Tourismus Corona-Pandemie lässt die Sachsen öfter wandern

Die sächsischen Wandergebiete bereiten sich auf die neue Saison vor. Während man sich in der Oberlausitz über neue Fernblicke freut, kämpft der Nationalpark Sächsische Schweiz mit gesperrten Wanderwegen und Borkenkäfer-Befall. Alles in allem hat die Corona-Pandemie aber zu deutlich mehr Wandernden im Freistaat geführt, sagen die Tourismusverbände.

Ein Bauzaun steht auf einem Sandsteinfelsen in der Sächsischen Schweiz.
In der Pandemie zieht es mehr Menschen in die Wandergebiete im Freistaat, auch in die Sächsische Schweiz. Bildrechte: Daniel Förster

Er kommt zwar etwas spät, aber er kommt - der Frühling in Sachsen. Nach einem langen Winter mit Homeoffice und Pandemie wird es in den kommenden Wochen den Einen oder die Andere nach draußen ziehen. Die sächsischen Wandergebiete haben sich deshalb in den vergangenen Wochen für die neue Saison gerüstet. Trotz Vorfreude müssen Wanderer wegen der Corona-Situation und Waldschäden durch die Borkenkäfer-Plage derzeit einige Dinge beachten, wie eine Umfrage der Deutschen Presseagentur bei Tourismusverbänden ergab.

Im Nationalpark Sächsische Schweiz beeinträchtigen beispielsweise Forstarbeiten das Wandervergnügen. Und der Tourismusverband Erzgebirge mahnt, die eigene Verpflegung nicht zu vergessen, denn die Schenken und Wirtshäuser seien wegen der Pandemie noch geschlossen.

Das Wandern erlebt einen Boom

Doch nicht nur die Verpflegungssituation der Wandernden hat sich durch das Coronavirus verändert. In der Pandemie haben offenbar viele Menschen Sachsens Wanderziele neu für sich entdeckt. Durch die Corona-Beschränkungen habe das Wandern in Sachsen einen Auftrieb erlebt, konstatierte der Präsident des Sächsischen Wander- und Bergsportverbandes, Felix Pechmann. So seien auf vielen Wegen voriges Jahr mehr Menschen anzutreffen gewesen als zuvor. "Das hat aber bisher nicht dazu geführt, dass die Wandervereine stärkeren Zulauf bekommen hätten."

Mehr Wandernde auch im Erzgebirge

Auch das Unterwegs-Sein als solches hat sich laut Pechmann unter Corona-Bedingungen verändert. Wegen fehlender Übernachtungsmöglichkeiten seien meist nur Tagestouren möglich. Auch das Besichtigen von Sehenswürdigkeiten entlang einer Strecke oder die Einkehr in Gaststätten sei nicht möglich - ebenso wie das Wandern in größeren Gruppen. Denn auch dafür gelten die aktuellen Kontaktbeschränkungen. Richtig nachvollziehbar sei das nicht, bewege man sich doch unter freiem Himmel, meint Pechmann.

Von einer Wiese aus blickt man in ein Tal und sieht in der Ferne eine Kleinstadt im Erzgebirge. Am Himmel geht die Sonne unter und färbt alles orange-rot ein.
Auch im Erzgebirge spürt man den Wander-Boom, sagt der Tourismusverband. Bildrechte: Kathrin König

Der Tourismusverband Erzgebirge bestätigt Pechmanns Beobachtungen. Während der Pandemie sei die Nachfrage nach Wandertouren stark gestiegen, hieß es von dort. Die Wanderwege seien im Jahr 2020 sehr viel stärker frequentiert gewesen als noch in den Jahren davor.

Sächsische Schweiz kämpft mit Waldschäden

Der Nationalpark Sächsische Schweiz profitiert vom neuen Wander-Boom nur bedingt. Hier ist das Wandervergnügen getrübt. Vor allem im hinteren Teil des Nationalparks sind laut der Verwaltung und des Staatsbetriebes Sachsenforst einige Wege unpassierbar. Viele Fichten seien abgestorben und drohten umzustürzen. Schilder oder Absperrungen wiesen auf die Gefahren hin.

Die Nationalparkverwaltung sieht dem Himmelfahrtstag und der neuen Wandersaison mit einiger Besorgnis entgegen. Schon voriges Jahr habe mit der Pandemie der Strom der Wanderer in die geschwächte Natur der Sächsischen Schweiz zugenommen. Vor allem an sonnigen Wochenenden wie unlängst Anfang April sei der Andrang groß.

Freier Blick in der Oberlausitz

In der Oberlausitz versucht man aus dem geschädigten Wald das Beste zu machen. Generell seien die Wanderwege begehbar und auch gut ausgeschildert, sagt Caroline Schneider von der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien. Die Fichtenwälder hätten durch die Borkenkäfer-Plage jedoch stark gelitten. Doch wo Wald abgeholzt werden musste, ergäben sich jetzt bisweilen spektakuläre Fernsichten, die zuvor nicht möglich waren. Das Wandernetz der Oberlausitz erstreckt sich auf mehr als 5.000 Kilometer. Der Zustand sei gut, hieß es. Also stehe einem Familienausflug nichts im Wege, so Schneider.

Wandertipps der Tourismusverbände

  • Denken Sie an Rucksackverpflegung für unterwegs. Gaststätten sind weiterhin geschlossen.
  • Wegen fehlender Übernachtungsmöglichkeiten sind in der Regel nur Tagestouren möglich.
  • Wanderungen in größeren Gruppen sind aufgrund von Kontaktbeschränkungen nicht möglich.
  • Im Nationalpark Sächsische Schweiz sind einige Wege unpassierbar. Laut Sachsenforst sind viele Fichten abgestorben und drohen umzustürzen. Schilder oder Absperrungen wiesen auf die Gefahren hin.
  • Im Erzgebirge müssen Wanderer vor allem in Kammlagen in mehr als 800 Metern Höhe noch mit Schneeresten und Eisglätte rechnen.

Quelle: MDR/bj/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | In den Nachrichten | 08. Mai 2021 | 12:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen