Sommergewitter Regen oder kein Regen - wie zuverlässig sind Wetter-Vorhersagen?

Donnerstagabend bei den Filmnächten in Dresden: Ein Platzregen ergießt sich über hunderten Besuchern. Viele Kinofreunde sind überrascht, denn sie hatten sich auf die Wettervorhersagen verlassen. Und die hatten nach einigem Hin und Her für diesen Zeitpunkt einen regenfreien Abend vorausgesagt. "Wer schreibt eigentlich diese Wetterberichte", grummelt ein Besucher in der wartenden Schlange vor dem Eingang. MDR-Wetterexpertin Susanne Langhans erklärt im Interview die komplizierte Materie von Sommergewittern und warum genaue Vorhersagen so schwierig sind.

Sommerlandschaft. Am Himmel ziehen dunkle Gewitterwolken auf.
Eine bedrohliche Wolkenfront am Himmel, doch wird es auch regnen? Bildrechte: Colourbox.de

Susanne, wenn wir die Situation bei den Filmnächten zum Anlass nehmen: Einige Besucher hatten mehrfach ihre Wetter-Apps gecheckt und auch die Vorhersagen. Und wurden dann überrascht, dass es doch einen heftigen Platzregen gab. Warum ist eine genaue Vorhersage offenbar nicht möglich?

In einer schwülen Luftmasse können sich tagsüber durch die Sonne explosionsartig Gewitterzellen bilden. Die sind oft sehr kleinräumig. Die Menschen vor Ort spüren das gegebenenfalls kurzfristig vorher, wenn der Wind plötzlich stärker wird und die vorher noch unschuldig aussehende Schäfchenwolken beinahe von jetzt auf gleich eine bedrohlich dunkle Unterseite hat und sich nach oben zu einem riesigen Wolkenberg entwickelt hat – zu der Gewitterwolke. So eine Zelle kann sich dann vor Ort abregnen und entladen. Sie kann aber auch schnell weiterziehen. Aber sie kann sich auch auflösen und ein paar Kilometer entfernt erneut bilden.

Also gibt es Sicherheit erst kurz vor knapp?

Ja, das alles ist vollkommen unberechenbar und von den Wettermodellen vorab nicht berechenbar. Vorhersagemodelle können Stunden vorher nur aufzeigen, ob die Zutaten für so eine Gewitterlage da sind. Die Gewitterzelle selbst ist erst kurz vorher erkennbar.

Auch wenn sich Wetterapps oft schon genau festlegen, zu welcher Stunde es an einem Ort blitzen und donnern wird - das ist nur eine Momentaufnahme. Wer sich die Mühe macht und stündlich die gleiche App benutzt und die Vorhersage vergleicht, wird merken, dass es immer wieder Anpassungen für diese Vorhersage gibt.

Susanne Langhans im Wetterstudio
Hitze, Unwetter, Schnee, Eis - Susanne Langhans hat für jede Wetter-Situation eine Erklärung. Und rät: gerade im Sommer auf schnelle Änderung der Wetterlage eingestellt sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Oft hört man in den Wetterberichten den Satz: "Wann und wo genau sich die Gewitter entladen werden, ist erst kurzfristig vorhersagbar".'

Richtig. Es gibt ja dieses gern genommene Bild vom blubbernden Topf. Wo genau die nächste Blubberblase aufsteigen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Den Herd können wir gut mit der Sonne austauschen. Laut Deutschem Wetterdienst können auch eine warme Wasseroberfläche oder Gebirge die Auslöser für ein Gewitter sein.

Bei Frontengewittern wiederum schiebt sich den Experten zufolge kalte Luft unter eine wärmere Luftschicht. Doch egal, wie es ausgelöst wird, es kommt darauf an, dass eine große Menge feuchtwarmer Luft aufsteigt. Dabei bilden sich erst harmlose Wolken und später gegebenenfalls Gewitterwolken. Das kann manchmal innerhalb von ein paar Minuten passieren und dann nur ganz kleinräumig einen Ort betreffen.

Ein Zuschauer hat uns geschrieben, dass ihn "Falschmeldungen" massiv stören. Statt Regen habe er am Donnerstag strahlenden Sonnenschein im Erzgebirge erlebt. Was können wir ihm sagen?

Da Gewitter große Schäden anrichten können und niemanden überraschen sollen, muss Stunden vorher pauschal gewarnt werden, wenn alle Zutaten für ein mögliches Unwetter gegeben sind. Die genauen Warnungen gibt es dann in der Regel etwa 30 Minuten vorher.

MDR (dkö)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 19. August 2022 | 19:00 Uhr

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