Wirtschaft Tarifverhandlungen in Sachsens Groß- und Außenhandel vertagt

Mehr als 40.000 Menschen arbeiten im Groß- und Außenhandel in Sachsen. Die Gewerkschaft Verdi fordert für sie höhere Löhne. Die Arbeitgeberseite will mit Verweis auf die Corona-Krise eine Nullrunde durchsetzen. Die erste Verhandlungsrunde endete ohne Ergebnis.

Gabelstapler in einem Warenlager
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In Sachsen haben am Montag die Tarifverhandlungen im Groß- und Außenhandel sowie genossenschaftlichen Großhandel begonnen. Die Gewerkschaft Verdi ging mit der Forderung in die Gespräche, alle Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um einen Euro je Arbeitsstunde anzuheben. Damit sollten die Beschäftigten in den unteren Lohngruppen stärker profitieren und die Einkommen nicht weiter auseinanderdriften, sagte Verdi-Fachbereichsleiter Jörg Lauenroth-Mago MDR SACHSEN. Auf einen "Ecklohn" berechnet gehe es um ein Plus von etwa sechs Prozent.

Sonderforderung für Kommissionierer

Zusätzlich zu dieser Forderung will die Gewerkschaft einen sogenannten "Sachsenzuschlag" für Kommissionier-Tätigkeiten. Dieses auch "Picken" genannte Zusammenstellen bestellter Waren in Großlagern für die Lieferung wird laut Verdi in Sachsen schlechter bezahlt als in fast allen anderen Tarifgebieten in Deutschland. Derzeit erhalte ein Kommissionierer so wenig Lohn, dass er nach 45 Jahren Arbeit nur eine knapp über Grundsicherung liegende Rente erhalte.

Arbeitgeber wollen Nullrunde

Auf der Arbeitgeberseite ging der Landesverband des Sächsischen Groß- und Außenhandels/Dienstleistungen "SGA" ohne ein Angebot in die Tarifgespräche. Dieser strebt zumindest für dieses Jahr eine Nullrunde an, wie Geschäftsführer Karsten Zobel MDR SACHSEN sagte. Er verwies darauf, dass es wegen der Corona-Krise in seiner Branche neben einigen Gewinnern, wie dem Lebensmittelgroßhandel, auch zahlreiche Verlierer gebe, darunter im Gastro-Bereich. Einige Unternehmen hätten sogar Probleme, die für das vergangene Jahr vereinbarte Tarifsteigerung gegenzufinanzieren. Die Gewerkschaft sieht dagegen ihre Forderungen als berechtigt an.

Täglich leisten unsere Kolleginnen in den Betrieben herausragende und anspruchsvolle Arbeit. Eine deutliche Tariferhöhung ist ein Zeichen der Anerkennung ihrer Arbeit.

Sylke Hustan Verdi-Verhandlungsführerin

Keine Annäherung zum Verhandlungsauftakt

In der ersten Gesprächsrunde erklärte Arbeitgeber-Verhandlungsführer Hartmut Thierfelder, durch Lieferengpässe und massive Preiserhöhungen würden zunehmend auch bisher von der Krise nicht betroffene Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Die Bestandssicherung der Firmen und der Arbeitsplätze habe damit Vorrang vor Tarifsteigerungen. Da sich beiden Seiten nicht annäherten, wurden die Verhandlungen ergebnislos auf Mitte Juni vertagt.

Niedrige Tarifbindung

Im sächsischen Groß- und Außenhandel sind beiden Seiten zufolge mehr als 40.000 Menschen beschäftigt. Verdi zufolge wird etwa ein Drittel nach Tarif bezahlt. Der Groß- und Außenhandelsverband spricht von etwa 15 Prozent Tarifbindung. Nach seinen Angaben gibt es etwa 1.700 Firmen in der Branche in Sachsen, von großen Unternehmen wie Metro und Edeka bis hin zu kleinen Spezialanbietern mit ein bis zwei Mitarbeitern. Die meisten Beschäftigten arbeiten demnach in Vollzeit. Minijobber wie im Einzelhandel gebe es kaum.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 17. Mai 2021 | 14:00 Uhr

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