Wassermangel Trockenheit in Sachsen: "Private Pools könnten nicht mehr vertretbar sein"

Die extreme Hitze führt uns vor Augen, wie sehr der Regen fehlt. Zwar können wir immer noch den Wasserhahn aufdrehen, aber Flüsse trocknen aus und der Grundwasserspiegel sinkt. Professor Traugott Scheytt vom Lehrstuhl für Hydrogeologie an der Bergakademie Freiberg spricht im Interview über das Ausmaß der Trockenheit in Sachsen und mögliche Gegenmaßnahmen.

Mutter und Tochter im Pool (Symbolbild)
Im eigenen Pool zu planschen, ist für viele ein Traum. Dennoch könnte das in Zukunft nicht mehr möglich sein. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia / Andrey Popov

Herr Prof. Scheytt, wie ist denn derzeit die Situation in Sachsen? Wo ist es besonders trocken?

Prof. Traugott Scheytt: Da ist natürlich zum einen die Region rund um Leipzig, aber auch Teile in der Lausitz und der Sächsischen Schweiz sind besonders von dieser Trockenheit betroffen. Zum Schutz der Gewässer, aber auch der gesamten Funktion, die so ein Gewässer hat, muss dort die Wasserentnahme eingeschränkt oder eben ganz verboten werden. Tatsächlich kann aber in den meisten Gebieten Wasser genutzt werden und steht dann unter anderem für die private Nutzung zur Verfügung.

Klingt gar nicht so katastrophal. Trotzdem sehen wir, wie trocken es überall aussieht. Kein Gras steht mehr, alles ist gelb. Wo liegt aus Ihrer Sicht das größte Problem?

Deutlich wird das zum Beispiel im Raum Leipzig. Dort liegt die Niederschlagsmenge im langjährigen Mittel bei etwa 600 Millimeter, also 600 Liter auf einen Quadratmeter. Aufgrund der hohen Temperaturen ist die Verdunstung aber höher. In der Folge wird kein neues Grundwasser gebildet. Am Ende ist im Boden vielleicht noch genug Wasser da, um Pflanzen und Bäume zu versorgen, versickern tut aber nichts mehr.

Und was macht dieses versickernde Wasser im Normalfall?

Im Normalfall werden daraus beispielsweise die Oberflächengewässer gespeist. Aber wenn das Grundwasser nicht neu gebildet wird und der Grundwasserspiegel sinkt, ist dafür kein Wasser mehr da.

Deshalb gibt es dann auch die örtlichen Verbote, Wasser aus Flüssen zu entnehmen. Wie sieht es dann aber mit einem Brunnen aus?

Also bei den Brunnen ist es ja so, dass entsprechend der gesetzlichen Vorgaben bis zu einer Größe von etwa 2.000 Kubikmeter pro Jahr Wasser entnommen werden darf. Und natürlich ist das eine Zahl, die für die Einzelperson positiv ist. Das große Problem ist aber, dass sich immer mehr Leute um einen Brunnen bemühen. Daher würde ich vorhersagen, dass es künftig zumindest weniger leicht wird, einen Brunnen genehmigt zu bekommen und dort dann Wasser zu entnehmen.

Durch ausbleibenden Regen und hohe Verdunstung wird das Wasser knapper. Aber was ist mit der Wasserqualität? Wird die auch schlechter?

Ja, der Zusammenhang ist folgender: Die Temperatur geht nach oben, sodass sich weniger Sauerstoff im Wasser löst. Im Wasser ist dann häufig mehr organisches Material enthalten. Und was noch dazukommt: Oft ist in diesen Gewässern auch ein Anteil Abwasser drin. Wenn der Anteil Frischwasser, der aus Grundwasser oder wo auch immer herkommt, sinkt, dann steigt relativ gesehen der Abwasseranteil.

Welche Folgen hat das?

Alles zusammen führt dazu, dass teilweise die Gehalte, beispielsweise an Sauerstoff, so gering werden, dass die Fische nicht mehr genug Sauerstoff zum Atmen haben. Außerdem können verschiedene ökologische Funktionen von den Gewässern nicht mehr ausgeübt werden oder die Gewässer trocknen komplett aus. Insofern ist das natürlich eine große Auswirkung im Hinblick auf diesen ökologischen Zustand.

Unser Trinkwasser kommt ja nicht aus Flüssen. Aber woher eigentlich?

Das Trinkwasser in Sachsen hat im Prinzip zwei Schwerpunkte. Einmal sind es Wasserspeicher, die von der Landestalsperrenverwaltung Sachsen verwaltet werden. Die sind im Wesentlichen im Erzgebirge. In anderen Regionen, wie zum Beispiel in Dresden, ist ein Teil Uferfiltration und ein Teil Grundwasser. Ein weiterer Teil kommt aber auch aus Speichern nach Dresden, während im Leipziger Raum fast das gesamte Trinkwasser aus Grundwasser gewonnen wird.

Hat die anhaltende Trockenheit bereits Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung in Sachsen?

Tatsächlich ist die Lage, was die Trinkwasserversorgung angeht, nicht angespannt. Die Landestalsperrenverwaltung, aber auch die Wasserversorger haben sich, auch aus der Kenntnis der letzten Jahre, die ganze Geschichte gründlich angeguckt. Die Wasserspeicher sind unter verstärkter Beobachtung.

Es wurde jetzt auch versucht, Insellösungen zu vermeiden, sodass man Wasser aus verschiedenen Bereichen zusammenführen kann, wenn irgendwo in einem bestimmten Bereich große Not ist. Man muss aber natürlich klar sagen, wenn die Situation noch länger so geht, kann das durchaus dazu führen, dass in gewissen Bereichen die Wassermenge so knapp wird, dass halt reagiert werden muss.

Wie kann man die vorhandenen Wasserressourcen besser nutzen oder sogar speichern?

Das Erste, was mir sofort einfällt, ist, dass man anfangen muss, mit dem Wasser, gerade wenn es als Starkniederschlag fällt, besser umzugehen. Dazu muss die Mischwasserkanalisation, die heute noch Standard ist, aufgelöst werden. Das bedeutet, wenn Niederschlag fällt, muss er nicht in irgendwelche Klärwerke geleitet werden, die dann noch umkippen können. Stattdessen muss darauf geachtet werden, dass das Wasser dezentral versickert, um dann tatsächlich zur Verfügung zu stehen.

Es gibt ja auch schon eine Menge Verbote, Wasser aus Gewässern zu pumpen oder in einigen Regionen, Wasserleitungen zum Rasensprengen zu nehmen. Was halten Sie von solchen Verboten?

Vielleicht wird es in Zukunft Jahre geben, in denen man den Rasen nicht sprengen darf. Dann wird der Rasen halt gelb oder braun, aber er kommt ja wieder. Auch solche Aspekte wie private Pools oder solche Geschichten sind dann wirklich schwierig, teilweise auch nicht vertretbar.

Ich könnte mir vorstellen, dass ein neues Gebührensystem dabei hilft, sodass der Grundverbrauch vergleichsweise günstig ist und bei einem Mehrverbrauch die Kosten dann dramatisch steigen. So gäbe es einen Anreiz, den Geldbeutel zu schonen.

MDR (sth/N. Mildenstein/E. Schmidt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | 05. August 2022 | 11:02 Uhr

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