Waldzustandsbericht 2022 "Mitten drin im Klimawandel" : Sachsens Wald krankt immer mehr

Der Waldzustandsbericht in Sachsen ist keine vergnügliche Lektüre. Nicht nur Borkenkäfer und Stürme haben Spuren hinterlassen. Immer mehr Bäume sind krank.

Ein Schild "Achtung Totholz" der Niedersächsischen Landesforsten steht vor abgestorbenen Fichten auf dem Wurmberg im Harz.
Ein Drittel des Baumbestandes in Sachsens Wäldern ist mittlerweile krank. Damit sind diese Bäume anfällig für Borkenkäfer und Hitze. Bildrechte: dpa

Der Zustand der sächsischen Wälder hat sich weiter verschlechtert und ist nach Ansicht von Experten besorgniserregend. Sachsens Forstminister Wolfram Günther (Grüne) verwies am Freitag bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes auf neue Höchststände in den Schadensbilanzen. "Wir stecken mittendrin in den Folgen des Klimawandels", nannte er zugleich die maßgebende Ursache.

Birken stehen in Mitten von toten Nadelbäumen an denen Wanderer vorbei gehen.
Hier geht nicht mehr viel: An vielen Stellen in der Sächsischen Schweiz gehört saftiger Wald mit gesunden Bäumen der Vergangenheit an. Bildrechte: dpa

Jeder dritte Baum ist krank

Insgesamt stieg der Anteil deutlich geschädigter Bäume in diesem Jahr auf mehr als ein Drittel (35 Prozent). Nur rund jeder fünfte Baum (22 Prozent) hat keine Schäden, der Rest weist schwache Schäden auf. Während Günther für das vergangene Jahr wegen vergleichsweise guter Niederschlagsmengen eine Regeneration feststellte, sei 2022 ein weiteres Trockenjahr gewesen - wie schon die Jahre 2018 bis 2020. Die Entwicklung sei sehr kritisch, sagte der Minister.

Es habe dramatisch an Wasser gefehlt, vielerorts sei der Waldboden bis in weite Tiefen ausgetrocknet. Das wiederum setze die Bäume unter Stress und mache sie auch anfällig für Schädlinge. In den Wintermonaten könne sich der Wald nicht mehr erholen. "Uns fehlt mittlerweile mehr als ein kompletter Jahresniederschlag."

Uns fehlt mittlerweile mehr als ein kompletter Jahresniederschlag.

Wolfram Günther (Grüne) Umweltminister Sachsen

Wolfram Günther
Nie war Sachsens Wald zu krank wie jetzt: Der sächsische Umweltminister verweist auf Höchststände in den Schadensbilanzen. Bildrechte: MDR/Dennis Williamson

Bäume verloren knapp ein Drittel ihrer Nadeln und Blätter

Auch bei der Kronenverlichtung - sie beschreibt den sicht- und messbaren Verlust von Blättern und Nadeln - gab es einen neuen Höchstwert: Während er im langjährigen Mittel bei 17,2 Prozent lag, hatten die kontrollierten Bäume in diesem Jahren einen Verlust an Blättern und Nadeln von 27 Prozent (2021: 25,1 Prozent). "Erneut schlagen Klimakrise und Borkenkäfer tiefe Wunden in den sächsischen Wald", konstatierte Günther. Infolge der Klimakrise sei es zu trocken und zu warm. Die Folgen habe man im Sommer auch mit mehr als 180 Waldbränden in Sachsen erfahren müssen.

Erneut schlagen Klimakrise und Borkenkäfer tiefe Wunden in den sächsischen Wald.

Wolfram Günther (Grüne) Umweltminister Sachsen

Ziel: Klimastabile Mischwälder

Die Antwort der Forstverwaltung auf die Entwicklung heißt in Kurzform "klimastabile Mischwälder". Mit einer sogenannten integrativen naturgemäßen Waldbewirtschaftung sollen Sachsens Wälder fit gemacht werden. "Nur wenn wir Naturschutz, Bodenschutz und Waldnutzung zusammendenken, werden wir das Ökosystem Wald insgesamt ausreichend gegen die Klimakrise härten können", betonte der Minister. Das Konzept ziele auch darauf ab, dem Verlust der Artenvielfalt und sinkender Widerstandsfähigkeit der Waldökosysteme entgegenzuwirken.

Borkenkäfer-Gefahr ist nicht gebannt

Landesforstpräsident Utz Hempfling ging bei seinen Erläuterungen auch auf die Situation bei den Borkenkäfern ein. Die Gefahr sei nicht gebannt. "Obwohl es Regionen gibt, in welchen sich die Situation positiv entwickelt hat und Schadmengen zurückgegangen sind, kann dies nicht für ganz Sachsen festgestellt werden. Daher gilt es, weiterhin achtsam zu sein." Den stärksten Befall gibt es demnach es in den Landkreisen Bautzen, Görlitz und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Über 6.600 Bäume untersucht

Der Waldzustand wird in Sachsen stichprobenartig anhand von 6.672 Bäumen festgestellt. Dabei werden neben der Kronenverlichtung und dem Vergilbungsgrad Merkmale wie Blüte und Fruchtbildung untersucht. Auch Schäden durch Insekten und Pilze, Dürre, Sturm und Feuer spielen eine Rolle. Zum Monitoring gehören außerdem "Dauerbeobachtungsflächen" und 21 Waldklimastationen.

Mehr zum Thema:

Logo MDR 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
6 min

Forscher der TU Dresden analysieren innerhalb des europäischen Treibhausgasbeobachtungsnetz den CO2-Austausch zwischen Boden, Pflanzen und Athmosphäre.

MDR AKTUELL Mi 03.04.2019 12:25Uhr 05:50 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/Bilanz-saechsischer-wald100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Hektar Wald in Thüringen 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (kt)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 09. Dezember 2022 | 14:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen

Sachsen

Steffen Zenner (l, CDU), Oberbürgermeister von Plauen, und Burkhard Jung (SPD), Oberbürgermeister von Leipzig, stehen an einem so genannten Zukunftszug im Leipziger Hauptbahnhof. mit Video
Steffen Zenner (l, CDU), Oberbürgermeister von Plauen, und Burkhard Jung (SPD), Oberbürgermeister von Leipzig, bewerben sich gemeinsam um das Zukunftszentrum. Bildrechte: dpa