Schienennetz Sechs stillgelegte Bahnstrecken in Sachsen vielleicht bald wiederbelebt

In den vergangenen Jahrzehnten sind viele Bahnstrecken in Sachsen für den Personenverkehr stillgelegt worden. Die Bahn hielt die Abschnitte wegen geringer Auslastung für nicht mehr rentabel. Aus einer Auswahl von 21 Strecken hat das sächsische Verkehrsministerium nun ein halbes Dutzend Teilstücke ausgewählt, die einer intensiveren Prüfung unterzogen werden sollen. Die Anbindung des ländlichen Raums an den ÖPNV ist ein wichtiges Wahlkampfthema, vor allem außerhalb der sächsischen Großstädte.

Nahaufnahme rostiger großer Schienenschrauben und Schotter im Gleisbett, dass von Unkraut durchzogen ist.
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Der Freistaat Sachsen will sechs für den Personenverkehr stillgelegte Bahnstrecken möglicherweise wiederbeleben. Das teile Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig am Dienstag mit. Ursprünglich waren 21 Teilstücke des sächsischen Schienennetzes Gegenstand eines Gutachtens. Daraus habe man die vielversprechendsten Strecken ausgewählt, so Dulig. Es gehe um sechs Abschnitte, die das Ministerium "intensiv und detailliert auf eine Aktivierungsmöglichkeit" hin untersuchen wolle.

Konkret sind das:

  • die Strecke Döbeln – Meißen – Nossen
  • die Strecke Marienberg – Pockau-Lengefeld
  • die Strecken Beucha – Brandis
  • die Strecke Brandis – Trebsen
  • die Strecke Kamenz – Hosena
  • die Strecke Löbau – Ebersbach

Karte Reaktivierung Bahnstrecken Sachsen
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Wiederbelebung nur bei Nachfrage

Bei der Auswahl seien vor allem die Instandsetzungs- und Betriebskosten sowie die zu erwartende Nachfrage berücksichtigt worden, sagte Wirtschaftsminister Dulig.

Ein Mann mit Vollbart und Anzug sitzt bei einer Pressekonferenz im Podium
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Um Fördermittel des Bundes zu erhalten, muss man natürlich nachweisen, dass die Strecke wirtschaftlich ist. Deshalb geht es zum Schluss um Strecken, die das Potential haben.

Martin Dulig Minister für Wirtschatf, Arbeit und Verkehr in Sachsen

Dulig betonte, dass ohne eine ausreichende Anzahl an Fahrgästen eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf ungenutzen Abschnitten wenig Chancen habe. Zugleich forderte er vom Bund weitere Regionalisierungsmittel für den öffentlichen Personennahverkehr, damit die zum Erreichen der Klimaziele notwendige Verdoppelung der Fahrgastzahl erreicht werden können.

Ziel: Anbindung für 80 Prozent der Sachsen

Im sächsischen Doppelhaushalt 2021/22 sind laut Verkehrsministerium rund 13 Millionen Euro für die Reaktivierung stillgelegter Trassen vorgesehen. "Es ist das gemeinsame Ziel aller Koalitionsparteien, 80 Prozent der sächsischen Bürgerinnen und Bürger an das Netz des ÖPNV anzubinden und einen positiven Beitrag zur Umwelt- und Klimaverbesserung zu leisten", sagte Dulig.

Regionalbahn steht bei Sonnenuntergang am Bahnhof
Ziel des Ministerium ist es, 80 Prozent der Bürger in Sachsen an den ÖPNV anzubinden. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Markus Wetterauer

Ifo-Studie befürwortet Wiederbelebung

Am Montag hatte das Ifo-Insititut Dresden eine Studie vorgestellt, in der eine Wiederbelebung stillgelegter Bahnstrecken befürwortet wird, um damit den ländlichen Raum schneller anzubinden. Solche Reaktivierungen sollten Vorrang vor dem Bau neuer Trassen haben. Dem Institut zufolge wurden in den vergangenen 60 Jahren fast 30 Prozent der Bahnstrecken stillgelegt - sowohl in West- als auch Ostdeutschland. Insgesamt sei das deutsche Bahnnetz im Vergleich zum Jahr 1955 um fast 15.000 Kilometer geschrumpft, so das Ifo-Institut.

Die jahrzehntelange Ausdünnung des Bahnnetzes erschwert uns heute die Verkehrswende, vor allem auf dem Land.

Felix Rösel Studienautor, Ifo-Institut

Tausende Bahnkilometer stillgelegt

Die Anbindung des ländliches Raums an den ÖPNV ist im aktuellen Wahlkampf ein wichtiges Thema. Das zeigt sich auch in einer aktuellen Befragung unter Wählerinnen und Wählern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Deutsche Bahn hatte vor allem Verbindungen gestrichen, die sie für unrentabel oder überflüssig hielt. Sachsen hat nach Angaben des Wirtschaftsministeriums trotz des Rückgangs in den vergangenen Jahrzehnten immer noch das bundesweit dichteste Schienennetz. Es umfasst rund 2.600 Kilometer.

Quelle: MDR/bj/mina

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 17. August 2021 | 13:00 Uhr

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