tänzerinnen und Tänzer an. Neben Kindertanz- und Walzer-Workshop geht es den Veranstaltern auch darum, eine Botschaft an die Landespolitik zu senden.

Ausgelassenes Paar tanzt zu Hause
Bildrechte: imago images / Westend61

Für Kay Gottwaldt, Tanzschulbetreiber aus Chemnitz, gehört das Tanzen zum Menschsein. “Bevor der Mensch gesprochen hat, hat er schon getanzt“, ist der Inhaber der Tanzschule "passion life" sich sicher. Wenn seine Stadt im Jahr 2025 Kulturhauptstadt Europas ist, ist für ihn klar, dass Chemnitz auch seine Geschichte als Tanzstadt hervorheben soll. Nur fürchtet er, dass von der Tradition bis dahin nicht mehr viel übrig sein könnte.

Denn Gottwaldt hat in seiner Tanzschule, wie alle anderen Schulen und Vereine auch, seit Beginn des Lockdowns im November 2020 keine Schülerinnen und Schüler mehr unterrichten können. "Unsere Angestellten sind in Kurzarbeit und wir warten auf die beantragten Fördermittel", berichtet er. Die Miete in Höhe mehrerer tausend Euro begleicht er derzeit durch die Mitgliedsbeiträge, die viele seiner Tanzschülerinnen und -schülern immer noch überweisen. "Das ist aber keine Zukunftsperspektive", meint der gelernte Balletttänzer.

Im eigenen Wohnzimmer Walzer lernen

Um auf die Situation der Tanzsschulbetreiber und -angestellten aufmerksam zu machen, haben sich fast 100 der sächsischen Tanzschulen, -clubs, -studios und -vereine organisiert. Als Interessengemeinschaft "Tanzen in Sachsen" bieten sie am Sonnabend für Sportinteressierte aller Altersstufen ein Online-Festival. Aus 15 verschiedenen Tanzstudios in ganz Sachsen wird zwischen 10 und 23 Uhr kostenfrei auf Youtube übertragen. Bei Talkrunden, Shows und kurzen, 10-minütigen Workshops, können sich Interessierte sich vorm heimischen Bildschirm im Zumba, Hip-Hop- oder Walzertanzen probieren.

Neben dem Spaß an der Bewegung steht eine klare Botschaft an die sächsische Landespolitik, die Gottwaldt knapp so formuliert: "Vergesst uns nicht!" Auch Mirko Dreischarf von der Tanzschule Emmerling, ebenfalls aus Chemnitz, beteiligt sich an dem Online-Festival. "Wir möchten, dass die Politik uns als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems wahrnimmt", sagt er. Denn Bewegung und das Pflegen von Sozialkontakten tragen aus seiner Sicht zur Gesundheit bei. "Bei uns trainieren Menschen im Alter zwischen drei und 99 Jahren. Gerade bei den älteren habe ich Angst, dass sie nach so einer langen Pause nicht mehr wiederkehren", so Dreischarf.

Forderung: Individualunterricht wieder ermöglichen

Deswegen fordert die Interessengemeinschaft, dass Individualunterricht gemäß der auch im privaten Bereich erlaubten Kontaktmöglichkeiten wieder stattfinden können soll. Für Mirko Dreischarf ist nicht nachvollziehbar, warum sich ein Tanzpaar und eine dritte Person im privaten Bereich treffen können, nicht aber in seiner Schule. "Wir haben immerhin einen 300 Quadratmeter großen Saal", gibt der Tanzschulenbetreiber zu bedenken.

In einem zweiten Schritt wünschen sich die Vertreter der Interessengemeinschaft die Öffnung der Schulen unter Einhaltung der bereits im letzten Jahr praktizierten Hygienemaßnahmen. "Vor November haben wir kleine Gruppen mit Abstand und Maske trainiert. Dabei gab es keine Probleme", erzählt Dreischarf. Sowohl er als auch Gottwaldt haben die Zeit im Lockdown genutzt, um durch Umbauten größeren Abstand sowie das Betreten und Verlassen der Tanzschulen im Einbahnen-Straßen-System zu ermöglichen. "Mit dem Online-Festival wollen wir zeigen, dass wir präsent sind und Eigenverantwortung übernehmen. Jetzt wünschen wir uns eine Antwort von der Politik", sagt Dreischarf.

Öffnung erst bei Inzidenz unter 100

So wie andere Sportstätten inklusive Fitnessstudios sind auch sächsische Tanzschulen seit November 2020 geschlossen. Viele Sportschulenbetreiber haben sich darauf verlegt, ihren Mitgliedern Onlinekurse anzubieten. Sport in Innenräumen mit mehreren Personen ist erst wieder ab einer stabilen oder sinkenden 7-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner vorgesehen.

Quelle: MDR/ps

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