Starkregen und Überflutungen Nach Unwettern: Sachsen rechnet mit Schäden in Millionenhöhe

Die Unwetter in Teilen von Sachsen könnten den Freistaat teuer zu stehen kommen. Umweltminister Wolfram Günther geht von Kosten in Millionenhöhe aus. Die Schäden seien aber noch nicht genau beziffert. Am Dienstag beschäftigt sich das Kabinett mit den Folgen von Starkregen und Überflutungen.

Hochwasser in Bad Schandau, Ortsteil Krippen
Auch Bad Schandau war von den Unwettern betroffen. Bildrechte: xcitepress

Sachsen rechnet nach Starkregen und Überflutungen in einigen Teilen des Freistaates mit Schäden in Millionenhöhe. Bisher sei das aber noch nicht genau beziffert, sagte Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) am Montag in Porschdorf in der stark betroffenen Sächsische Schweiz. Dort und auch in Ostsachsen hatte am vergangenen Sonnabend extremer Regen Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst. Am Sonntag hatte sich die Lage entspannt.

Laut Günther wurden Straßen, Eisenbahngleise, Brücken und Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. Menschen seien nicht verletzt worden. Schäden sollten bei den Gemeinden angezeigt werden. Am Dienstag wolle sich das Kabinett mit den Unwetterfolgen befassen.

Starkregen mit bis zu 130 Litern pro Quadratmeter

Nach Angaben des Umweltministeriums waren in der Sächsischen Schweiz vor allem die Flüsse Sebnitz, Polenz, Lachsbach und Kirnitzsch betroffen. Auch im Lausitzer Bergland und im Zittauer Gebirge sowie im Landkreis Zwickau habe es Starkregen gegeben. In einzelnen Lagen seien 130 Liter Regenwasser pro Quadratmeter binnen 24 Stunden gefallen. Normalweise liege die Jahresmenge im sächsischen Jahresmittel bei 500 bis 700 Liter. Das alles sei aber nicht zu vergleichen mit der Lage im Westen oder im Süden Deutschlands.

Günther zufolge hat das Hochwasserschutzsystem in Sachsen am Sonnabend funktioniert. Gleiches gelte für das Meldewesen. Der Minister appellierte an die Menschen, Vorsorge zu treffen und sich bei solchen Wetterlagen gut zu informieren. "Das Katastrophenrisiko gilt immer und überall." Eine absolute Sicherheit werde es nie geben.

Nach Einschätzung von Birgit Lange, Betriebsleiterin in der Landestalsperrenverwaltung, sind nicht nur Anwohner von Flüssen gefährdet. Bei Starkregen laufe Wasser nach dem Schneeballprinzip zusammen. Der Mensch sei immer langsamer als das Wasser.

Wasser sucht sich den geringsten Widerstand und räumt alles aus dem Weg.

Birgit Lange Betriebsleiterin Landestalsperrenverwaltung

Flächenversiegelung soll reduziert werden

Birgit Lange kritisierte den Umstand, dass auch in Überschwemmungs- und Risikogebieten in Sachsen noch immer gebaut wird, weil Behörden das genehmigen. Statt einer Kann-Bestimmung brauche man eine klare Regelung.

Nach den Worten von Umweltminister Günther strebt der Freistaat über seinen Landesentwicklungsplan an, die Flächenversiegelung von vier bis fünf Hektar pro Tag auf zwei Hektar zu reduzieren. Die Flächenversiegelung gilt als wichtige Ursache auch für das Ausmaß der Katastrophe im Westen. Zudem kündigte er eine "Wasserstrategie 2030" für Sachsen an. Sie soll das Wassermanagement bei Starkregen und Dürre verzahnen und auch den Hochwasserschutz einbeziehen.

Laut Günther hat Sachsen seit der Jahrhundertflut 2002 bisher 3,6 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz und das Risikomanagement gesteckt. In der Summe seien Gelder der EU und des Bundes enthalten. 75 Prozent der geplanten Maßnahmen seien umgesetzt.

Bahnstrecke nach Prag wieder nutzbar

Die Bahnstrecke Dresden-Prag, die wegen Bergungsarbeiten zeitweilig voll gesperrt war, wurde seit der Nacht zu Montag wieder eingleisig befahren. Nach Angaben der Deutschen Bahn kann es wegen der Beeinträchtigung des Zugverkehrs zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Decin weiter zu Verspätungen kommen.

Sächsische Helfer im Westen Deutschlands

Nach der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands schickten sächsische Hilfsorganisationen Helfer in die Gebiete. Das betraf unter anderem Einsatzkräfte der Krisenintervention und Notfallseelsorge, die in Rheinland-Pfalz im Einsatz sind, teilte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit.

Quelle: MDR/gh/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19. Juli 2021 | 21:00 Uhr

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