Hunderte Anfragen Sachsens Universitäten bereiten sich auf geflüchtete Studierende aus der Ukraine vor

Die beiden Großstädte Charkiw und Kiew sind die wissenschaftlichen Zentren in der Ukraine. Bis zum Kriegsbeginn im Februar 2022 konnten dort 1,5 Millionen Studierende lernen. Doch nun sind beide Universitäten zum größten Teil zerstört. Viele ukrainische Studierende suchen nun eine neue Heimat, um ihr Studium fortsetzen zu können – auch in Sachsen. MDR SACHSEN hat mit den Hochschulen über Maßnahmen und aktuelle Probleme gesprochen.

Studentin mit Mund-Nasen-Schutz, während einer Vorlesung
Wie kann man ukrainischen Studierenden helfen, ihr Studium in Sachsen fortzusetzen oder überhaupt in Sachsen zu studieren? Mit dieser Frage befassen sich aktuell die sächsischen Hochschulen. Bildrechte: dpa

"Erwartbar bis zu 100.000 ukrainische Studierende und Forschende" könnten nach Deutschland kommen, so erklärten jüngst der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Die Universität Dresden verzeichnete bis jetzt etwa 500 Anfragen von Studierenden, "die sehr breit gefächert und meist an mehrere Unis gerichtet waren", so der Leiter des International Office der TU Dresden Peter Rosenbaum.

"Der Bedarf an individueller Beratung nimmt enorm zu", so Rosenbaum. Auch die Universitäten in Leipzig und Chemnitz erhalten jeden Tag unzählige Mails von Studierenden aus der Ukraine. Vor allem in den Studiengängen der Naturwisschaften und der Medizin sei die Nachfrage nach einem Studienplatz hoch, so der 53-jährige Rosenbaum.

Studenten sitzen in einem Seminarraum.
Das Wichtigste ist zunächst, dass die ukrainischen Studierenden Deutsch lernen, um dann auch in deutscher Sprache studieren zu können. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / MASKOT

Sprachbarriere größtes Problem

Das größte Problem bei der Bearbeitung der Anfragen seien die fehlenden Deutschkenntnisse der Interessierten, so Mark Mietzner, Rektor der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK). Vom DAAD geförderte Programme an der HTWK mit den Namen "welcome" und "Integra" richten sich explizit mit Fördermöglichkeiten wie Sprachkursen an Studierende mit Fluchthintergrund.

"Wir stehen im Austausch mit dem Studienkolleg Sachsen, damit wir rasch mehr Deutschkurse anbieten können", erklärt die Referentin der Stabsstelle Internationales Betina Sedlaczek an der Universität Leipzig. Das Angebot der Sprachkurse werde an allen Universitäten des Freistaates für geflüchtete Menschen aus der Ukraine kostenlos sein.

Gasthörer-Status als Zwischenlösung

Doch nur mit einem Sprachkurs ist den Studierenden noch nicht geholfen. Da die Einschreibefristen zum Sommersemester bereits abgelaufen sind, ist eine Einschreibung der geflüchteten Studierenden erst zum Wintersemester 22/23 wieder möglich. Die Bewerbungsmodalitäten für alle internationalen Studierenden seien an den Universitäten gleich. Interessierte Studierende aus der Ukraine könnten daher nicht bevorzugt behandelt werden, so Sedlaczek zu MDR.

Es gebe allerdings Studienplätze in zulassungsfreien Fächern, in denen sich geflüchtete Studierende aus der Ukraine schneller einschreiben könnten, wenn sie über eine Zulassungsvorraussetzung verfügen. Daneben sei es möglich als Gasthörende oder Teilstudierende auch innerhalb des laufenden Semesters an den Unis aufgenommen zu werden. "Zudem können Geflüchtete im Zusammenhang mit dem Ukrainekonflikt eine Befreiung von der Gasthörergebühr beantragen", erklärt der Pressprecher der TU Chemnitz Mario Steinebach.

Ein voller Hörsaal
Überfülle Hörsäle gehören schon lange zum Alltag von Studierenden - mit den zusätzlichen Studierenden aus der Ukraine kommen viele Hochschulen an den Rand ihrer Kapazitäten. Bildrechte: MDR/Andreas Manke

Das Drittstaaten-Problem

Eine weitere Herausforderung, mit der alle Universitäten zu kämpfen haben, sind Studierende, die aus der Ukraine geflohen sind, aber ursprünglich aus Drittstaaten kommen. "Sie dürfen erstmal nur bis zum 23. Mai 2022 in Deutschland bleiben.

"Wir können diese Studierenden gegebenenfalls als Austauschstudierende einschreiben, wissen aber oft nicht, ob diese nur kurzfristig oder doch länger bleiben", so Peter Rosenbaum von der TU Dresden. Die Studierenden kommen teilweise aus Nigeria, Tunesien oder Indien. Aber auch Studierende aus Marokko, Algerien, Ägypten und Syrien seien dabei, die sich nun das zweite Mal auf der Flucht befinden, erklären Peter Rosenbaum.

Unkomplizierte und unbürokratische Hilfe notwendig

Die Hochschulen versuchen jetzt alles, um möglichst viele Studierende aus den vom Krieg betroffenen Regionen aufnehmen zu können. "Wir brauchen finanzielle Mittel, um helfen zu können, aber wir als Hochschule lassen niemanden allein mit dem Wunsch, bei uns zu studieren", so Mietzner von der HTWK Leipzig.

Auch an der TU in Chemnitz sieht dies Mario Steinebach so: "Wir haben als TU Chemnitz schon oft bewiesen, dass wir in solchen Situationen zusammenstehen. Jetzt ist es wichtig, unkomplizierte und unbürokratische Hilfen auf den Weg zu bringen."

MDR (im)

11 Kommentare

Eulenspiegel vor 10 Wochen

Hallo Kritische
Also Selenski hat absolut nichts getan was diesen Krieg irgendwie rechtfertigen könnte. Hören sie doch auf mit den Verdrehungen. Bei ihnen haben doch alle Schuld außer Putin.
Stellen sie sich den Tatsachen.
Putin wollte diesen bestialischen Krieg weil er auf diesem Weg das bekommen kann was er will.

Jan vor 10 Wochen

Ich finde es gut, dass sich darüber Gedanken gemacht und ich hoffe, dass es Lösungen gibt, dass so viele wie möglich hier ihr Studium fortsetzen können. Viel Erfolg!

Klaus vor 10 Wochen

Wie bereits geschrieben, die Hörsäle waren schon vorher überfüllt.
Und der Bund der Steuerzahler berichtet alljährlich ganz konkret über Steuerverschwendung. Da kann man also sehr viel Geld einsparen und für notwendige Immobilien verwenden.
Und man kann auch das übergroße Parlament verkleinern, da spart man sehr viele Gehälter, die man auch deutlich sinnvoller ausgeben kann.
Wenn etwas knapp ist, dann muss man das angemessen vermehren.
Das wird in der Industrie ebenso gemacht (wenn etwas gebraucht wir, wird es besorgt oder beschafft), nur die Politik ist da etwas rückständig.
Aber jetzt ist man auf einem guten Weg, weil man nach unbürokratischen Wegen sucht und die Sache endlich anpackt.

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