MDR-Umfrage Sachsentrend: CDU im Freistaat weiter stärkste Kraft - aber mit Verlusten

Seit zwei Jahren bestimmt die Corona-Pandemie das Handeln der Politik und das Leben der Menschen in Sachsen. Diskussionen um Lockerungen der Corona-Regeln trotz hoher Inzidenzen, Impfpflicht und Demonstrationen gegen die politischen Maßnahmen gehören zum Alltag - und stoßen auf sehr unterschiedliche Meinungen unter den Wählern im Freistaat. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Demnach hat auch die sächsische Landesregierung in der Wählergunst deutlich eingebüßt. Trotz deutlicher Verluste bleibt die CDU aber an der Spitze.

Wären am Sonntag Landtagswahlen in Sachsen, bliebe die CDU stärkste Kraft im Freistaat. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des MDR hervor. Demnach liegt die CDU bei der aktuellen Sonntagsfrage bei 27 Prozent. Im Vergleich zum August 2021 verliert sie damit deutlich (-8 Prozentpunkte). Als zweitstärkste Kraft folgt die AfD mit 24 Prozent (+3). Die an der Landesregierung beteiligte SPD legt leicht zu und kommt auf 13 Prozent (+2). Die Grünen - ebenfalls Koalitionspartner im Freistaat - können sich minimal auf 8 Prozent verbessern (+1).

Die Linke käme unverändert zu August 2021 auf 10 Prozent. Die FDP, die 2019 an der Mandatsschwelle gescheitert ist, würde derzeit mit 7 Prozent (+1) in den Landtag einziehen. Die Freien Wähler würden die Mandatsschwelle mit 3 Prozent (-1) verfehlen. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 8 Prozent.

Was ist die "Sonntagsfrage"?

"Was würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag in Sachsen Landtagswahl wäre?"

Die sogenannte Sonntagsfrage ist lediglich ein Meinungsbild der Bevölkerung und misst die aktuelle Wahlneigung. Sie dient nicht als Prognose für anstehende Wahlen.

Landesregierung und Kretschmer verlieren an Zustimmung

Die schwarz-rot-grüne Landesregierung von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat der Umfrage zufolge im vergangenen halben Jahr außerdem stark an Zustimmung verloren. Wurde die Arbeit der Landesregierung im August 2021 noch von einer Mehrheit der Sachsen positiv bewertet (59 Prozent), zeigen sich nur noch 43 Prozent (-16) der Befragten sehr zufrieden oder zufrieden, 53 Prozent (+15) sind weniger oder gar nicht zufrieden. Den meisten Zuspruch erhält die Landesregierung von Anhängerinnen und Anhängern der CDU (77 Prozent) und SPD (69 Prozent). Vor allem Wählerinnen und Wähler der AfD äußerten sich mehrheitlich kritisch (91 Prozent).

Auch Regierungschef Kretschmer selbst hat deutlich an Zuspruch eingebüßt: Nur noch 48 Prozent sind mit der politischen Arbeit des Ministerpräsidenten zufrieden oder sehr zufrieden. Im Vergleich zu einer Umfrage unmittelbar vor der Landtagswahl in Sachsen im August 2019 macht das ein Minus von 23 Prozentpunkten. 48 Prozent der Menschen in Sachsen sind der aktuellen Umfrage zufolge kaum oder gar nicht mit seiner Arbeit zufrieden - 25 Prozentpunkte mehr als noch vor der Landtagswahl 2019.

Rund Dreiviertel der Sachsen begrüßt geplante Lockerungen der Corona-Regeln

Auch wurden die Wählerinnen und Wähler zur Corona-Politik befragt. Die deutliche Mehrheit der Sachsen hält die Lockerungspläne von Bund und Ländern in der Corona-Pandemie für angemessen (74 Prozent). 22 Prozent sind gegenteiliger Auffassung. Dabei zeigt sich, dass vor allem Anhänger der Parteien AfD und FDP zu den Befürwortern der Lockerungen zählen (85 bzw. 78 Prozent), bei der CDU sind es 70 Prozent. Rund zwei Drittel der Anhänger von SPD, Linken und Grünen blicken der Umfrage zufolge positiv auf die Pläne der Bundes- und Landesregierungen.

Keine Mehrheit für allgemeine Corona-Impfpflicht in Sachsen

Anders steht es um das Thema allgemeine Impfpflicht: Gut die Hälfte der befragten Sachsen (53 Prozent) spricht sich gegen eine Corona-Impfpflicht für Erwachsene aus. 44 Prozent der Wahlberechtigten hingegen befürworten eine allgemeine Corona-Impfpflicht. Zuspruch findet die Impfpflicht vor allem bei Anhängerinnen und Anhängern von Grünen (73 Prozent), SPD (68 Prozent) und CDU (57 Prozent). Die Zustimmung bei Wählerinnen und Wählern der Linken ist verhaltener (54 Prozent), bei der FDP halten sich Zustimmung und Ablehnung etwa die Waage (48:50 Prozent). Bei Wählerinnen und Wählern der AfD hingegen lehnt eine deutliche Mehrheit (85 Prozent) eine allgemeine verpflichtende Corona-Impfung ab.

Mehrheit der Sachsen sieht Corona-Demonstrationen kritisch

Die sogenannten Corona-Proteste, bei denen bereits seit Wochen gegen die Maßnahmen in der Corona-Pandemie demonstriert wird, stoßen in Sachsen überwiegend auf Unverständnis. Knapp zwei Drittel der Befragten zeigen wenig (28 Prozent) oder gar kein (36 Prozent) Verständnis. Insgesamt jede dritte wahlberechtigte Person in Sachsen äußert allerdings großes (19 Prozent) oder sehr großes (15 Prozent) Verständnis für die Proteste - unter ihnen vor allem Anhänger der AfD (82 Prozent). Kritisch werden die Proteste vor allem von Wählerinnen und Wählern der Grünen (97 Prozent), CDU (88 Prozent), Linke und SPD (je 87 Prozent) gesehen. Auch Anhängerinnen und Anhänger der FDP zeigten überwiegend wenig bis kein Verständnis für die Demonstrationen (68 Prozent).

Was ist der Sachsentrend und wie entsteht er? Im aktuellen Sachsentrend von Februar 2022 wurden 1.178 wahlberechtigte Personen in Sachsen vom Meinungs- und Wahlforschungsinstitut Infratest dimap befragt. Diese wurden zufällig ausgewählt und konnten per Telefon- oder Online-Interview an der Befragung teilnehmen. Die Daten wurden zwischen dem 17. und 22. Februar 2022 erhoben. Die repräsentative Umfrage von Infratest dimap ist im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks entstanden.

MDR (kp)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 24. Februar 2022 | 05:00 Uhr

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