Gaslieferungen Energieversorger in Sachsen: Keine Versorgungslücken bei Erdgas

Neben dem menschlichen Leid vor Ort wird der russische Angriff auch Auswirkungen auf die sächsische Wirtschaft und die Energieversorgung haben. Auch die von der EU geplanten Sanktionen gegen Russland wirken sich auf die Preise für Erdöl und Erdgas aus. Ministerpräsident Kretschmer verlangte am Donnerstag eine neue Debatte über Kohle- und Atomstrom. Die Energieversorger in Sachsen sind derzeit noch zuversichtlich.

Sonnenuntergangsstimmung mit zwei Erdgastanks, die sich wie zwei runde Hügel am unteren Bildrand befinden.
Rund 55 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases kommt aus Russland. Bisher scheint die Versorgung sicher - doch wie lang? (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Der Leipziger Gasversorger VNG hat sich schockiert über den Einmarsch Russlands in die Ukraine gezeigt, sieht die Gasversorgung kurz- und mittelfristig jedoch gedeckt. "Die Gasflüsse aus Russland kommen weiter zuverlässig an, daran hat sich heute auch nichts geändert", sagte ein Sprecher noch am Donnerstag. Man müsse die Situation jedoch genau beobachten.

VNG-Chef fordert Deeskalation

Im Gespräch mit MDR SACHSEN betonte der VNG-Vorstandsvorsitzende Ulf Heitmüller, der russische Einmarsch sei ein "massiver Bruch des Völkerrechts und durch nichts zu rechtfertigen." Sein Mitgefühl gelte den Menschen vor Ort, auch bei der VNG würden Menschen aus der Ukraine und Russland arbeiten. Man hoffe, dass die politisch Verantwortlichen den Pfad zur Deeskalation wiederfänden, so Heitmüller.

Wärmeversorgung mit Erdgas vorerst sicher

Aus wirtschaftlicher Sicht lasse sich sagen, dass die russischen Partner bisher immer pünktlich geliefert hätten, so der Vorstandsvorsitzende. Bislang seien die Lieferungen stabil und die Versorgung sichergestellt.

Sollten die russischen Gaslieferungen wegfallen oder untersagt werden, wäre die Versorgungslücke nur sehr kurz zu überbrücken. Die Mengen in den Gasspeichern könnten die benötigten Mengen nicht ersetzen. Der Anteil des russischen Gases an deutschen Importen liege bei knapp 55 Prozent. Hinzu kämen Lieferungen über Pipelines aus Norwegen und den Niederlanden sowie verflüssigtes Gas (LNG) per Schiff unter anderem aus Katar und den USA.

Kretschmer verlangt neue Debatte über Kohleausstieg

Im Bezug darauf hatte sich bereits am Donnerstag der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer geäußert. Er forderte eine Debatte über die deutsche Energiepolitik. "Auch die Ausstiegsbeschlüsse zu Kohle oder Atomkraft müssen neu diskutiert werden", so Kretschmer. Dabei müssten auch bisher gehaltene Standpunkte überdacht und Fehler aus der Vergangenheit korrigiert werden. Es müsse jetzt mehr in die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit investiert werden, darunter falle auch die Unabhängigkeit von russischen Gaslieferungen.

MDR (bj)/dpa

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