Dünnes Eis Feuerwehren und Behörden warnen vor Betreten zugefrorener Seen

In Berlin stirbt ein Eisbader nach einem Unfall, in Thüringen muss die Feuerwehr ein Pferd aus dem Eis retten. Und in Sachsen zieht es die Menschen nach Dauerfrost auf Teiche und Seen. Ist das nicht gefährlich? Egal, wen MDR SACHSEN dazu fragt - ob Feuerwehrchef, Teichverwalter oder Ordnungsämter: Alle raten dringend davon ab, Eisflächen zu betreten. Auch wenn es noch so kalt ist.

Im Abendlicht tummeln sich mehrere Menschen in Winterkleidung auf dem zugefrorenen Teich am Schloss Moritzburg. Manche spielen Eishockey, manche schlittern über die Oberfläche am 10.2.2021.
Das Verbotsschild (rechts im Bild) wird von den Freizeitsportlern ignoriert, die sich am Mittwoch die Eisfläche in Moritzburg freisgeschoben haben. Bildrechte: Tino Plunert

Warnungen in Moritzburg und Pirna

Tagelangen Dauerfrost mit sibirisch anmutender Eisbildung hat es in Sachsen seit Jahren nicht gegeben. Schon zieht es die Menschen zum Eislaufen auf Teiche und Gewässer, beispielsweise vor Schloss Moritzburg. "Die Flächen sind aber nicht offiziell freigegeben. Wir haben keine extra Verbotsschilder aufgestellt. Das heißt nun nicht, dass das Betreten der Teiche auch erlaubt ist", erklärte die Bau- und Ordnungsamtsverwaltung Moritzburg auf Nachfrage von MDR SACHSEN.

Zudem erlaube die Coronschutzverordnung keine Ansammlungen auf den insgesamt 16 Teichen rings um Moritzburg. Treffen zum Eisvergnügen stellten auch keinen triftigen Grund dar, hieß es aus der Gemeindeverwaltung. Vor drei Jahren waren auf dem Schlossteich in Moritzburg mindestens acht Eisläufer eingebrochen, ein Ehepaaer musste ins Krankenhaus gebracht werden. Auch damals herrschte Dauerfrost. Die Menschen ignorierten aufgestellte Warnhinweise und Lautsprecheransagen der Polizei.

In Pirna haben die Stadtwerke aktuell Warnschilder vor einem Natursee am Campingplatz in Copitz aufgestellt. Durch Lufteinschlüsse könne das Eis unterschiedlich dick sein. Es bestehe die Gefahr einzubrechen. Aus diesem Grund sei das Betreten der Eisfläche verboten. Vor Ort weisen entsprechende Schilder auf das Verbot hin. Es gilt: "Eltern haften für Ihre Kinder".

Zugefrorene Seen - Vorsicht vor zu dünnem Eis
Bildrechte: imago/7aktuell

Dresden: Umweltamt und Feuerwehr warnen

Auch das Umweltamt und die Feuerwehr Dresden warnen aktuell davor, die entstehende Eisschicht auf Teichen, Seen, Bächen und Flüssen zu betreten. "Die Tragfähigkeit wird nicht überprüft. Daher besteht grundsätzlich die Gefahr, dass Personen beim Betreten einbrechen." Die beiden Institutionen betonten, dass Eltern ihre Kinder "unbedingt aufklären und notfalls auch beaufsichtigen" sollten. Zudem sollten sich Erwachsene ihrer Vorbildrolle bewusst sein, teilte das Umweltamt mit.

Von uns Feuerwehrleuten wird öfter verlangt, dass wir Eisflächen sperren sollen. Das machen jedoch der Eigentümer bzw. das Ordnungsamt. Sie sperren oder geben frei. Dafür muss das Eis mindestens 20 Zentimeter dick durchgefroren sein. Wir warnen aber immer vor Freigaben, weil man nie weiß, ob das Eis sicher ist.

Andreas Rümpel Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen

Laut Stadtverwaltung Dresden dürfen vereiste Bäche oder Flüsse auch nicht eigenständig aufgebrochen werden. "Sobald sich Schollen oder Bruchstücke in Bewegung setzen, kann an Engstellen, Krümmungen und Hindernissen sogenannter Eisversatz entstehen. Dabei schiebt sich das Eis übereinander und türmt sich auf. Dadurch können Brücken, Gewässeranlagen und sogar Deiche beschädigt werden". Auch könne sich Wasser oberhalb der Schollen Wege bahnen und stauen. In kürzester Zeit könnte es zu Überflutungen kommen.

Leipzig und Markkleeberg: Auch dickste Eisflächen geben keine Garantie für Belastbarkeit

Auch in Leipzig haben sich viele Bürgerinnen und Bürger auf die gefrorenen Gewässer gewagt. Trotz der rutschigen Freude für Groß und Klein hat die Feuerwehr vor dem Betreten der Eisflächen gewarnt. Stärke und Tragfähigkeit der Eisflächen seien nur schwer einschätzbar, twitterte die Feuerwehr. "Selbst die dicksten Eisflächen geben keine Garantie auf ausreichende Belastbarkeit", heißt es im Tweet weiter. Zudem bestünde Lebensgefahr.

Das Amt für Umweltschutz weist auf seiner Website darauf hin, dass die Stadt Leipzig keine Haftung für Schäden, Unfälle oder den eventuellen Einsatz von Rettungskräften übernimmt. Die Verantwortung und die Kosten habe jeder selbst zu tragen.

Zahlreiche Menschen auf dem gefrorenen Karl-Heine-Kanal im Leipziger Stadtteil Plagwitz.
Zahlreiche Menschen tummeln sich auf dem zugefrorenen Karl-Heine-Kanal im Leipziger Stadtteil Plagwitz. Bildrechte: Moritz Arand

Trotz der anhaltenden Minusgrade warnt auch die Stadtverwaltung in Markkleeberg vor dem Spaziergang auf dem Eis und dem Schlittschuhlaufen. Eissport auf dem Cospudener See ist grundsätzlich verboten, heißt auf der Seite der Stadt Leipzig. Für das bei Dauerfrost beliebte Eissegeln auf dem Cospudener See sei eine Genehmigung erforderlich.

Oberlausitz: Menschenverstand und ein Herz für Tiere

Auch die mehr als 360 Teiche im UNESCO-Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft" dürfen nicht betreten werden. Warnschilder stehen dort allerdings nicht. Aber: "Es gebietet der Menschenverstand. Man sollte das Betreten tunlichst lassen", sagte der stellvertretende Leiter des Biosphärenreservats Jan Prignitz. Eisläufer würden Fische und Lurche im flachen Wasser nur unnötig durch Geräusche belasten. Außerdem würden im Röhricht am Rande der Teiche Vögel empfindlich gestört.

Was ist so gefährlich an zugeforenen Eisflächen?

  • Oft bilden sich unter Fließgewässern Hohlräume (Einschlüsse) wegen schwankender Wasserstände.
  • Die Eisstärke wächst in Naturgewässern uneinheitlich.
  • An Ein- und Ausflüssen von Teichen und Seen bewegt sich das Wasser, Eis ist unterschiedlich dick.
  • Liegt Schnee auf dem Eis, kann man nicht erkennen, wie stark gefroren die Wasseroberfläche ist. Unter dem Schnee könnte es Risse, Taustellen und brüchiges Eis geben.

Quellen: Umweltamt Dresden, Landesfeuerwehrverband Sachsen

Hilfe! Das Eis ist eingebrochen!

  • Wenn man sieht, wie Eis Risse bekommt und hört, dass es knackt, herrscht höchste Gefahr. Dann sollte man möglichst flach auf der Eisfläche zurück zum Ufer kriechen. Familien oder mehrere Personen auf dem Eis müssen sich trennen und möglichst viel Kontaktfläche mit dem Eis herstellen.
  • Wer einbricht, sollte versuchen, sich am Eis festzuhalten oder darauf zu ziehen. Wenn das Eis weiter bricht, kann man sich mit Fäusten oder Ellenbogen einen Weg zum Ufer frei schlagen.
  • Kommt man als Spaziergänger zum Eisunfall hinzu, sollte man beruhigend auf das Opfer einreden und sofort den Notruf 112 rufen. Dabei sollte man auf diese Fragen gefasst sein: Wer meldet? Was ist passiert? Wie viele Personen sind beteiligt? Welche Verletzungen? Wo ist der Ereignisort genau?
  • Mit einem Brett, Stock oder einer Leiter kann man sich langsam robbend oder liegend (möglichst viel Gewicht aufs Eis verlagern, niemals im Stehen an die Einbruchstelle laufen) an den Verunfallten heranwagen, ihm den Stock zum Festhalten reichen.
  • Eine quer über die Einbruchstelle gelegte Unterlage erleichtert es, die eingebrochene Person zu retten. Hilfreich können auch an Gewässern aufgehängte Rettungsringe sein.
  • Gerettete sollten in warme Decken gehüllt und vorsichtig erwärmt werden. Tabu sind Alkohol und vermeintliche Sitten wie den Verunfallten mit Schnee abzureiben.
  • Für alle Helfenden gilt: Eigenschutz geht vor Rettungsversuch.

Wenn es knackt, knistert oder sich die Risse im Eis vergrößern, sollte man lieber nicht auch noch zum Opfer werden.

Andreas Rümpel Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen

Quelle: Branddirektor Markus Morgenstern, Leiter der Landesfeuerwehrschule Sachsen

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.02.2021 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Mehr aus Sachsen