Erinnerungen Was die Welt (eigentlich) nicht mehr braucht - den Benzinhahn

Manche einst unheimlich wichtigen Dinge schleichen sich aus unserem Alltag heraus, so mir nichts, dir nichts. Manches hätten wir gerne noch behalten, anderes vermissen wir so gut wie gar nicht mehr. MDR SACHSEN-Autor Mario Süßenguth fiel dieser Tage ein, was er früher beim Moped- und auch beim Trabi-Fahren niemals vergessen durfte: den kleinen, aber unverzichtbaren Benzinhahn aufzudrehen.

Trabant 601 in Eisenhüttenstadt 2 min
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MDR SACHSEN-Autor Mario Süßenguth fiel dieser Tage ein, was er früher beim Moped- und auch beim Trabi-Fahren niemals vergessen durfte: Den kleinen, aber unverzichtbaren Benzinhahn aufzudrehen. Erinnerungen werden wach.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 14.09.2021 09:38Uhr 02:22 min

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Wer hat ihn nicht im Ohr, den altbekannten Klang des Trabis, der vielen sofort auch den Geruch des Benzin-Öl-Gemischs in die Nase treibt. Es war der "Zwei-Takt" unseres Lebens zu DDR-Zeiten, Benzinhahn inklusive.

Beim Trabant war der Benzinhahn meistens unten rechts auf der Beifahrerseite. Den musste man anmachen, also auf eins stellen und dann konnte man starten und losfahren.

Trabi-Fan

Ein Trabant
Kein Weg zu weit für den Trabi, Reisen nach Ungarn oder ins Riesengebirge waren für die "Pappe" kein Ding Bildrechte: Andreas Auerswald

"Man hat alles selber machen können"

Ob Trabi oder Moped - vor dem Start gilt es, den Hahn zu öffnen, damit der Treibstoff ungehindert in den Vergaser gelangen kann. Einige schwärmen immer noch von der Schlichtheit so eines Trabi-Zweitaktmotors. "Man hat alles selber machen können. Nicht wie heute, so viel Elektronik. Da kannst du nichts mehr machen. Am Trabant habe ich damals mit meinem Kumpel zusammen Motor und Getriebe komplett alleine gewechselt. Wenn Sie in den Trabi reinschauen und mit dem Hammer mal kurz dagegen hauen, dann ging der, dann sprang der an", erinnert sich ein Trabifreund und Bastler.

Hast du Hammer, Zange, Draht, kommst du bis nach Leningrad.

Trabi-Spruch aus DDR-Zeiten

Der Trabi braucht seinen Sprit

Wenn Benzin knapp wurde, hieß es, den Benzinhahn auf Reserve schalten. "Wenn es langsam zu Ende ging, ... hatte man auf Reserve drehen müssen", erinnert sich ein ehemaliger Trabifahrer, "und dann konnte man noch einiges an Kilometern fahren. Das hat man manchmal verpasst und dann ging es nur noch bub bup bup. Und dann war Ruhe."

Wer allein im Trabi reist und auf Benzinreserve drehen muss, verrenkt sich mit Bücken nach unten das halbe Kreuz und handelt noch dazu straßenverkehrswidrig. Und wem das zu gefährlich ist, der muss und musste anhalten. Oder man wusste sich so zu helfen, wie ein ehemaliger Trabantfahrer älteren Semesters: "Wir haben einen Holzstab genommen, da konnte man sehen, wieviel Benzin noch drin ist. Wenn nix mehr drin war, musste man anhalten und musste dann umschalten auf Reserve. Dann konnte man weiterfahren."

Lenkrad eines Trabant
Schon der Geruch im Innenraum - beim Trabant war auch der besonders. Rechts unten, vom Fahrer aus gesehen, ist der Benzinhahn. Bildrechte: dpa

Abenteuer Auto

Der Benzinhahn in einem vierrädrigen Fahrzeug war schon zu DDR-Zeiten eher eine Kuriosität. Das gabs wirklich nur beim Trabant. Skoda- oder Ladafahrern war der Benzinhahn auch immer etwas unheimlich.

Übrigens, als Ersatzteil sind Trabi-Benzinhähne und solche für Schwalbe, Star oder Simson S 51 immer noch begehrte Handelsware für alle die, die einen ostdeutschen Zweitakter lieben gelernt haben und heute immer noch begeistert fahren.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.09.2021 | 10:00 - 12:00 Uhr

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