Humanitäre Hilfe Sachsen bereitet Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine vor

Die sächsische Landesregierung richtet sich auf die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine ein. Auch in den Landkreisen werden Vorbereitungen getroffen. Die Arbeiterwohlfahrt erwartet die ersten Flüchtlinge in Sachsen bereits am Freitag.

Flüchtlinge aus dem Donbass bei ihrer Ankunft in der Region Rostow.
Die russische Invasion hat nach Angaben der Vereinten Nationen in der Ukraine eine Massenflucht ausgelöst. Bildrechte: dpa

Die sächsische Landesregierung bereitet sich auf die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine vor. Der zuständige Amtschef im Innenministerium, Thomas Rechentin, erklärte, von den 2.300 freien Plätze in den Erstaufnahme-Einrichtungen könnten zunächst aber nur maximal 1.500 belegt werden. Grund seien mögliche Coronafälle unter den Flüchtlingen. Die Lage an der deutsch-polnischen Grenze ist nach Rechentins Aussagen zurzeit ruhig.

Das Innenministerium arbeitet nun an einem Verfahren, um Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Nach geltendem Recht dürfen Ukrainer ohne Visum für 90 Tage in die Europäische Union einreisen. Dafür benötigen sie aber einen biometrischen Pass, den laut Menschenrechtsorganisation Pro Asyl nur sehr wenige Ukrainer besitzen.

Landkreis Görlitz bereitet sich vor

Wie das Landratsamt Görlitz mitteilt, stimmt sich die Behörde bereits mit dem Freistaat und der Bundespolizei darüber ab, wie Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen geschaffen werden können. Landrat Bernd Lange habe sich dazu für Montag auch mit dem Landrat des Landkreises Zgorzelec verabredet. Er wolle mit ihm erörtern, wie schnell geholfen werden kann, wenn die Flüchtenden die Region erreichen.

"Die große Hürde ist, hierher zu kommen."

Die Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Sachsen sind ebenfalls auf Flüchtlinge eingestellt. "In den letzten Jahren waren es Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Eritrea", berichtet Anastasia Verpeko, Leiterin der AWO Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer in Dresden. "Es ist ja nichts anderes, wenn die Flüchtlinge aus der Ukraine kommen." Die Mitarbeiter seien sowohl fachlich als auch sprachlich gut vorbereitet.

"Wir können den Menschen erklären, wohin sie sich wenden müssen, Wohnraum finden und in allen Lebensbereichen unterstützen", so Verpeko. "Die große Hürde ist, hierher zu kommen." Noch unklar sei, welche Papiere die Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland bekommen. Zu erwarten seien vor allem ältere Menschen, Frauen und Kinder. "Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen das Land nicht verlassen", sagt Verpeko.

Erste Flüchtlinge schon heute in Sachsen erwartet

An der polnischen Grenze werden bereits Unterstützerstrukturen aufgebaut, sagt Ilko Keßler, Fachbereichsleiter Migration bei der AWO. "Wir wissen, wenn an der polnischen Grenze Menschen sind, dann dauert das sieben oder acht Stunden bis wir diese Menschen auch an der sächsischen Grenze haben", so Keßler. "Wir rechnen damit, dass schon ab Freitag Menschen den Weg nach Sachsen finden werden."

Wie ein Sprecher der Bundespolizei in Pirna am Sonnabend mitteilte, sind am Grenzübergang Ludwigsburg bei Görlitz seit Freitag lediglich eine einstellige Zahl von Menschen aus der Ukraine angekommen.

Rund 7.000 Ukrainerinnen und Ukrainer in Sachsen

In Sachsen leben etwa 7.000 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit. Der sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth hatte am Donnerstag erklärt, er rechne bei den Flüchtlingen in erster Linie mit Angehörigen der hier lebenden Ukrainer.

MDR (al)/MINA

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 25. Februar 2022 | 12:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen