Schule Eltern beklagen massiven Unterrichtsausfall in Sachsen

Das Schuljahr ist gerade mal vier Wochen alt und schon beklagen einige wieder massiven Unterrichtsausfall. Seit Beginn des neuen Schuljahres häufen sich Berichte über Unterrichtsausfall an vielen Schulen. Elternvertreter verlangen mehr Einsatz vom Kultusministerium. Das erklärt die schwierige Lage mit "Sondereffekten" und hat keine kurzfristigen Lösungen parat.

Leeres Klassenzimmer
Einige Klassenräume in Sachsen stehen derzeit leer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

An einer Dresdner Grundschule sind in der vergangene Woche zwei Klassen ins Homeschooling geschickt worden, weil acht von 19 Lehrern fehlten. Auch an einer Oberschule in Freital gibt es massiven Unterrichtsausfall, wie Elternratssprecher Andre Jaroslawski MDR SACHSEN sagte. "Ein Vater aus Freital sagt, dass sein Kind in Chemie und Physik seit Schuljahresbeginn bereits 50 Prozent Ausfall hatte, im vergangenen Jahr gab es nur zehn Unterrichtsstunden." Schwerpunktmäßig seien beim Unterrichtsausfall die sogenannten MINT-Fächer betroffen. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. "Das betrifft alle Schularten, insbesondere die Oberschulen, insbesondere dort in den höheren Klassen".

In den Gymnasien beispielsweise ist es ein Witz. Da werden Unterrichtsstunden, die ausfallen, dann als Selbstlernstunden bezeichnet.

Andre Jaroslawski Stellvertretender Vorsitzender des sächsischen Landeselternrats

Im Moment sieht der Elternvertreter kaum eine Chance, den gesamten Lernstoff wieder aufzuholen - zumal durch die Corona-Pandemie schon einiges liegen geblieben sei. "Hier müssen dringend Anstrengungen unternommen werden, um diesen Zustand wenigstens zu mildern".

Landesschulamt: Probleme überlagern sich

Das Landesamt für Schule und Bild bestätigte die angespannte Situation an einigen Schulen im Freistaat. Sprecher Roman Schulz sagte MDR SACHSEN, es liege aber nicht an fehlenden Stellen oder am Geld.

Roman Schulz, Pressesprecher Landesamt für Schule und Bildung
Bildrechte: Landesamt für Schule und Bildung

Wir haben ärztliche Bescheinigungen. Wir haben Krankmeldungen. Wir haben Quarantäne. Wir haben ein Beschäftigungsverbot für Schwangere. Also all diese Personengruppen trifft keine Schuld, es überlagert sich einiges.

Roman Schulz Sprecher des Landesamts für Schule und Bildung in Chemnitz

Es sei auch weiterhin schwierig, den Ausfall von Lehrerinnen und Lehrern außerhalb der Ballungszentren Dresden und Leipzig auszugleichen. "Die bereit sind, in den Schuldienst im Freistaat Sachsen zu gehen, wollen häufig nur in den Ballungszentren bleiben und nicht in die Regionen gehen", sagte Roman Schulz.

Piwarz: "Sondereffekte" durch Infektionswelle und Schwangerschaften

Kultusminister Christian Piwarz sagte MDR SACHSEN, der Freistaat habe in den vergangenen Jahren bereits viele neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt. Aber man sei immer noch nicht in Lage, den Bedarf in jeder Region und Schulart decken zu können. Dazu kämen "Sondereffekte" wie eine Erkältungswelle jenseits von Corona und das Beschäftigungsverbot für Schwangere.

Christian Piwarz
Bildrechte: dpa

Wir haben viele junge Lehrerinnen eingestellt und wir haben da relativ viele Schwangerschaften. Durch Corona heißt das, dass automatisch mit Feststellen der Schwangerschaft, die Lehrerin nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen kann.

Christian Piwarz (CDU) Kultusminister in Sachsen

Mit dem nächsten Einstellungsverfahren zum 1. Februar hoffe das Kultusministerium, entstandene Lücken mit neuen Bewerbern schließen zu können, sagte Piwarz. Eine kurzfristige Lösung für die Probleme sieht der Minister nicht.

Quelle: MDR/kb/ak/böl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 06. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Amanda vor 14 Wochen

Unglaublich...jetzt werden die Schwangeren als Ausrede hervorgebracht.
An unserem Chemnitzer Gymnasium sind 3 Stellen unbesetzt. Ausfallzeiten wegen Beschäftigungsverbot und Elternzeit kommen on top noch dazu. Seit Schuljahresanfang fallen bei meinem Kind in der 8. Klasse 11 Stunden in der Woche aus. Im Fach Englisch findet derzeit kein Unterricht statt. Höhepunkt war in der vergangene Woche - die komplette Klasse durfte zu Hause bleiben, weil der Unterricht durch keinen Lehrer abgesichert werden konnte.
Besserung wurde uns eventuell zum Halbjahr zugesagt, wenn sich denn ein geeigneter Bewerber findet.
Wann gesteht sich das Kultusministerium endlich einmal sein Versagen ein und erarbeitet eine langfristige Lösung der Problemlage?

Seit 15 Jahren verfolge ich durch meine Kinder die Entwicklung. Tiefer kann unser Bildungssystem nicht mehr sinken - oder doch? Wenn ich mir den Altersdurchschnitt der Lehrer*innen so anschaue...

Willow vor 14 Wochen

Das Kultusministerium hat einfach viele Dinge verschlafen. Unser Bildungssystem ist überholt, veraltet und schwerfällig.

Nach 7 Jahren wird gemerkt, dass es zu viele Erstklässler gibt, nach 10 Jahren, dass die weiterführenden Schulen aus allen Nähten platzen. Dann muss man als Elternteil sich noch entschuldigen, wenn man "ein" schulpflichtiges Kind hat.

Die Kinder sitzen in Containern, baufälligen Schulen weil die Gemeinden einfach kein Geld haben, die Schulen zu sanieren. Das macht die Kinder und auch besonders die Lehrer kaputt, so zu lernen und zu arbeiten. Da wird noch nicht mal von der Digitalisierung gesprochen.

Die Lehrer, denen die Kinder am Herzen liegen und die ihren Job lieben, wird ein Stein nach dem anderen in den Weg geräumt, die werden ausgequetscht bis auf den letzten Tropfen. Übrig bleiben dann weitere kranke Lehrer, die keinen Bock mehr darauf haben. Das ist so frustrierend sowohl für die Lehrer als auch für die Kinder.

Kritische vor 14 Wochen

Bei uns an der Schule (Gymnasium Leipziger Land) bestand das Problem schon vor Corona. Diese Woche wieder hat das Kind TÄGLICH Ausfälle oder Vertretungsstunden. Letztere bedeuten meist, dass die Kinder Filme schauen oder Spiele spielen. Dass in vielen Fächern durch Corona sowieso schon viel Stoff fehlt, spielt dann keine Rolle. Bei uns hat die Englisch-Lehrerin Projekte mit Studenten, andere sind dauerkrank, wieder andere müssen für andere Lehrer in anderen Klassen einspringen, weil es dort fehlt.... Katastrophe. Und im Unterricht selbst wird allzu oft nur ein Tafelbild abgepinselt oder die Kinder müssen den Stoff quasi selbst erarbeiten, indem sie PowerPoints anfertigen müssen. Wenig kreativ und zeitgemäß. Kind hat nun 3 Tage gefehlt und was da "behandelt" wurde, hat sie in ein bis zwei Stunden häuslicher Arbeit abgeschrieben. Ein Armutszeugnis für unser Bildungssystem. Der Blick ins Ausland, nicht nur nach Skandinavien, zeigt, dass Schule auch anders geht.

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