Waldsterben Trockenheit, Brände und Schädlinge lassen Sachsens Wälder weiter leiden

Der Wald in Sachsen muss sich gleich an mehreren Fronten bewehren: Trockenheit, Schädlinge und Brände lassen die Bäume weiter leiden. Die menschenverursachten Waldbrände nähern sich 2022 wieder rekordverdächtigen Zahlen. Davon erholt sich der Wald nur langsam, wie Satellitenaufnahmen zeigen. Doch durch Fördergelder in Millionenhöhe soll der Waldumbau schneller umgebaut werden. Können die Wälder dem Klimawandel widerstehen?

Blick auf eine Schneise in einem abgestorbenen Stück Wald im Harz
Deutschlandweit kommt es seit Jahren wieder zu einem großen Waldsterben. In Sachsen sind dadurch allein seit 2017 mehr als 11,5 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Mehr als 11,5 Millionen Kubikmeter – so viel Schadholz ist seit Oktober 2017 in Sachsens Wäldern angefallen. Wie eine aktuelle Statistik des sächsischen Umweltministeriums zeigt, sind mehr als 82.000 Hektar des sächsischen Waldes geschädigt. Das sind mehr als 17 Prozent der gesamten Waldfläche. Der Borkenkäfer sei allein für die Hälfte des Schadholzes verantwortlich. Aber auch menschenverursachte Brände durch anhaltender Trockenheit zerstört Waldflächen.

Laut sächsischem Waldzustandsbericht von 2021 weisen in Sachsen nur noch 24 Prozent der Bäume keine sichtbaren Schäden auf. Deutliche Schäden hatten hingegen 31 Prozent der Bäume. Dass sich der Zustand des Waldes vorerst nicht bessern wird, zeigt die aktuelle Situation, erklärt der Leiter des Kompetenzzentrums Wald und Forstwirtschaft, Dirk-Roger Eisenhauer: "Die gegenwärtige Entwicklung ist wieder äußerst kritisch."

Ein Mann in Grün gekleidet, steht an einen Baum gelehnt im Wald. Im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen.
Dirk-Roger Eisenhauer vom sächsischen Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft schätzt die derzeitige Lage wegen der anhaltenden Trockenheit kritisch ein. Gleichzeitig verweist er auf Erfolge eines 25 Jahre alten Waldumbaus. Bildrechte: Staatsbetrieb Sachsenforst

Die gegenwärtige Entwicklung ist wieder äußerst kritisch.

Dirk-Roger Eisenhauer Leiter des Kompetenzzentrums Wald und Forstwirtschaft

Für die stark geschädigten Fichten im Erzgebirge oder der Kiefern im Tiefland sei eine längere Erholungsphase ausgeblieben. Die Jahre 2018, 2019 und 2020 seien viel zu trocken gewesen. "Wir haben es mit ausgeprägten Niederschlagsdefiziten zu tun, wobei in Verbindung mit hohen Temperaturen die Waldbäume nicht genügend Wasser haben", verdeutlicht Eisenhauer.

87 Brände dieses Jahr bisher in Sachsen gezählt

Der sächsische Wald ist aber auch durch Waldbrände gefährdet. Das zeigt ein Blick in die Waldbrandstatistik 2021 des Umweltministeriums. 103 Mal im Jahr brennt es durchschnittlich in sächsischen Wäldern. Durchschnittlich brennen jedes Jahr 0,9 Hektar ab. Ein Rekordjahr war 1992 mit 299 Waldbränden.

Anzahl und Schäden der Waldbrände in den vergangenen sechs Jahren in Sachsen
Jahr Anzahl der Brände betroffene Hektarfläche
2017 40 3,9
2018 200 240
2019 153 41,5
2020 110 32,47
2021 34 3,18
2022 bisher 87 21

Doch erst Ende Juni dieses Jahres hat es im Naturschutzgebiet Gohrischheide und Elbniederterrasse Zeithain auf rund 500 Hektar den größten Waldbrand in Sachsen seit 30 Jahren gegeben. Bis heute wurden in diesem Jahr laut Sachsenforst insgesamt 87 Brände in Sachsen gezählt, 21 Hektar Wald seien bislang betroffen. Damit gab es schon jetzt mehr Waldbrände und die größere Schadensflächen als im gesamten Jahr 2021.

Monate mit den meisten Bränden in Sachsen
Jahr Monat Anzahl der Brände
2017 Mai 21
2018 Juli 58
2019 April 46
2020 April 34
2021 Juni 17

Was Satellitenaufnahmen der ESA zeigen: Sächsischer Wald erholt sich nur langsam

Aktuelle Satellitenaufnahmen aus dem Erdbeobachtungsprogramm Copernicus der Europäischen Raumfahrtagentur ESA zeigen, dass sich der sächsische Wald derzeit nur langsam erholt. Auf 14.000 Hektar der abgestorbenen Waldfreiflächen seien noch keine jungen Bäume gewachsen, was einer Fläche von zweieinhalb Mal der Dresdner Heide entspricht.

Im Jahr 2020 habe das erst auf 5.000 Hektar der Freiflächen zugetroffen. Problemregionen seien die Landkreise Bautzen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, aber auch der Erzgebirgskreis und der Kreis Görlitz.

Die Aufnahmen können auf dem Geoportal Sachsenatlas eingesehen werden.

So verschaffen Sie sich den Überblick - Den Schadenszustand des sächsischen Waldes kann man auf dem Geoportal Sachsenatlas ansehen. Ins Suchfeld einfach "Waldschaden 2021" eingeben und erstes Suchergebnis auswählen.

- Wählen Sie danach das Jahr aus, das Sie angezeigt bekommen wollen.

Quelle: Geoportal Sachsenatlas

Umweltminister: "Wald geht großflächig verloren"

Welche weitreichendne Folgen das Waldsterben hat, versinnbildlicht der sächsische Forstminister Wolfram Günther (Grüne): "Wir sehen in Sachsens Wäldern sehr eindrücklich die Folgen der Klimakrise. Wald geht großflächig verloren. Das hat Folgen für den Wasserhaushalt und die Talsperren, aber auch für die Funktion des Waldes als Kohlenstoffsenker, als Lebensraum für viele Arten, als Quelle für den Rohstoff Holz und als Erholungsort." Deswegen sei ein ökologischer Waldumbau hin zu arten- und strukturreichen Mischwäldern notwendig, so der Minister.

Ein Mann im Anzug steht in einem Gang eines Bürogebäudes an einem Geländer gelehnt
Der sächsische Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) plädiert für einen klimatisch widerstandsfähigeren Wald. Dafür will das Land Sachsen 39 Millionen Euro bis 2023 ausgeben. Bildrechte: SMEKUL/Tom Schulze

Wald geht großflächig verloren. Das hat Folgen für den Wasserhaushalt und die Talsperren, aber auch für die Funktion des Waldes als Kohlenstoffsenke.

Wolfram Günther (Grüne) Sächsischer Forstminister

Nach Angaben des umweltministeriums stünden zur Borkenkäferbekämpfung, Waldschadenbeseitigung sowie Wiederbewaldung bis zum Jahr 2023 rund 38 Millionen Euro zur Verfügung.

Waldumbau wegen des Klimawandels ein Prozess

Der Waldumbau könne auch unter klimatisch erschwerenden Bedingungen funktionieren, sagt Dirk-Roger Eisenhauer und verweist dabei auf Positiv-Beispiele. Die lägen zum Beispiel in den Forstbezirken Neustadt und Eibenstock sowie Tharandter Wald.

Wie auch ständig wechselnde klimatische Bedingungen könne der Waldumbau nie als abgeschlossen gelten, so Eisenhauer: "Waldumbau ist ein kontinuierlicher Prozess, der immer wieder auf neue Situationen stößt."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR UM VIER | 22. Juli 2022 | 16:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen