Lehrerverband-Umfrage Gewalt gegen Lehrkräfte coronabedingt stärker gestiegen

Lehrerin schreibt Klassenregeln an die Tafel
Viele Lehrkräfte berichten von Gewalt an den Schulen in Sachsen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/photothek

Die Corona-Einschränkungen an Schulen in Sachsen führen zu mehr Gewalt gegen Lehrkräfte. Das geht aus einer Mitgliederbefragung des Sächsischen Lehrerverbandes (SLV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Der Verband hat nach eigenen Angaben im Zeitraum vom 16. bis 19. April 2021 eine Mitgliederbefragung zum Thema Gewalt gegen Lehrkräfte durchgeführt. Insgesamt hätten sich 1.052 Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten daran beteiligt. In der Online-Umfrage habe man nach Fällen im Zusammenhang mit psychischer Gewalt, Mobbing über das Internet sowie körperlicher Gewalt an der eigenen Schule gefragt, so der SLV. Aus aktuellem Anlass wurden demnach Angriffe im Zusammenhang mit den Corona-Einschränkungen gesondert betrachtet.

Corona-Einschränkungen lassen Zahlen steigen

Allein im Zusammenhang mit den Corona-Einschränkungen hätten 41 Prozent der Befragungsteilnehmerinnen und-Teilnehmer von psychischer Gewalt berichtet, 28 Prozent von Mobbing über das Internet und in zehn Fällen von körperlicher Gewalt. Angriffe auf Lehrkräfte oder die Schulleitung im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen seien zu 75 Prozent von Eltern und zu 19 Prozent von Schülern ausgegangen, so der SLV. Weil sich der Betrachtungszeitraum bei Angriffen auf Lehrkräfte bzw. Schulleitungen im Zusammenhang mit Corona-Beschränkungen nur auf die vergangenen maximal 13 Monate erstreckt, seien die Zahlen überdurchschnittlich stark angestiegen, so Jens Weichelt, Landesvorsitzender des SLV.

Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes
Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes. (Archivbild) Bildrechte: Stephan Wiegand

Meist psychische Gewalt

Insgesamt habe die Umfrage einen Zeitraum von drei Jahren betrachtet, so Weichelt. In diesem Zeitraum habe es an den sächsischen Schulen verschiedene Formen der Gewalt gerichtet gegen Lehrkräfte, Schulleitungen und weiteres Schulpersonal gegeben. Fast zwei Drittel der Befragten gaben demnach an, dass es an ihrer Schule in den vergangenen drei Jahren Fälle von psychischer Gewalt gegen Lehrkräfte oder die Schulleitung gab.

Psychische vs. physische Gewalt Unter psychischer Gewalt werden alle Formen nicht-körperlicher Angriffe verstanden, die sich gegen das psychische Wohl des Betreffenden richten. (z. B. Beschimpfungen, Bedrohungen, Beleidigungen, Mobbing, Belästigungen).

Physische Gewalt beschreibt verschiedene
Handlungen, z. B. Schlagen, Schütteln, Stoßen, Treten, Boxen, mit Gegenständen werfen, an den Haaren ziehen oder mit den Fäusten oder Gegenständen prügeln.

Die meisten Fälle von psychischer Gewalt gab es laut Verband bei Förderschullehrkräften. 82 Prozent gaben an, dass es Vorfälle dieser Art an ihrer Schule gegeben habe. Die wenigsten Fälle wurden an Gymnasien registriert. Damit ist diese Form der Gewalt am häufigsten in Erscheinung getreten, so der SLV. Die psychische Gewalt sei dabei zu 95 Prozent von Schülern oder Eltern ausgegangen.

Auch körperliche Angriffe

Rund 24 Prozent der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer hätten an ihrer Schule aber auch körperliche Gewalt gegen Lehrkräfte erlebt. Auffällig sind laut Lehrerverband die hohen Zahlen von körperlicher Gewalt durch Schüler an Grundschulen. Rund 30 Prozent der Befragten hätten damit Erfahrungen. Demgegenüber stehen die vergleichsweise niedrigen Fallzahlen an den weiterführenden Schulen. Das spreche für eine sehr gute Wertevermittlung und Erziehung durch Grundschullehrkräfte, so der SLV.

Quelle: MDR/bj

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | In den Nachrichten | 29. April 2021 | 17:00 Uhr

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